KommentarGoogle-Suche im KI-Delirium: Halluzination macht aus ehrbarer Firma einen Betrüger. Das darf nicht seinDie Münchner Richter haben recht. Google soll für den Inhalt seiner KI-Übersicht geradestehen. Innerhalb der Google-Suche gilt: lieber keine KI-Zusammenfassung als eine mit erfundenen Skandalen.12.06.2026, 16.00 Uhr3 LeseminutenGoogle darf anderen Unternehmen keinen Skandal andichten: Pin von Google an der I/O-Konferenz in Mountain View, USA, 19. Mai 2026.Manuel Orbegozo / ReutersEine Google-KI hat einem deutschen Verlag eine Betrugsmasche angedichtet. Die KI halluzinierte mehrere saftige Details: Sie schrieb unter anderem, der Verlag hänge Nutzern kostenpflichtige Abonnements an, schalte digitale Inhalte trotz Bezahlung nicht frei und fordere Kunden wiederholt zu Zahlungen auf, obwohl das Geld schon eingegangen sei. Insgesamt, schrieb Google, sei der Verlag für Betrug und unseriöse Geschäftspraktiken bekannt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Knackpunkt an der Sache ist der Ort, wo Google die Falschinformation wiedergab. Sie wurde nicht etwa in einem KI-Chatbot verbreitet, sondern innerhalb der Google-Suche – also auf einer Seite, auf der Nutzer seit Jahrzehnten mit zuverlässigen Informationen rechnen dürfen. Google generierte die rufschädigenden Texte bei Nutzern, die den Namen des Verlags und das Wort «Betrugsmasche» ins Suchfeld tippten. Eine Aufforderung des Verlags, den Fehler zu beheben, liess Google unbeantwortet.Seit 2024 stellt Google bei vielen Suchanfragen eine KI-generierte Zusammenfassung zur Verfügung. Unter dem Feature «Übersicht mit KI» erscheinen die Zusammenfassungen noch vor den Links zu Suchresultaten. Nun urteilte das Münchner Landgericht I, dass Google für den Inhalt seiner Zusammenfassung geradestehen muss. In einer einstweiligen Verfügung weist das Gericht Google deshalb an, die Falschbehauptungen zu unterlassen.Ein Gericht in Hamburg kam vor wenigen Monaten in einem ähnlich gelagerten Fall, der bisher nicht öffentlich bekannt wurde, zum gleichen Schluss.Autoren tragen Verantwortung für ihre WorteDie Urteile sind angemessen. Ein Unternehmen braucht Jahre, um sich eine gute Reputation aufzubauen. Google kann sie mit falschen Zusammenfassungen innerhalb von kurzer Zeit zerstören. Behauptet Google, ein Unternehmen sei in dubiose Geschäfte verwickelt, verlässt die Plattform die reine Vermittlerrolle, auf die sie einst so stolz war, und wird zum Absender einer rufschädigenden Falschinformation.Das Gericht hat nun festgehalten: Wer algorithmisch Zusammenfassungen schreibt, ist kein Bote mehr, sondern Autor. Und Autoren müssen für ihre Worte geradestehen. Da reicht es nicht, dass Google unter manchen KI-Zusammenfassungen einen Disclaimer in winziger Schrift setzt, wonach KI Fehler machen könne.Gerade weil die Mehrheit aller Google-Nutzer nur die KI-Zusammenfassung liest, aber die Informationen darin nicht verifiziert, gilt innerhalb von Google Search: Es wäre besser, Google würde ganz auf die KI-Zusammenfassung verzichten, als dass sie einem Unternehmen darin einen Skandal andichtet.Tausende von falschen KI-Zusammenfassungen jede SekundeDie Urteile bedeuten keineswegs, dass die praktischen KI-Übersichten in Zukunft verschwinden. Aber man darf hoffen, dass sie besser werden. Im Moment enthält laut einer Erhebung, über die die «New York Times» berichtete, etwa eine von zehn Anfragen Fehler. Das mag nach wenig klingen. Aber wenn man bedenkt, dass Google Milliarden von Suchanfragen jeden Tag bearbeitet, sind dies noch immer Zehntausende von falschen KI-Zusammenfassungen – pro Sekunde.Eine Fehlerquote von null Prozent kann nicht der Anspruch sein. Aber die KI muss besser werden im Erkennen, welche ihrer Outputs Gesetze brechen. Dass das billionenschwere Unternehmen Google das nicht hinbekommt, hat wirtschaftliche Gründe.Nachdem Open AI mit der Veröffentlichung von Chat-GPT im Herbst 2022 vorgeprescht war, mussten andere Firmen mit ihren KI-Tools nachziehen, um im Wettbewerb um Marktanteile und Bekanntheit mithalten zu können. Risiken und Nebenwirkungen ihrer Produkte nehmen sie in Kauf. «Move fast and break things»: Diesem Leitspruch folgt das Silicon Valley noch heute.Aus der Logik der KI-Firmen ist das verständlich. Aus der Logik der gesamten Gesellschaft ist es bedauerlich. Und im Grunde unnötig. Firmen aus anderen Branchen testen ihre Produkte umfassend, bevor sie sie verkaufen, zum Beispiel Medikamente oder Fahrzeuge.KI-Tools hingegen wurden mit dem Prinzip Hoffnung auf den Markt geworfen: Man publiziert und hofft, die negativen Auswirkungen mögen sich in Grenzen halten.Google verspricht in seinen berühmten zehn Grundsätzen, man wolle «Geld verdienen, ohne jemandem damit zu schaden». Einst folgte das Unternehmen dem Credo, die Informationen der Welt zu bündeln und sie allen Menschen zugänglich zu machen. Doch nun verliert sich der Konzern in strafbaren Lügengeschichten, die seine eigene KI erfindet.1 KommentarHansjörg Stieger vor 3 MinutenOh nein da Silva wieder mit geschwafel.