Der Krieg gegen Russland machte Polen und die Ukraine zu den mitunter engsten Verbündeten Europas. Ob humanitäre oder militärische Hilfen, die schier grenzenlose Solidarität der Polen, besonders in den ersten Kriegsmonaten, war bemerkenswert. Doch ausgerechnet jetzt eskaliert zwischen den Nachbarländern ein jahrzehntealter Konflikt über unterschiedliche Erinnerungsnarrative an den Zweiten Weltkrieg. Ein Geschichtsstreit zwischen den polnischen und ukrainischen Eliten verschärfte sich in den vergangenen Wochen – mit möglichen Folgen für den EU-Beitritt der Ukraine und die militärische Zusammenarbeit an der Ostflanke Europas.
Auslöser der jüngsten Eskalation war die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, eine Militäreinheit nach den „Helden der UPA“ zu benennen. Für viele Ukrainer stehen die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) und ihr Anführer Stepan Bandera für den jahrzehntelangen Kampf gegen sowjetische Herrschaft und letztlich für den ukrainischen Unabhängigkeitswillen.
Für Polen hingegen ist die UPA untrennbar mit den Massakern in Wolhynien und Ostgalizien verbunden, bei denen zwischen 1943 und 1945 Zehntausende Polen ermordet wurden. Warschau wertet die Verbrechen offiziell als Völkermord. Diese gegensätzlichen historischen Narrative prallen nun mit voller Wucht aufeinander.











