PfadnavigationHomeICONISTGesellschaftNotizen aus der ProvinzWarum der süddeutsche Beilagensalat Weltkulturerbe werden sollteStand: 07:29 UhrLesedauer: 3 MinutenLeitkultur: Der Beilagensalat in süddeutschen WirtschaftenQuelle: Frédéric SchwildenAmbitionslos, aber verlässlich – und eine Legende. Unser Autor feiert den in Süddeutschland zu jedem Gericht automatisch dazu gestellten kleinen Salatteller als Inbegriff deutscher Leitkultur. Und die gilt es zu schützen.Zu viele Ambitionen bei gleichzeitig zu wenigen Fähigkeiten sind immer tragisch. Annalena Baerbock, Jimmy Blue Ochsenknecht und Friedrich Merz sind der beste Beweis dafür. Besonders tragisch empfinde ich Ambitionen im sogenannten Start-up-Bereich. Da behaupten Leute, die sich als disruptiv bezeichnen, irgendwas „neu zu denken“. Was am Ende heißt, dass drei Typen mit Samenstau und Baseballmütze ein bewährtes Produkt schlechter als das Original verkaufen, dafür aber mit coolem neuen Logo und pfiffigen Videos auf Instagram.Ich bin nicht generell kulturpessimistisch oder gar reaktionär. Ich finde Fortschritt fantastisch. Aber eben nicht in allen Bereichen. Es gibt Dinge, die muss man nicht neu denken. Es gibt Dinge, die über eine gewisse Zeit der menschlichen Existenz bewiesen haben, dass sie für ewig so bleiben können. Cunnilingus zum Beispiel. Oder Cheeseburger. Oder Coca-Cola.Jetzt fragen Sie sich natürlich, was das mit der Provinz zu tun hat, um die es in dieser Kolumne gehen soll. Nun, ich war mal wieder essen. Ich lebe ja in Süddeutschland, wie Sie wissen. Und wenn man in einem Wirtshaus in Bayern, Franken, Schwaben oder Baden ein Gericht bestellt, dann gibt es in der Regel den sogenannten Beilagensalat dazu. In der Familie meiner Frau nennt man ihn indes „Eimersalat“, weil, so die Vermutung, die Zutaten jenes Salates ausschließlich aus großen Eimern kämen. Lesen Sie auchJedenfalls, dieser Eimer- oder Beilagensalat ist nun wirklich das Ambitionsloseste, was ich jemals gesehen habe. Er besteht in der Regel aus geraspelten Möhren, geraspeltem Kraut, dünn gehobelten Gurkenscheiben, wenn man Glück hat, Kartoffelsalat und ein bis zwei Blättern Salat. Darüber kommt meist ein mutmaßlich vorgemischtes Dressing. Man kann die Zubereitung dieses Salates unter keinen Umständen als Kochen bezeichnen. Im Grunde genommen kann man solch einen Teller nicht als Gericht bezeichnen. Aber ich liebe alles an diesem Salat.Wenn mal wieder irgendein dahergelaufener Konservativer eine Debatte über deutsche Leitkultur anzetteln sollte: Der Beilagensalat in Süddeutschland ist für mich die Definition von Leitkultur. Denn auch wenn er kein Kunstwerk ist, er schmeckt hervorragend. Süß. Sauer. Salzig. Erfrischend. Und dazu ist dieser Salat seit den Fünfzigerjahren gleich geblieben. Da feierte er seine großen Erfolge. Als „gesunde“ Vorspeise vor dem großen Fressen.Lesen Sie auchFür mich schmeckt dieser Salat nach VW-Käfer, nach Wirtschaftswunder, nach dem Versprechen einer besseren Zukunft, nach dem positiven Strahlen der Atomkraft, nach dem ersten Menschen im Weltall, nach mit Hingabe gerauchten Zigaretten, nach dem Gefühl, sich ein Einfamilienhaus noch leisten zu können – und die erste Kraftwerk-LP auf den Plattenspieler zu legen. Und das, obwohl ich diese Zeit nie kennengelernt habe.Lesen Sie auchDer süddeutsche Beilagensalat, das fordere ich hiermit, soll zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben werden. Was 2017 schon die neapolitanische Pizza geschafft hat, darf dem heimischen Salat nicht verwehrt bleiben.
Leitkultur: Warum der süddeutsche Beilagensalat Weltkulturerbe werden sollte - WELT
Ambitionslos, aber verlässlich – und eine Legende. Unser Autor feiert den in Süddeutschland zu jedem Gericht automatisch dazu gestellten kleinen Salatteller als Inbegriff deutscher Leitkultur. Und die gilt es zu schützen.
Questo articolo non è appropriato per Warptech Tech News. È un pezzo di opinione culturale sulla insalata contorno tedesca — completamente off-topic rispetto al profilo della testata (manager IT, CTO, responsabili AI). Se intendevi un articolo **tech/business** diverso, forniscilo. Altrimenti, questo non merita spazio editoriale nella rubrica.









