Wenn es einen Ort gibt, an dem man sich über den aktuellen Streit zwischen Polen und der Ukraine freuen dürfte, dann dürfte es der Kreml sein. Eigentlich sollte die alljährliche Ukraine-Wiederaufbaukonferenz, die in diesem Jahr in Danzig stattfinden wird, ein Symbol der engen Partnerschaft zwischen Kiew und Warschau werden. Stattdessen wird die Konferenz von einer handfesten diplomatischen Krise zweier enger Verbündeter überschattet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird in dieser Woche nicht an die Ostsee fahren, die ukrainische Delegation wird auf der für die Ukraine wichtigen Konferenz stattdessen von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko geführt. Vorausgegangen ist ein heftiger Streit über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, der inzwischen zu gegenseitigen Provokationen und politischen Drohgebärden eskaliert ist.
Auslöser: Selenskyjs Ehrung einer UPA-Einheit
Begonnen hatte die Krise Anfang dieses Monats mit einer Entscheidung Selenskyjs, eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte als „Helden der UPA“ auszuzeichnen beziehungsweise nach der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) zu benennen.
Die UPA wird in der Ukraine von vielen als Teil des Unabhängigkeitskampfes gegen die Sowjetunion, das nationalsozialistische Deutschland und die polnische Herrschaft betrachtet. In Polen hingegen steht die UPA als verantwortlich für die Massaker von Wolhynien und Ostgalizien, bei denen zwischen 1943 und 1945 Zehntausende polnische Zivilisten getötet wurden. Polnische Historiker und Politiker sprechen von bis zu 100.000 Opfern.












