PfadnavigationHomeSportFußballWMArtikeltyp:MeinungDeutsches DebakelZeit für einen neuen BundestrainerStand: 02:47 UhrLesedauer: 5 MinutenDeutschland geht mit einem Rückstand gegen Paraguay in die Pause. Jürgen Klopp ist nicht zufrieden mit der Leistung der DFB-Elf in der ersten Halbzeit. „Wir sind zu statisch“, sagt Klopp.Deutschland scheitert bei der WM an Paraguay. Das ist nicht nur ein sportliches Debakel, sondern das Scheitern eines Bundestrainers, der seine Versprechen nicht einlösen konnte. Es wird Zeit für Jürgen Klopp.Um 1.24 Uhr deutscher Zeit war das Desaster besiegelt. Deutschland verliert gegen Paraguay im Elfmeterschießen und ist erneut bei einer Fußball-WM vorzeitig ausgeschieden. Zwar reichte es beim XXL-Turnier nach den Vorrunden-Debakeln 2018 und 2022 immerhin mal wieder für die K.o.-Runde. Doch für eine Auswahl mit dem Anspruch, den ein viermaliger Weltmeister haben muss, und Spielern, die in den fünf europäischen Top-Ligen unter Vertrag stehen, ist das zu wenig. Das frühe Scheitern ist blamabel. Es wirft ein schlechtes Licht auf den weltweit größten nationalen Sportfachverband und auf den Bundestrainer. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2024 hatte Julian Nagelsmann den WM-Titel als Ziel ausgegeben und war davon auch nach einer holprigen WM-Qualifikation nicht abgerückt. Dieses Selbstvertrauen und dieser Anspruch sprachen für ihn. Nur wäre es dann an ihm gewesen, mit seinem von ihm zusammengestellten Kader abzuliefern. Das tat Nagelsmann nicht.Nach dem Pflichtsieg gegen Curacao, der ob des 7:1 etwas berauschend wirkte, folgten in der Gruppenphase ernüchternde Spiele gegen die Elfenbeinküste (2:1) und Ecuador (1:2), in denen nicht zu übersehen war, dass die vielen vielversprechenden Spieler nicht als Mannschaft funktionierten. Es gab keinen Mannschaftsteil, der überzeugte. Es gab nicht viel Gutes, wofür die deutsche Mannschaft bei diesem Turnier stand – und es fehlte eine Handschrift des Trainers.Das Aus gegen den Weltranglisten-37. Paraguay in der Nacht zum Dienstag, erstmals verlor Deutschland bei der WM ein Elfmeterschießen, bestätigte das noch einmal nachdrücklich. Gegen den limitierten Gegner fehlte es an Tempo, Kreativität und Ideen – auf dem Platz und von außen. Dass der Mannschaft in der Verlängerung ein reguläres Tor aberkannt wurde, taugt zu keiner Dolchstoßlegende wie vor zwei Jahren beim Handspiel des Spaniers Cucurella im EM-Viertelfinale. Deutschland, einstige ElfmeternationGegen Spanien war es klar, dass Kleinigkeiten entscheiden, eine Mannschaft wie Paraguay muss auch mit solch einer Fehlentscheidung besiegt werden. Vielmehr passt es ins Bild, dass aus der einstigen Elfmeternation Deutschland drei von sechs Schützen vergaben. Auf 37 Länderspiele kommt Julian Nagelsmann. Unter seiner Verantwortung gab es 23 Siege, sechs Unentschieden – und acht Niederlagen. Die letzte davon war eine zu viel.Lesen Sie auchEs ist Zeit für einen Schnitt, für einen Neuanfang. Und zwar mit einem neuen Bundestrainer. Die Bürde dieses WM-Aus wiegt zu schwer, um mit Nagelsmann weiterzumachen – auch wenn der Trainer das anders sieht, wie er in Interviews nach dem Spiel erklärte.Als der DFB im September vor drei Jahren Nagelsmann als Nachfolger von Hansi Flick präsentierte, war die Hoffnung groß. Mit ihm, damals 37 Jahre, erhielt ein junger Coach das wichtigste Traineramt im deutschen Fußball. Nagelsmann, der als Spieler aufgrund einer Verletzung den Durchbruch nach ganz oben nicht geschafft hatte, hatte es als Trainer schon weit geschafft: TSG 1899 Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern, Halbfinale in der Champions League und Deutscher Meister – und nun die Nationalmannschaft.Ziel verfehlt – genau wie FlickEs war eine mutige Entscheidung. Sie brachte nicht den erhofften Erfolg. Mit Nagelsmann sollte es zurück an die Weltspitze gehen, dasselbe Ziel hatte sein Vorgänger Flick gehabt. Ziel verfehlt – erneut.Mit Akribie, viel Fleiß, Kreativität und ganz neuen Lösungsansätzen, um sich von anderen Teams mit Blick auf die Spielweise abzuheben, hatte sich Nagelsmann einen Namen gemacht. Hierzulande, aber auch international. Der junge, ehrgeizige und offensiv denkende Trainer war in aller Munde. Dem deutschen Fußball aber konnte er nicht die Trendwende geben, die er brauchte, nachdem es im Anschluss an den WM-Triumph von 2014 und der EM 2016, bei der Deutschland im Halbfinale gescheitert war, stetig abwärts gegangen war.Ein Trainer steht zwar nicht auf dem Rasen, aber er gibt die Richtung vor. Und den Plan, wie Nagelsmann es einen Tag vor dem Paraguay-Spiel selbst betonte. Als „Rollenverteiler“ war er in den vergangenen Monaten bezeichnet und teilweise auch verspottet worden, nachdem er Spieler seiner Auswahl kategorisiert hatte. In Stammspieler, Ersatzspieler, Ergänzungsspieler. Das ergab auf den ersten Blick Sinn, weil es für Klarheit sorgt, führt aber auch dazu, dass man auf sich verändernde Umstände nicht mehr so flexibel reagiert. Nagelsmann hielt stur an seinem Plan fest.Nagelsmann verlor seine offene ArtDoch da ist noch etwas, was nicht unerwähnt bleiben darf. Je mehr Amtstage für ihn als Bundestrainer vergingen, desto mehr verlor er von seiner offenen Art, mit der er am 22. September 2023 auf seiner ersten Pressekonferenz überzeugte. Im Stile von Angela Merkel („Wir schaffen das“) hatte er gesagt: „Wir wuppen das“. Er vermittelte so etwas wie Aufbruchstimmung und ließ wissen, aus seinen Fehlern beim FC Bayern gelernt zu haben.Lesen Sie auchIn den vergangenen Monaten aber wirkte Nagelsmann immer gereizter. Auf Fragen reagierte er immer mal wieder teils schmallippig, teils herablassend. Die „FAZ“ nannte ihn am vergangenen Montag einen „dünnhäutigen Besserwisser“. Nagelsmann hat es nie geschafft, die deutschen Fans für sich zu gewinnen, sie zu begeistern – sie einzufangen. Die Akzeptanz für ihn ist Unmut gewichen.Julian Nagelsmann ist kein Menschenfänger. Jürgen Klopp ist einer. Der DFB sollte alles daransetzen, den 59-Jährigen als 13. Bundestrainer in der Geschichte des deutschen Fußballs zu verpflichten. Klopp – wer sonst?Klopp steht für Erfolg, zudem hat er eine außergewöhnlich charismatische, überzeugende und gewinnende Ausstrahlung. Seine Rhetorik ist stark, seine emotionale Intelligenz ausgeprägt. Wenn Klopp einen Raum betritt, nimmt er ihn ein – und eben auch eine Kabine. Das berichten Spieler unisono, die unter ihm gespielt haben.2021 und 2023 blitzte der DFB noch bei Klopp ab. Dieses Mal dürfte er auf offenes Gehör stoßen. Er selbst befeuerte das, als er zu Turnierbeginn mit Thomas Müller bei MagentaTV die „Noch-Debatte“ lostrat. Als es um die deutsche Aufstellung gegen Curaçao ging, sagte Klopp: „Zum Glück stellt Julian Nagelsmann die Mannschaft auf“ – und schob dann zweimal ein „noch“ hinterher. Weltmeister Müller reagierte sofort und sagte: „Kloppooooo. Wir haben Juni. Du bist schon im September.“Im September stehen die nächsten Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft an. Da sollte der Bundestrainer Jürgen Klopp heißen.
WM 2026, Deutschland: Zeit für einen neuen Bundestrainer - WELT
Deutschland scheitert bei der WM an Paraguay. Das ist nicht nur ein sportliches Debakel, sondern das Scheitern eines Bundestrainers, der seine Versprechen nicht einlösen konnte. Es wird Zeit für Jürgen Klopp.














