Drei Tage nach dem sportlichen Offenbarungseid von Charlotte steht der Deutsche Fußball-Bund vor einer Zäsur, die weit über eine bloße Personalie hinausreicht. Nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay – einer 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen, die als dritte WM-Blamage in Serie in die jüngere Verbandsgeschichte eingehen dürfte – verdichten sich die Hinweise, dass die Ära von Bundestrainer Julian Nagelsmann nach nicht einmal zwei Jahren zu Ende geht. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob eine Trennung erfolgt, sondern in welchem Modus – und zu welchem Preis.

Der Geheimgipfel von Frankfurt

Im Zentrum der Ereignisse steht ein Treffen, das der DFB zunächst nicht einmal bestätigen wollte. Am Donnerstagvormittag kam Nagelsmann in der Frankfurter Verbandszentrale mit der Führungsspitze zusammen. Nach Sportschau-Informationen dauerte das Gespräch mit Präsident Bernd Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler sowie DFB-Vize und Bundesliga-Präsident Hans-Joachim Watzke rund drei Stunden. Auch DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig soll nach übereinstimmenden Medienberichten anwesend gewesen sein.

Der Inhalt dieser Aussprache war brisant: Nagelsmann, am Morgen aus München eingeflogen, sollte zunächst seine Sicht auf das Turnier darlegen – von den umstrittenen sportlichen Entscheidungen bis hin zur ungewöhnlich familiär geprägten Atmosphäre im Teamquartier The Graylyn Estate in Winston-Salem.