PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaftAbpfiff – das Protokoll nach der SchmachVon Christian Falk, Heiko NieddererStand: 14:55 UhrLesedauer: 7 MinutenNach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay analysiert Jürgen Klopp, was schiefgelaufen ist. Mit Blick auf seine mögliche Zukunft als Nationaltrainer sagt er: „Wer dann der Bundestrainer ist, werden wir sehen. Wahrscheinlich ist es Julian Nagelsmann.“In der Kabine der deutschen Nationalmannschaft flossen nach dem WM-Aus Tränen. Jürgen Klopp äußert sich zur Nagelsmann-Nachfolge. Und im Flieger wird der Bundestrainer von seiner Frau getröstet. Ein Blick hinter die Kulissen.Die nächste WM-Blamage ist perfekt. Deutschland scheitert zum dritten Mal in Folge schon vor dem Achtelfinale bei einer Weltmeisterschaft. Nach dem Gruppen-Aus 2018 in Russland und 2022 in Katar ist auch 2026 in den USA früh Endstation. Nach einem 4:5 nach Elfmeterschießen gegen Paraguay ist das Turnier schon nach dem Sechzehntelfinale vorbei. WELT protokolliert, was sich nach der Schmach vollzog.19.28 Uhr (Ortszeit): Abpfiff. Deutschland ist raus. Kapitän Joshua Kimmich geht am Mittelkreis zu jedem Mitspieler, klatscht sie ab und versucht, sie aufzurichten. Nadiem Amiri sinkt in die Hocke. David Raum klopft ihm auf die Schulter. Bundestrainer Julian Nagelsmann klatscht zunächst Jamal Musiala, dann Leon Goretzka ab. Kimmich hat auf dem Platz Tränen in den Augen. Es ist seine dritte WM – und zum dritten Mal endet sie mit einer Enttäuschung.Circa 19.40 Uhr: In der Mannschaftskabine herrscht kurz darauf Stille. Das komplette Team ist traurig und geschockt. Auch Nagelsmann sagt zunächst kaum etwas. Einige Spieler weinen. Der Bundestrainer bedankt sich bei seiner Mannschaft für ihren Einsatz.19.50 Uhr: Kai Havertz stellt sich den TV-Kameras und entschuldigt sich. Er hatte den ersten Elfmeter verschossen: „Das einzige, was ich sagen kann: Entschuldigung. Wir haben uns viel vorgenommen, jetzt wieder zu enttäuschen – das ist kein schönes Gefühl.“19.53 Uhr: Jürgen Klopp, von vielen als künftiger Bundestrainer gehandelt, analysiert bei Magenta TV das Aus: „In so einem Spiel, da musst du über die Flügel kommen. Sané wurde allein gelassen. Wir wissen alle, wie gut die Jungs spielen können, aber das haben sie heute nicht auf den Platz bekommen.“Lesen Sie auchKurz nach 20 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz äußert sich bei Instagram. Sein Statement: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel! Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“20.01 Uhr: Nagelsmann spricht am Mikrofon von Magenta erstmals über seine Zukunft: „Ich stehe bereit, wenn man das möchte. Wenn man das nicht möchte, muss man das sagen. Ich möchte weitermachen, ich stehe bereit. Aber im Fußball hat man das nicht alles selber in der Hand. Wenn der DFB das nicht möchte, muss man es mir sagen.“20.05 Uhr: Nadiem Amiri stellt sich als erster Spieler in der Mixed Zone den wartenden Journalisten.20.06 Uhr: Nagelsmann im ZDF über das nicht gegebene Tah-Tor: „Das ist ein Witz, ein Skandal. Wenn ich es jetzt noch mal sehe: Ein Vollskandal!“20.10 Uhr: Weltmeister Mats Hummels fordert bei Magenta TV Konsequenzen: „Das schreit nach Konsequenzen. Die Heim-EM wird noch zu gut geredet. Beide WMs zuletzt enttäuschend. Das muss ein Thema sein – vom Bundestrainer selbst und vom Verband aus. Es kann nicht anders sein. Dafür ist Fußball zu sehr Leistungssport.“ DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig stehen zusammen und sprechen miteinander.20.19 Uhr: Kimmich stellt sich in der Mixed Zone vor Nagelsmann. Endet seine Zeit als Bundestrainer? „Ich hoffe natürlich nicht. Am Ende des Tages sind wir Spieler auf dem Platz, und wir sollten den Anspruch haben und die Qualität, dass wir Gegner wie Paraguay schlagen können. Es darf auch heute keiner auf die Idee kommen, den Schiri dafür verantwortlich zu machen oder irgendwie das Elfmeterschießen. Wenn du es über 120 Minuten nicht schaffst zu gewinnen, dann scheidest du verdient aus, du darfst gegen so Gegner nicht vom Glück und Pech abhängig sein, sondern solltest die Qualität in der Mannschaft haben, diesen Gegner deutlich zu schlagen.“20.20 Uhr: Ein Reporter der „Bild“ wird am VIP-Ausgang von zwei bewaffneten Polizisten aufgefordert, den Bereich zu verlassen.20.31 Uhr: Die Pressekonferenz mit Bundestrainer Julian Nagelsmann beginnt. Nagelsmann wird gefragt, ob er noch der Richtige für den Job des Bundestrainers sei und ob er schon mit Völler, Rettig und Neuendorf gesprochen habe. Nagelsmann antwortet: „Natürlich haben sie mit mir kurz gesprochen und mich getröstet, wie sie es auch bei allen Spielern gemacht haben. Aber ich glaube, es wäre skurril, wenn sie jetzt, 2 Minuten nach dem Ausscheiden, mit mir Vertragsgespräche führen. Das gibt es manchmal im Fußball. Es gibt viele skurrile Punkte im Fußball. Aber die 3 von Ihnen genannten Herren haben schon Charakter und machen das in einer ruhigen Minute, wie es dann auch immer ausfällt. Aber gerade hier ist nichts zwischen Tür und Angel in der Kabine mit lauter weinenden Spielern.“Ungefähr zeitgleich wird Klopp bei Magenta TV gefragt: Was müsste passieren, dass du über den Bundestrainer-Job nachdenkst? Klopp: „Da habe ich noch nicht drüber nachgedacht. Ich hatte die Situation schon oft, dass ein großer Traum geplatzt ist. Ich verstehe, dass, wenn über den Bundestrainer gesprochen wird, mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der richtige Moment, um darüber zu sprechen, vor allem nicht mit mir. Das Wichtigste im Leben ist, dass man darüber nachdenkt, wie man mit Dingen umgeht.“20.37 Uhr: Jamie Leweling verlässt als erster Spieler durch die Mixed Zone das Stadion.20.45 Uhr: Routinier Antonio Rüdiger lässt seine DFB-Zukunft offen: „Lust natürlich immer, aber man ist jetzt emotional. Man muss ein paar Tage darüber nachdenken und dann wird man sehen, was passiert.“ Auch er nimmt Nagelsmann in Schutz. Welchen Anteil hat der Trainer an dem Ausscheiden? „Meiner Meinung nach keinen. Also ich finde, wir Spieler, unser Trainer hat uns alles mitgegeben und nochmal für alle: Er ist ein Top-Trainer. Also, wir müssen dankbar sein, dass wir so einen Trainer wie ihn haben. Das liegt an dem Spiel.“20.51 Uhr: Maximilian Beier läuft mit leerem Blick und ohne ein Wort durch die Mixed Zone.20.55 Uhr: Waldemar Anton verlässt ebenfalls wortlos die Mixed Zone.20.58 Uhr: Es folgen erst Malick Thiaw, dann Alexander Nübel und anschließend Nick Woltemade. Als Nächstes kommt Aleksandar Pavlović mit übergezogener Kapuze. Auch er geht wortlos an den Journalisten vorbei.20.59 Uhr: David Raum kommt mit Cap, Kapuze und Essen in der Hand vorbei. Ebenfalls um 20.59 Uhr: Manuel Neuer passiert die Mixed Zone. Der Torwart, der extra für diese WM ins DFB-Tor zurückgekehrt war, hielt zwar einen Elfmeter, doch am Ende reichte dies nicht. Das 128. war wohl sein letztes Länderspiel für Deutschland. Kurz hinter Neuer folgen Leroy Sané, Musiala, Nathaniel Brown und Deniz Undav. Auf die Frage, ob der Stürmer, der gegen Paraguay erstmals in der WM-Startelf stand, etwas sagen wolle, antwortet Undav nur: „Heute nicht.“21 Uhr: Florian Wirtz verlässt das Stadion.21.01 Uhr: Felix Nmecha winkt auch auf Nachfrage ab. Der verletzte Nico Schlotterbeck verlässt das Stadion nicht durch die Mixed Zone, sondern direkt, auf Krücken.21.04 Uhr: Jonathan Tah spricht auch über seinen verschossenen Elfmeter: „Ja, ich bin natürlich enttäuscht, so wie wir alle. Schwierig zu erklären, weil ich das Gefühl hatte, dass wir wirklich alles in das Spiel investiert haben. Natürlich kriegen wir ein unnötiges, vermeidbares Gegentor, aber am Ende haben wir wirklich alles reingehauen, investiert, um irgendwie Tore zu machen, und das ist uns heute ein bisschen schwergefallen, hatte ich das Gefühl. Am Ende tut es weh, dass du so aus der Competition ausscheidest.“Zu seinem aberkannten Tor sagt Tah: „Für mich war das auf jeden Fall kein Foul. Aber am Ende müssen wir die Entscheidung der Schiedsrichter akzeptieren. Es bringt nichts, darüber zu diskutieren. Am Ende müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen und für die Entscheidungen, die wir treffen, Verantwortung übernehmen. Und um das, was wir nicht beeinflussen können, sollten wir uns nicht kümmern.“21.05 Uhr: Assan Ouedraogo, der einzige Feldspieler ohne Einsatzminute, verlässt das Stadion. Kurz darauf geht auch Kapitän Kimmich.21.06 Uhr: Tah, der sich als letzter Spieler Zeit für die wartenden Reporter genommen hat, wird auf Hinweis einer DFB-Mitarbeiterin zum Mannschaftsbus gebeten.22.53 Uhr: Nach Informationen der „Bild“ sind im Mannschaftsflieger nach Winston-Salem wieder sehr viele Frauen und Familien dabei. Auch Nagelsmanns Ehefrau Lena ist mit an Bord. Sie steht dem Bundestrainer nun tröstend zur Seite. 23.30 Uhr: Mit zwei Stunden Verspätung hebt die Mannschaft vom kleinen Flughafen Bedford (23 Kilometer von Boston entfernt) ab. Die Stimmung an Bord soll sehr bescheiden gewesen sein. Rund 90 Minuten Flugzeit sind es zurück nach Winston-Salem zum Mini-Flughafen Smith Reynolds. 1.10 Uhr: Ankunft in Winston-Salem. Als Erstes von Bord gehen die Bosse Neuendorf, Rettig und Völler. Danach kommt der sichtlich geknickte Nagelsmann, dann kommen die Spieler mit Familie und Frauen sowie Nagelsmanns Lena zum Schluss.
WM 2026: Abpfiff für deutsche Nationalmannschaft – das Protokoll nach der Schmach - WELT
In der Kabine der deutschen Nationalmannschaft flossen nach dem WM-Aus Tränen. Jürgen Klopp äußert sich zur Nagelsmann-Nachfolge. Und im Flieger wird der Bundestrainer von seiner Frau getröstet. Ein Blick hinter die Kulissen.














