Ausgerechnet jetzt müssen Polen und die Ukraine miteinander streiten. Grund ist die unterschiedliche Perspektive auf über 80 Jahre alte Ereignisse.
Die polnische Regierung unter Donald Tusk ist vielmehr bestrebt, den Konflikt zu mäßigen
Katja Gendikova
I n den letzten Wochen hat sich eine der schwersten Krisen in den polnisch-ukrainischen Beziehungen entwickelt – und dies nicht über gegenwärtige, sondern über historische Fragen. Sie begann Ende Mai damit, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einer militärischen Spezialeinheit den Beinamen „Helden der UPA“ verlieh, was in Polen als Provokation empfunden wurde. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) wird dort vor allem in Verbindung mit dem brutalen Massenmord 1943 an mehreren zehntausend Polen in Wolhynien, einer Region in der heutigen Westukraine, erinnert.
Was Selenskyj dennoch zu der späten Ehrung veranlasst, ist die Tatsache, dass seine Landsleute die UPA in erster Linie als Teil des ukrainischen Unabhängigkeitskampfs betrachten. Die Partisanen kämpften seit Anfang 1943 nicht nur gegen die Soldaten aus Nazideutschland, sondern vor allem gegen die erneute sowjetische Besetzung der Westukraine im Jahr 1944.











