Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft 2026 früh ausgeschieden: gegen Paraguay, im Elfmeterschießen. Und das Erstaunen ist groß. Wie konnte das passieren – gegen ein Land, das deutlich kleiner als Deutschland ist und nicht zu den großen Fußballnationen zählt?
Vielleicht ist genau dieses Erstaunen oder Entsetzen bereits ein Teil des Problems. Denn wirklich überraschend war das Ausscheiden der Deutschen nur, wenn man zuvor von einer Annahme ausging, die möglicherweise schon lange nicht mehr stimmt: nämlich, dass Deutschland im internationalen Fußball noch zur Weltspitze gehört. Genau darin liegt das eigentliche Thema: Nicht die Niederlage ist der Skandal. Der Skandal ist, dass uns Deutsche dies noch immer völlig überrascht.
Stimmt, Deutschland hat eine große Fußballgeschichte: Weltmeistertitel, Finalteilnahmen, Turniermannschaft, Mentalität, Disziplin, taktische Stärke – all das gehört zum Selbstbild des deutschen Fußballs. Und große Erfolge prägen. Sie schaffen Stolz. Sie schaffen Identität. Doch sie können auch blind machen.
Denn wer lange erfolgreich war, verwechselt schnell die Vergangenheit mit der Gegenwart. Er glaubt, dass das, was früher funktionierte, auch heute noch trägt. Er hält sich für stärker, als er tatsächlich ist. Er erklärt Warnsignale zu Ausnahmen. Er redet sich Rückschläge klein. Und irgendwann lebt er mehr vom eigenen Mythos als von der eigenen Leistungsfähigkeit.











