Sie liegen in Klöstern, Stadtpalästen oder ehemaligen Bauernhöfen und setzen auf Nähe statt auf Grösse: fünf Hotels in Italien, die Reisenden einen authentischen Zugang zu ihrer Region eröffnen.Wem die Anonymität grosser Hotelpaläste missfällt, für den sind Minihotels die perfekte Alternative. Wo es wenige Zimmer gibt, gibt es auch wenig Personal, und dieses kennt seine Gäste oft noch beim Namen. Es gibt keine unpersönlichen Frühstücksräume, sondern gemütliche Salons oder verwunschene Terrassen. Keine lauten Cocktail-Lounges, sondern intime Honesty-Bars. Keine Standardempfehlungen, sondern persönliche Tipps. Man fühlt sich wie bei guten Freunden zu Gast, hat aber mehr Privatsphäre und einen besseren Service.In unserer Serie stellen wir fünf besonders schöne Beispiele in den beliebten Ferienländern in Europa vor – für alle, die lieber in persönlichem als in anonymem Ambiente übernachten möchten.Como: Palazzo Albricci PeregriniErstbesucher erhalten eine genaue Wegbeschreibung, denn der Hoteleingang im mittelalterlichen Altstadtpalazzo ist nicht ganz einfach zu finden. Kein Wunder! Das im Jahr 2018 eröffnete Hotel ist so privat, wie ein Ort dieser Art es nur sein kann. Man betritt es durch ein mächtiges Holzportal, gelangt in einen kopfsteingepflasterten Hof, durchquert einen Durchgang zu einer schmalen Terrasse, die von einer hohen Jasminhecke begrenzt ist. Irgendwo da hinten befindet sich die Tür zur Rezeption.Der Palast war im 18. Jahrhundert das aristokratische Wohnhaus des Bischofs Albricci Peregrini inklusive des dazugehörenden Dienstbotentrakts. Dadurch entstanden zwei völlig unterschiedliche Wohntypologien: Sechs der insgesamt zehn Zimmer sind eher rustikal mit dickem Holzgebälk und Böden aus lombardischem Terrakotta, die anderen vier sind mit hohen Decken, Mosaikböden und Originalfresken versehen. PD Der mittelalterliche Altstadtpalazzo beherbergt nur zehn Zimmer – jedes davon ist einzigartig. Hier wie dort wurde die historische Architektur mit modernem Design, aufgearbeiteten Vintage-Objekten, Flohmarktfunden und zeitgenössischen Kunstwerken kombiniert. Mal steht eine alte Holzwiege im Raum, mal eine antike Truhe, anderswo setzen minimalistische Beistelltische und innovative Lichtquellen Akzente. Kleine Annehmlichkeiten wie weiche Frette-Bettlaken, erstklassige Duschen und die Pflegeprodukte von Comfort Zone aus Parma sind ebenso verlockend wie das mehrgängige Frühstück mit vielen hausgemachten Produkten und das abendliche Degustationsmenu bei Kerzenschein. Das Dinner wird im lauschigen Innenhof eingenommen. PD Informationen: palazzoalbricciperegrini.it, DZ ab 250 Euro.Bernalda: Palazzo MargheritaVor über zwanzig Jahren kaufte der US-Regisseur Francis Ford Coppola in Bernalda, der Heimat seiner Vorfahren in der Basilikata, einen Palazzo aus dem 19. Jahrhundert. Er liess ihn nach strengsten ökologischen Massstäben renovieren und in ein Boutique-Hotel verwandeln. Das Dorf liegt gut vierzig Kilometer südlich des zum Unesco-Kulturerbe zählenden Städtchens Matera und ist nur fünfzehn Kilometer vom Meer entfernt.Von den neun Suiten öffnen sich drei zum Garten hin, die anderen punkten mit Balkonen und Blick auf das gemächliche Dorfleben. Sie wurden von Jacques Grange in lässig-elegantem Stil eingerichtet – mit Rattansesseln, farbenfrohen Glasleuchtern, Badewannen auf Löwenfüssen und Decken mit Fresken. Jede Suite trägt den Namen eines Familienmitglieds und ist einem bestimmten Thema gewidmet – wie die im Rokoko-Stil gehaltene Gia-Suite, die nach Coppolas erster Enkelin benannt und mit einem Fresko versehen ist, das die mythologischen Amore und Psyche darstellt. Jedes der Zimmer wurde individuell vom französischen Innenarchitekten Jacques Grange eingerichtet. Lisa Limer In der Küche werden regionale Spezialitäten zubereitet, und in der hauseigenen Weinbar gibt es edle Tropfen aus der Coppola-Kellerei. Im Innenhof befindet sich ein verwilderter Garten mit Pool, und für Gäste, die im Meer baden möchten, stehen an einem privaten Abschnitt des nahen Lido Metaponto Liegen und Sonnenschirme zur Verfügung. Die Weinbar im Palazzo Margherita erinnert an eine längst vergangene Zeit. Lisa Limer Informationen: thecoppolahideaways.com, Suite ab 580 Euro.Modena: Casa Maria LuigiaIn der Lounge liegen Kochbücher und Kunstmagazine, im Kühlschrank reifer Parmesan und eisgekühlter Weisswein, im Musikzimmer 12 000 Vinylplatten aus der Sammlung des Hausherrn. Willkommen in der Casa Maria Luigia, einem schicken Gästehaus in einem parkähnlichen Gelände inmitten der üppig grünen Landschaft der Emilia-Romagna. Es gehört dem Star-Küchenchef Massimo Bottura und seiner Frau Lara Gilmore, die es ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet haben. Hier darf sich jeder Besucher vorübergehend wie ein Freund der Familie fühlen. Das schicke Gästehaus ist umgeben von einer idyllischen Parkanlage. Scatà «Wer bei uns übernachtet, teilt unseren Lebensstil», erklärt Lara Gilmore, die das Hotel leitet, «unsere Musik, unsere Möbel und vor allem die Kunst, die wir gemeinsam gesammelt haben und die uns inspiriert.» Tatsächlich lockt die Kunst fast genauso viele Menschen an wie die berühmte Küche von Massimo Bottura, die es selbstverständlich auch im Osteria-Ableger Francescana at Maria Luigia gibt. Das Tasting-Menu mit vielen Bottura-Bestsellern wird in der ehemaligen Remise der Villa serviert – an schlicht gedeckten Holztischen und vor dem 13-teiligen Siebdruck «The Last Supper» des britischen Künstlers Damien Hirst. Scatà Jedes der zwölf Zimmer besteht aus einer Ansammlung von Designstücken. In den zwölf Zimmern liegt das für die Gegend typische Nussbaumparkett, bei den Möbeln und Lampen wurde der Fokus auf italienisches Vintage-Design gelegt. Einige Stücke wurden von den Vorbesitzern übernommen, vieles stammt von Antiquitätenhändlern aus der Region, manches stand zuvor im Restaurant oder in der Wohnung der Hausherren. Gästen stehen ein Swimmingpool, ein Tennisplatz sowie ein Fitnesscenter zur Verfügung, und das Stadtzentrum von Modena ist nur fünfzehn Fahrminuten entfernt. Der Swimmingpool im Park. Scatà Informationen: casamarialuigia.com, DZ ab 450 Euro.Mailand: La FaviaUnweit des imposanten Friedhofs im Norden Mailands, aber auch in der Nähe von Corso Como, Porta Garibaldi und dem Szeneviertel Isola, versteckt sich ein charmantes Bed-and-Breakfast mit Eingang zu einem idyllischen Innenhof, den man erst einmal finden muss. Die Besitzer haben die ehemalige Wohnung ihrer Familie mit viel Geschmack und Liebe zum Detail in eine einladende Gästeunterkunft verwandelt. Anfangs gab es nur vier farbenfrohe Zimmer und eine lauschige Dachterrasse mit Glyzinien, Jasmin und Bananenstauden. Inzwischen ist das B&B gewachsen: Erst kamen zwei weitere Zimmer im Haus gegenüber dazu, dann zwei Appartements. Das charmante B&B im Norden Mailands verfügt über sechs Zimmer und zwei Appartements. PD Im Sommer wird das Frühstück auf der Terrasse serviert. PD Hier wie dort sorgen schöne Holz- und Terrazzoböden, indische Teppiche, geometrisch gemusterte Tapeten und Badfliesen, Art-déco-Möbel, bequeme Betten und viele liebevolle Details für ein sehr privates Wohngefühl. In der Empfangshalle und im Salon finden sich diverse Fundstücke, Antiquitäten und Kunstgegenstände, die die Besitzer im Laufe der Jahre auf ihren Reisen gesammelt haben. Dank dem Schlüsselbund, den jeder Gast erhält, um die verschiedenen Tore und Türen zu öffnen, fühlt man sich hier wirklich ein wenig wie zu Hause. Fast wie zu Hause: Eines der Zimmer mit direktem Zugang zur Terrasse. PD Das leckere Frühstück wird im Sommer auf der Terrasse serviert. Es gibt Rührei, frisch gepressten Orangensaft, Joghurt, Croissants und hausgemachte Marmelade mit Orangen aus dem Obstgarten der Besitzer.Informationen: lafaviamilano.com, DZ ab 110 Euro.Filicudi: La SirenaFilicudi ist die zweitkleinste der Äolischen Inseln und zieht ein eigenwilliges Publikum an – Künstler, Unternehmer, Professoren, Designer und Persönlichkeiten der gesellschaftlichen Elite aus Rom und Mailand. Die meisten kommen seit Jahren, denn was sie hier finden, gibt es anderswo nicht mehr: schroffe Felsen, wild wuchernden Ginster, streunende Katzen und schweigsame Einheimische, die vom Kapern- und Weinanbau leben. Ein Italien, das in den 1960er Jahren stehen geblieben ist, wo es keine schicken Läden und schon gar keine Luxushotels gibt. Der Mailänder Kunsthändler Sergio Casoli machte aus dem alten Gasthaus ein Inselrefugium. PD Das Neun-Zimmer-Hotel La Sirena ist eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten überhaupt für alle, die keine eigene Villa oder Freunde mit eigener Villa haben. Es gehört schon seit vielen Jahren dem bekannten Mailänder Kunsthändler Sergio Casoli, der aus dem alten Gasthaus ein lässiges Inselrefugium gemacht hat. Den in schlichtem, rein äolischem Stil eingerichteten Räumen wurde mit ein paar ausgesuchten Dingen ein charmantes Boho-Flair beschert – mehr braucht es nicht, denn die wunderschönen, mit alten Majolika-Fliesen bedeckten Böden und die Aussicht auf das Meer, Sizilien, den Ätna und die Piazzetta des winzigen Fischerdorfs Pecorini Mare sind schon berauschend genug. Das Gästehaus bietet einen direkten Ausblick auf das Meer und den Strand. PD Auf der Terrasse werden Frühstück, eisgekühlter Malvasia und beste Cocktails serviert, im zum Hotel gehörenden Restaurant Filicrudi gibt es Sushi und andere Fischgerichte. Hinter dem Kiesstrand gleich gegenüber geht die Sonne unter, und im nebenan eröffneten Studio Casoli werden Kunstwerke internationaler Stars wie Peter Doig, Lucio Fontana und Pietro Dorazio gezeigt.Informationen: lasirenafilicudi.com, DZ ab 180 Euro. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.