PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalelfUmbruch nach dem Debakel – Auf diese Spieler muss Deutschland setzenStand: 16:24 UhrLesedauer: 7 MinutenJürgen Klopp hat sich erstmals öffentlich zu einem Engagement als Trainer der deutschen Nationalmannschaft geäußert und dabei Gespräche mit dem DFB bestätigt. Sehen Sie das Interview mit Klopp hier in voller Länge.Nach dem blamablen WM-Aus und dem Rücktritt von Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich die Nationalmannschaft verändern. WELT erklärt, wer gute Chancen besitzt, künftig nominiert zu werden und eine Schlüsselrolle einzunehmen.Die Party steigt ohne die Gäste, die so von einem rauschenden Fest geträumt hatten. An diesem Samstag feiern die USA ihren Unabhängigkeitstag, ihr 250-jähriges Bestehen. In Philadelphia, wo einst die Unabhängigkeitserklärung verkündet wurde, war vieles geschmückt. Feuerwerk, Musik, tanzende Menschen – es hätte der perfekte Abend für die deutschen Fußball-Nationalspieler zum Zelebrieren eines großen Sieges werden können. WM-Achtelfinale gegen Frankreich, ein überraschender Erfolg, und das ausgerechnet in Philadelphia, ausgerechnet an diesem Tag. Amerika und Deutschland hätten gefeiert.Stattdessen nur Frust und Enttäuschung bei den Deutschen. Ein Sieg über Frankreich – davon ist diese Mannschaft extrem weit entfernt. Nach dem peinlichen Turnieraus im Sechzehntelfinale in der Nacht zum vergangenen Dienstag ist der deutsche Fußball am Boden. Diese Woche markiert den Tiefpunkt einer einst großen und stolzen Fußballnation. In Philadelphia spielt nun Frankreich gegen Paraguay.Die Zeit drängtDie deutschen Spieler sind längst im Urlaub, in der Heimat ist Ferienzeit. Doch die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben kaum Zeit zum Entspannen. Es gilt, nach dem Rücktritt von Bundestrainer Julian Nagelsmann den richtigen Nachfolger zu finden. In den vergangenen Tagen besprachen sich die Verantwortlichen um DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke. Sie hoffen, den neuen Bundestrainer in Jürgen Klopp zu finden. Und der bekundete am Freitagabend auch schon seine Bereitschaft, den Job zu übernehmen. Die Aufgabe der Verbandsbosse und des Nagelsmann-Nachfolgers ist es, alles dafür zu tun, dass Deutschland endlich wieder eine Mannschaft entwickelt, die in der Lage ist, bei einem großen Turnier weit zu kommen. Die nächste EM steigt in zwei Jahren in Großbritannien, die nächste WM in vier Jahren auf drei Kontinenten, wobei Spanien, Marokko und Portugal die Hauptgastgeber sind.Vieles muss sich rund um die Nationalelf ändern. Es könnte Rücktritte erfahrener Spieler geben. Ein Teil des WM-Kaders wird zwar bleiben. Doch es braucht einen Umbruch. Die Blamage bietet Chancen für junge Spieler. WELT zeigt, wie die Mannschaft der Zukunft aussehen könnte. Wer aus dem WM-Kader noch eine Perspektive hat – und welche Talente mittel- und langfristig vielversprechend sind.TORManuel Neuer wird mit 40 Jahren seine Karriere in der Nationalelf beenden, seine Rückkehr war ausschließlich für die WM. Oliver Baumann, 36, könnte in nächster Zeit die Nummer eins der Auswahl sein. Oder Jonas Urbig, 22. „Beim nächsten Länderspiel muss Jonas Urbig vom FC Bayern als neue deutsche Nummer eins im Tor stehen“, schrieb Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg in seiner Kolumne bei T-Online. Die Lösung Baumann ergebe langfristig keinen Sinn. „Jetzt muss Urbig ran – wenn er seine starken Leistungen aus der vergangenen Saison beim FC Bayern bestätigt und vermehrt Spielzeit neben Neuer bekommt.“Neuer agiert als eine Art Mentor seines Klubkollegen. Im WM-Teamquartier in Winston-Salem in North Carolina verbrachten beide viel Freizeit miteinander. Urbig, der nicht zum offiziellen WM-Kader gehörte und als „Trainingstorwart“ dabei war, soll in der neuen Saison dem Vernehmen nach mehr Spiele beim deutschen Fußball-Rekordmeister bekommen. Noah Atubolu, 24, vom SC Freiburg könnte auch Chancen in der Nationalelf erhalten. Gleiches gilt für Dennis Seimen, 20, vom VfB Stuttgart.ABWEHRDeutsche Gewinner gibt es nach dieser desaströsen WM nicht. Doch einen, der viel lernen konnte und mehr spielte als von vielen erwartet: Nathaniel Brown. Endlich wieder ein mutiger Außenverteidiger. Der 23-Jährige wechselt jetzt zum FC Bayern und dürfte auch dank Einsätzen in der Champions League weiter reifen. Er kann vor allem links in der Abwehrkette zu einer festen Größe der Auswahl werden. Auf der rechten Abwehrseite könnte Philipp Treu, 25, vom SC Freiburg eine Option sein. Die Optionen auf dieser Position sind weiterhin rar.Lesen Sie auchIn der Innenverteidigung kann Nico Schlotterbeck, 26, von Borussia Dortmund mit Jonathan Tah, 30, vom FC Bayern auch künftig gemeinsam agieren. Zudem könnten sein BVB-Klubkollege Waldemar Anton, 29, und Malick Thiaw, 24, von Newcastle United mehr spielen. Der Auswahlrücktritt von Antonio Rüdiger (33, Real Madrid) gilt daher als denkbar. Er hatte seinen Stammplatz vor der WM verloren.Der 25-jährige Innenverteidiger Yann Bisseck gewann mit Inter Mailand gerade das Double in Italien. Nagelsmann verzichtete bei der WM dennoch auf ihn. Mittel- und langfristig trauen Experten im Verband Karim Coulibaly von Werder Bremen den Sprung in die Nationalelf zu. Der Innenverteidiger entwickelte sich in seiner ersten Bundesliga-Saison 2025/2026 zum wertvollsten Spieler in Werders Aufgebot, der geschätzte Marktwert des 19-Jährigen stieg auf 28 Millionen Euro.Auch Finn Jeltsch, 19, Innenverteidiger des VfB Stuttgart hat zuletzt sehr auf sich aufmerksam gemacht. Nnamdi Collins, 22, von Eintracht Frankfurt ist defensiv vielseitig einsetzbar und spielte bereits für die Nationalelf. Ebenfalls vielversprechend ist der 18-jährige Rechtsverteidiger Rafael Pinto Pedrosa vom Karlsruher SC.MITTELFELDDie Generation um Kapitän Joshua Kimmich ist in Bezug auf die Bilanz bei großen Turnieren eine titellose Generation. Die „Klasse von 1995“, dazu der Jahrgang 1996, zu denen auch Leon Goretzka, Leroy Sané sowie der verletzte Serge Gnabry gehören. Weltmeister Mats Hummels sagte bei MagentaTV in Bezug auf die Mannschaft: „Da kann ich mir schon vorstellen, dass einige zurücktreten werden.“ Kimmich schloss einen Rücktritt allerdings aus. Seinen Klubkollegen Tom Bischof, 21, den Nagelsmann nicht für die WM nominierte, sehen viele in einigen Jahren als „neuen Kimmich“.Im WM-Kader finden sich einige Spieler, die ihre beste Zeit wohl noch vor sich haben. Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Bei diesem Turnier begann er stark, ließ dann immer mehr nach. Er ist 22, bei der EM in zwei Jahren in Großbritannien könnte er im zentralen Mittelfeld eine wichtige Rolle spielen. Gleiches gilt für seinen Nebenmann Felix Nmecha, der ebenfalls abbaute, jedoch auch seine Stärken zeigte. Beide müssen sich in der Nationalelf zum Teil neu beweisen. Weniger zum Einsatz kam Angelo Stiller vom VfB Stuttgart – der 25-Jährige ist künftig wohl eine Alternative im Mittelfeld.AUSSENBAHN UND ZENTRALE OFFENSIVEAuf der Außenbahn dürfte es einen Umbruch geben. Der 18-jährige Lennart Karl wäre wohl Teil der WM-Startelf gewesen, verletzte sich aber kurz vor dem Turnier. Ihm gehört die Zukunft, er bringt die Leichtigkeit und Überraschungsmomente mit, die der deutschen Mannschaft in den USA fehlten. Gleiches gilt für den 19-jährigen Said El Mala vom 1. FC Köln, den Nagelsmann zur Überraschung einiger Experten nicht für die WM nominierte, und Jamie Leweling, 25, vom VfB Stuttgart sowie Assan Ouedraogo, 20, von RB Leipzig. Entscheidende Spieler bleiben die 23-jährigen Florian Wirtz vom FC Liverpool und Jamal Musiala vom FC Bayern. Dazu kommen könnte bald Kennet Eichhorn. Er ist gerade mal 16 Jahre und gerade von Hertha BSC zu Bayer Leverkusen gewechselt.Im DFB halten sie zudem sehr viel von Wael Mohya. Der 17-Jährige von Borussia Mönchengladbach könnte auch für Marokko spielen. Er soll ein Gesicht seines Klubs werden. Sein Marktwert wird bereits auf rund 17 Millionen Euro geschätzt. Die marokkanische Seite lockt mit einer Perspektive für die „Heim-WM 2030“. Der DFB steht nun unter Zugzwang, Mohya zeitnah eine klare sportliche Zukunft aufzuzeigen.Paris Brunner, 20, von AS Monaco war in den Jugend-Auswahlen herausragend und bleibt ein Thema für die Nationalelf. Vor der WM fiel er einige Wochen verletzt aus.STURMDer 27-jährige Kai Havertz bleibt weiter wichtig für die künftige Nationalelf. Im Sturm kam Nick Woltemade bei der WM erst gegen Paraguay zu seinem ersten Einsatz – als Einwechselspieler. Er hatte Deutschland mit seinen Toren in der Qualifikation zum Turnier geschossen. Mit 24 Jahren und seinen Qualitäten hat er eine Zukunft in der Mannschaft. Auch Deniz Undav, 29, vom VfB Stuttgart wird wohl weiter Teil des Kaders bleiben.Einer der vielen Kritikpunkte an Nagelsmann: Er nominierte Kevin Schade, 24, nicht für die WM und schaute sich offenbar kein Spiel des Stürmers vom FC Brentford vor Ort an. Der Stürmer könnte künftig wieder nominiert werden, er kommt bislang auf fünf Länderspiele.Der 21-jährige Jugendnationalspieler Nicolò Tresoldi vom FC Brügge wird im DFB ebenfalls sehr geschätzt. Er überzeugt in der belgischen Liga und der U21, einige hatten ihn bereits für die WM gefordert. Brajan Gruda, 22, zuletzt bei RB Leipzig, darf ebenfalls hoffen. Das nächste Mal trifft sich die Nationalmannschaft im September. Dann stehen gleich vier Spiele in der Nations League auf dem Programm, unter anderem gegen die Niederlande. Bis dahin dürfte sich manches geändert haben – beim DFB und innerhalb des Aufgebots.Große Spiele mit Party im Anschluss sollen kein Traum bleiben.
Nationalelf: Umbruch nach dem Debakel – Auf diese Spieler muss Deutschland setzen - WELT
Nach dem blamablen WM-Aus und dem Rücktritt von Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich die Nationalmannschaft verändern. WELT erklärt, wer gute Chancen besitzt, künftig nominiert zu werden und eine Schlüsselrolle einzunehmen.











