Es bleibt einem dieser Tage auch wirklich gar nichts erspart. „Von Deutschland ist nichts mehr übrig“, schrieb die spanische Marca nach dem schmählichen Aus der deutschen Nationalmannschaft gegen Paraguay. Schluss bei der Fußball-WM im … ja wann gleich noch mal? Im Sechzehntelfinale bereits. Selbst an diesen Begriff muss man sich erst einmal gewöhnen.Jetzt können wir also nicht einmal mehr vernünftig Elfmeter schießen – eine äußerst bittere Erkenntnis. Denn wenn bei Weltmeisterschaften Spiele gewonnen wurden, dann doch bitte wenigstens vom Punkt. Aber jetzt? Kein Exportweltmeister mehr, beim Fußball nur noch ein Sechzehntelfinalist. Was bleibt da noch?SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Wer in dieser Lage etwas patriotische Erbauung sucht, der sollte nach Landsberg am Lech schauen. Denn – nimm das mal zur Kenntnis, liebe Marca – von den deutschen Tugenden ist sehr wohl noch etwas übrig. Diesem Land wird schließlich nachgesagt, durchaus etwas für bürokratische Verordnungen übrigzuhaben. Und Verwaltungsweltmeister, das sind wir tatsächlich noch immer.Dazu ein kurzer Blick in die Akten: Die akkurate Achteckigkeit eines Stoppschilds geht angeblich weitgehend auf deutsches Betreiben zurück. Dass Autobahnen blau und Ortseingänge gelb markiert sind, ist ein globaler Trend made in Germany. Selbst die oft benutzen und selten beachteten „Anlieger frei“-Zonen gibt es in der Form nur bei uns. Und nun legt man in Landsberg noch ein paar weltmeisterliche Schilder nach.Angefangen hat man mit einem Überholverbot, bei dem selbst Leute mit einer Jahresfahrleistung von mehr als 100 000 Kilometern angeben, ein solches Schild in der Form noch nie gesehen zu haben: Es untersagt ausdrücklich nur das Überholen von Fahrrädern und Rollern – und das auch nur für etwa 50 Meter an einer kurvigen Engstelle.Selbst gestaltete Schilder weisen Autofahrer in Landsberg darauf hin, wie in der Straße zur Klinik dem Krankenwagen auszuweichen ist. Foto: Florian ZickVor ein paar Wochen kam ein völlig einzigartiges Schild hinzu – das zugegebenermaßen auch ein sehr spezielles Problem behandelt. Die kürzlich sanierte Straße in Richtung Krankenhaus sieht jetzt nämlich folgendermaßen aus: zwei Fahrspuren, eine links und eine rechts – und in der Mitte ein Grünstreifen mit Haltebuchten. Dorthin sollten die Autos ausweichen, wenn der Krankenwagen mit Blaulicht angerauscht kommt. Allerdings: Von den Autofahrern hat das so keiner kapiert.Da es im Portfolio selbst eines Verwaltungsweltmeisters dafür kein passendes Verkehrsschild gibt, haben sie in Landsberg selbst eines erfunden. Es sieht ein bisschen aus wie eine Kinderzeichnung, die mit künstlicher Intelligenz überarbeitet worden ist. Es hat die Zahl erfolgreicher Ausweichmanöver aber angeblich deutlich erhöht.Das ausweichende Auto auf dem Schild hat übrigens eine graue Bewegungslinie, wie man sie aus Comics kennt. Das soll Dynamik symbolisieren. Und Dynamik, die können wir momentan doch prima brauchen – wenn der Krankenwagen kommt, aber auch in der Wirtschaft und vor allem beim Fußball.
Trotz Pleiten bei Fußball und Wirtschaft: Weltmeister samma – zumindest beim Schilderaufstellen
In Landsberg am Lech hat man dieses Jahr schon zweimal bewiesen, dass Deutschland zumindest in einem Bereich noch zur Weltspitze gehört – beim Verwalten.












