Es gibt Speisen, die lassen sich ohne Probleme einzelnen Nationen oder bestimmten Regionen zuordnen – und dann wäre da der Kartoffelsalat. Der gehört uns allen. Was zunächst etwas übertrieben klingen mag, findet sich doch tatsächlich fast überall auf der Welt in irgendeiner Form wieder. In Spanien werden gekochte Kartoffeln mit Aioli vermengt, anderswo im Mittelmeerraum mit Kräuterpasten, Zitronensaft und Olivenöl. In Südamerika, der eigentlichen Heimat der Kartoffel, landen sie mit vielen Kräutern, Chilischoten und roten Zwiebeln auf dem Tisch. Und wer es ganz genau nimmt, der wird feststellen: Schon eine Schüssel warmer Kartoffeln, mit einem guten Öl beträufelt und einer Handvoll gehackter Kräuter bestreut, bewegt sich irgendwo im weiten Universum dessen, was sich Kartoffelsalat nennen könnte.

Das finde ich so grandios an dieser Speise. Kartoffelsalat ist weniger ein Rezept als ein Konzept. Die Kartoffel dient als Bühne für Säure, Kräuter, Gemüse, Gewürze und gute Fette. Sie nimmt Aromen auf wie kaum ein anderes Lebensmittel und bleibt dabei dennoch immer sie selbst. Das ist eine ihrer besten Eigenschaften.

Eine wandelbare und überraschend elegante Speise

Doch leider hat der Kartoffelsalat über viele Jahre einen schweren Imageschaden erlitten. Lange Zeit erschienen vor allem jene kleinen Plastikschalen aus den Kühlregalen der Discounter vor meinem inneren Auge, wenn ich an Kartoffelsalat dachte. Darin schwammen blasse Kartoffelwürfel entweder in industriell gefertigter Mayonnaise oder einer trüben Mischung aus billigem Öl, Essig und Speckresten. Das Ergebnis war meist entweder fad, erschlagend fett – oder vollgestopft mit künstlichen Geschmacksverstärkern und Aromen. Zusammen mit einem trocken gegrillten Nackensteak gehören diese Produkte zu den kulinarischen Trauerspielen deutscher Sommerabende. Man isst sie nicht aus Genuss, sondern weil man glaubt, dass Grillen eben so auszusehen hat.