Die «Casa Llimona» liegt in Barcelonas Stadtteil Eixample, der für seine Jugendstilarchitektur bekannt ist. PD Sie liegen in Klöstern, Stadtpalästen oder ehemaligen Bauernhöfen und setzen auf Nähe statt Grösse: fünf Hotels in Spanien, die Reisenden einen authentischen Zugang zu ihrer Region eröffnen.Wem die Anonymität grosser Hotelpaläste missfällt, für den sind Minihotels die perfekte Alternative. Wo es wenige Zimmer gibt, gibt es auch wenig Personal, und dieses kennt seine Gäste oft noch beim Namen. Es gibt keine unpersönlichen Frühstücksräume, sondern gemütliche Salons oder verwunschene Terrassen. Keine lauten Cocktail-Lounges, sondern intime Honesty-Bars. Keine Standardempfehlungen, sondern persönliche Tipps. Man fühlt sich wie bei guten Freunden zu Gast, hat aber mehr Privatsphäre und einen besseren Service.Wer lieber in persönlichem als in anonymem Ambiente übernachtet, findet hier fünf besonders schöne Beispiele:«Valldemossa» auf MallorcaKein Meer in Sicht? Macht nichts, dachten sich Cristina Martí, und Miguel Conde, als sie 2024 das jüngste Haus ihres IT-Mallorca-Portfolios eröffneten. Das «Valldemossa» steht nur einen kurzen Spaziergang vom malerischen Ortskern von Valldemossa entfernt, in der Sierra de Tramuntana, einer Region mit wilder Landschaft, kleinen Dörfern und einem Eintrag auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Das «Valldemossa» bespielt ein Gebäude, das einst Teil des Königspalastes und späteren Klosters La Cartuja war. PD Vor dem imposanten Treppenaufgang begrüsst ein gut 400 Jahre alter Olivenbaum, und auch die Fassade des prächtigen historischen Gebäudes dahinter blieb weitgehend unberührt. Das Innenleben der Räume wurde hingegen vollkommen neu gestaltet. Die alten Steinmauern und schiefen Treppen stehen jetzt in einem spannenden Kontrast zu edlen Materialien, Vintage- und Designermöbeln sowie unzähligen zeitgenössischen Kunstwerken, von denen einige von mallorquinischen Künstlern eigens für das Hotel angefertigt wurden. PD Alle zwölf Zimmer und Suiten sind unterschiedlich gestaltet, manche bieten eine Terrasse oder einen Balkon, andere ein luxuriöses Badezimmer mit Hammam. Kulinarisch werden die Gäste mit der kreativen Fusionsküche von Germán Bernardi und Ricardo Rossi verwöhnt. Zu den Klassikern der Menukarte zählen Garnelenkrapfen, Lendenbraten Tataki oder eine cremige Torte aus Sóller-Zitronen. Für Fitness und Entspannung sorgen der in den Park eingebettete Aussenpool, ein hochwertig ausgestattetes Gym unter freiem Himmel, professionell geleitete Yoga- und Pilateskurse sowie das «Valldemossa Longevity»-Wellnessprogramm, das wahre Wunder vollbringen soll.Informationen: valldemossahotel.com, DZ ab 413 Euro.«Casa Borrego» in MurciaMit 3000 Sonnenstunden im Jahr und zwei warmen Meeren, die die Küste Murcias umspülen, wird der dortige Küstenstreifen nicht umsonst als Costa Cálida – warme Küste – bezeichnet. Die «Casa Borrego» befindet sich allerdings im landwirtschaftlich geprägten Hinterland der Küste in einer umgebauten Getreidemühle aus dem 17. Jahrhundert. Mit Blick auf das Ufer des Flusses Mula: «Casa Borrego». PD Das Hotel verbindet den Charme einer familiengeführten Taverne mit den Annehmlichkeiten eines gehobenen Boutique-Hotels und gilt als Murcias erstes gastronomisches Hotel. Kein Wunder, denn es steht mitten im Gebiet Molino de Abajo in Bullas, das zu den drei «Denominaciones de Origen» für Wein der Region zählt. Salvador Fernández ist der Maestro hinter der genialen Speisekarte, die regionale Gerichte neu interpretiert, vom klassischen «Caballito» mit Garnelen bis hin zu Reis mit «Chato Murciano» – einem einzigartigen dunklen Schweinefleisch einer lokalen schwarzen Rasse. PD Die erst Ende 2024 eröffnete «Casa Borrego» wurde bereits ein Jahr später für ihre innovativen Degustationsmenus ausgezeichnet. Das idyllische Landgasthaus verfügt über acht weiss getünchte, minimalistisch eingerichtete Zimmer. Einige überraschen mit hohen Gewölbedecken mit originalen Balken und von lokalen Handwerkern handgefertigten Holzkopfenden, andere mit modernen Badezimmern mit bunten Fliesen und freistehenden Badewannen. Minimalistisch eingerichtet: Die Zimmer in der «Casa Borrego» in Murcia. PD Informationen: casaborrego.com, DZ ab 140 Euro.«Casa Llimona» in BarcelonaDie Lage hat Stil: Das ungewöhnliche Zwei-Sterne-Hotel bespielt einen restaurierten Palast aus den 1890er Jahren im zentralen Stadtteil Eixample, der für seine Jugendstilarchitektur («Modernisme») mit berühmten Bauwerken von Antoni Gaudí bekannt ist. Erstbesucher sollten nach der gravierten Marmorplatte mit dem Namen «Casa Llimona» Ausschau halten – wer nur auf die prächtigen Bauten ringsum schaut, läuft an dem eher unscheinbaren Hotel leicht vorbei. PD Hinter der bescheidenen Fassade des Hotels verbirgt sich eine glorreiche Vergangenheit: Das Gebäude wurde einst als Palast für Markgrafen erbaut. Es wechselte später häufig den Besitzer und gehörte zeitweise der Künstlerfamilie Llimona, dann einer Versicherungsgesellschaft, die es schliesslich in ein eher durchschnittliches Hotel umwandelte.Während der Corona-Pandemie erwarb eine lokale Familie das Gebäude und liess die prächtigen Originalmerkmale – Türen, Stuckarbeiten und Fliesenböden – wiederherstellen. PD Im Jahr 2024 wurde die «Casa Llimona» eröffnet. Von der Eingangshalle führt eine Treppe nach oben. Seltsamerweise befindet sich die Rezeption mitten im Treppenhaus, das mit einem aussergewöhnlichen Pferdefresko von Pau Ollé aus dem Jahr 1958 verziert ist.Die nur acht Zimmer wirken eher wie private Apartments: Sie sind zurückhaltend eingerichtet, begeistern mit Parkett- oder Marmorböden, sonnigen Fenstersitzplätzen und teilweise grandiosen Terrassen. Moderne Einrichtung auf farbigen Marmorböden: Die Zimmer der «Casa Llimona». PD Informationen: casallimonahotel.com, DZ ab 206 Euro.«Corral del Rey» in SevillaEin Palast aus dem 17. Jahrhundert im Herzen der Altstadt von Sevilla wurde von den englischen Brüdern Anthony und Patrick Reid zu einem luxuriösen Boutique-Hotel umgestaltet. Es steht im belebten Viertel Alfalfa mit vielen Bars und kleinen Geschäften. Die Gasse Calle Corral del Rey ist jedoch ganz still und so schmal, dass viele Taxis sich weigern, hineinzufahren.Die 17 Zimmer und Suiten des Luxushotels verteilen sich auf drei historische Stadthäuser. Jedes Gebäude und jeder Raum ist anders. Das Haupthaus punktet mit einem dreistöckigen Atrium, freiliegenden Balken und einer historischen Atmosphäre. Doch auch die beiden miteinander verbundenen Nebenhäuser sind charmant. Herzstück des Hotels ist das beeindruckende dreistöckige Atrium im historischen Haupthaus. PD Hier wie dort ist der zeitgenössische Stil so dezent gestaltet, dass sich das Design nahtlos in die historische Architektur einfügt. Viele der Zimmer haben schimmernde Holzböden, manche eine Terrasse, alle Bettwäsche mit Monogramm und schöne Bäder. PD Die Zimmer sind in sanften Taupe- und Crèmetönen eingerichtet, mit südostasiatischen und marokkanischen Möbeln, Teppichen und Kunstwerken dekoriert. Zudem gibt es eine Bibliothek mit Honesty-Bar, eine Dachterrasse mit Plunge-Pool und ein kleines Restaurant, in dem das köstliche Frühstück serviert wird.Informationen: corraldelrey.com, DZ ab 300 Euro.«Son Blanc Farmhouse» auf MenorcaWer mit dem eigenen Auto anreist, denkt vermutlich irgendwann: Das finde ich nie. Die staubigen, von Olivenbäumen gesäumten Landstrassen nehmen kein Ende, und auch Google Maps weiss nicht weiter. Doch dann taucht das helle Landhaus hinter einer Mauer aus übereinandergehäuften Steinen auf, die auf wundersame Weise schon seit Ewigkeiten halten. Von Yoga bis Töpfern: Die Gemeinschaft aus Künstlern, Köchen und Kreativen gestaltet das Aktivitätsprogramm des Hotels mit. Karel Balas Das Haus gehört Benedicta Linares Pearce und Benoît Pellegrini. Sie wuchs als Tochter eines englischen Immobilienmaklers und einer Menorquinerin auf der Insel auf. Er ist ein französischer Ex-Investmentbanker, der sich sowohl in Benedicta als auch in ihre Insel verliebt hat. Gemeinsam suchten sie einen Ort, an dem sie ihre Vorstellung von nachhaltigem Tourismus umsetzen konnten, und fanden eine Ruine aus dem 19. Jahrhundert, die wie so vieles auf Menorca aus dem wunderschönen, porösen, vanillegelben Marès-Kalkstein gebaut war. Alles, was davon noch übrig war, wurde erhalten und restauriert. Karel Balas Die Räumlichkeiten sind lichtdurchflutet und mit natürlichen Materialien eingerichtet. Heute stehen 14 ganz unterschiedliche Zimmer zur Verfügung, manche mit privatem Garten, andere mit freistehender Badewanne oder einer Terrasse mit Whirlpool. Der Stil ist altmodisch und zeitgeistorientiert zugleich, roh und fein, unprätentiös und trotzdem chic. Karel Balas Alte Holzbalken, Kalkputzwände, Terrakottafliesen in eigenwilligen Formen und handgefertigtes Mobiliar prägen den naturbezogenen Look. Zum Empfang stehen Orangen aus dem Garten und hausgemachte Kekse bereit, die täglich wechselnden Mahlzeiten werden mal im Freien, mal im Haus serviert und basieren auf den Erzeugnissen von Land, Meer sowie der hauseigenen, regenerativ geführten 130-Hektaren-Farm.Informationen: sonblancmenorca.com, DZ ab 301 Euro. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.