Polen empört über Kyjiws GeschichtspolitikDie Ukraine und Polen sind angesichts des russischen Angriffskrieges enge Verbündete, haben sich aber in einem Streit über ihre schwierige Geschichte entzweit. Selenskyj hatte eine Armee-Einheit nach den Kämpfern der ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) im Zweiten Weltkrieg benannt. Die UPA ermordete unter deutscher Besatzung Zehntausende Polen im heutigen Westen der Ukraine, weshalb die Ehrung in Warschau große Empörung hervorrief.
Der polnische Staatschef Karol Nawrocki entzog Selenskyj einen polnischen Orden. Selenskyj und andere ukrainische Politiker gaben daraufhin polnische Auszeichnungen zurück. Es folgte ein scharfer Wortwechsel zwischen Warschau und Kyjiw. Der Konflikt droht, alle Bereiche der strategisch wichtigen Kooperation zu erfassen.Dabei hat der Streit in Polen auch eine innenpolitische Seite. Die Wiederaufbaukonferenz ist Sache der linksliberalen Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk. Der Rechtspopulist Nawrocki versucht, Tusks Arbeit zu erschweren; er macht sich eine wachsende Ukraine-Müdigkeit in der polnischen Gesellschaft zunutze.
Medienaufruf zu Besonnenheit auf beiden SeitenGroße Medien beider Länder riefen zu Besonnenheit auf. »Unsere Politiker sollten Weisheit und Vernunft beweisen, nach Einigung und einem Ausweg aus der Krise suchen«, hieß es in einem Aufruf. Er wurde in Warschau unter anderem von der »Gazeta Wyborcza« und dem Portal »Onet.pl« veröffentlicht, in Kyjiw vom Nachrichtenportal »Ukrajinska Prawda«. Der Streit nütze nur dem gemeinsamen Feind Russland, hieß es.












