Die Villa Keller in Saarburg öffnete vergangenen November ihre Türen. © Erasmus Collection Sie liegen in herrschaftlichen Villen oder schicken Altbauten und setzen auf Nähe statt auf Grösse: fünf Hotels in Deutschland, die Reisenden einen authentischen Zugang zu ihrer Region eröffnen.Wem die Anonymität grosser Hotelpaläste missfällt, für den sind Minihotels die perfekte Alternative. Wo es wenige Zimmer gibt, gibt es auch wenig Personal, und dieses kennt seine Gäste oft noch beim Namen. Es gibt keine unpersönlichen Frühstücksräume, sondern gemütliche Salons oder verwunschene Terrassen. Keine lauten Cocktail-Lounges, sondern intime Honesty-Bars. Keine Standardempfehlungen, sondern persönliche Tipps. Man fühlt sich wie bei guten Freunden zu Gast, hat aber mehr Privatsphäre und einen besseren Service.Wer lieber in persönlichem als in anonymem Ambiente übernachtet, findet hier fünf besonders schöne Beispiele:Regensburg: «Chin Chin»«Chin Chin»? Wie «cin cin» auf Italienisch? Das passt, denn das Hotel ist primär eine Bar, vor allem für Regensburger, die gerne auf einen Drink kommen, aber anderswo ihr eigenes Bett haben. Regensburg wird oft – vor allem von Einheimischen – als die «nördlichste Stadt Italiens» bezeichnet. Dieses mediterrane Lebensgefühl prägt die Unesco-Welterbestadt durch historische italienische Handelswege, verwinkelte Gassen, zahlreiche Strassencafés und eine lebendige Gastronomieszene.Für all jene, die nicht das Glück haben, hier zu Hause zu sein, bietet das «Chin Chin» 17 völlig unterschiedlich gestaltete Zimmer hinter über 800 Jahre alten Gemäuern. In manchen schläft man unter uralten Holzbalken, in anderen unter zartem Stuck, alle sind mit schönen Holzdielenböden und Stilmöbeln ausgestattet. Jedes Zimmer widmet sich einem anderen Kapitel der Regensburger Geschichte: Eines ist einem berühmten Regensburger Hutmacher gewidmet, ein anderes dem nicht minder berühmten Dom. In manchen Zimmern schläft man unter uralten Holzbalken, in anderen unter zartem Stuck. Lukas Pokorny Aus den Fenstern sind die Dächer und Kirchtürme der Altstadt oder auch die Terrassentische vor der Tür zu sehen, an denen an sonnigen Tagen gefrühstückt werden kann. Lukas Pokorny Die Bar des «Chin Chin» ist auch bei den Regensburgern ein beliebter Treffpunkt. Informationen: Chin Chin, DZ ab 129 Euro.München: Hotel Münchner Kindl10 Suiten, 6 Zimmer, eine kleine Wellnessoase auf dem Dach und mehrere schicke Lounges: Das Hotel Münchner Kindl wirkt eher wie ein eleganter Privatklub als wie Münchens jüngstes Boutiquehotel.Das denkmalgeschützte Gästehaus aus dem 18. Jahrhundert steht im Herzen der Altstadt und überrascht mit einer selbst für Bayern bemerkenswerten Opulenz – vor allem in den Privatgemächern der Gäste. Das Interieur mit seinen kräftigen Farben, eleganten Stoffen und vielfältigen Mustern spiegelt die Exzentrik König Ludwigs, den Expressionismus des Blauen Reiters und den Glamour der Münchner Schickeria der 1980er Jahre wider. Kräftige Farben, elegante Stoffe und vielfältige Muster machen die Hotelzimmer zu Hinguckern. PD Jedes Zimmer ist anders und individuell gestaltet: Ein Teppich, der auch Schloss Nymphenburg schmücken könnte, trifft auf expressionistische Werke und klassizistischen Stuck. Eine grüne Wandverkleidung, wie sie in alten Bierstuben üblich war, grenzt an einen avantgardistischen Teppich und an ein Deckengraffito, das sich als Hommage an die Münchner Street-Art-Szene der frühen 2000er Jahre versteht. Gäste werden mit einem Kir royal begrüsst, es gibt eine schicke Honesty-Bar und jede Menge guter Restaurants in der Umgebung. In der Honesty-Bar gibt es hervorragenden Kir royal. PD Informationen: Münchner Kindl, DZ ab 515 Euro.Hamburg: Hotel am MuseumMan nennt sich bescheiden Bed and Breakfast, und ja, in diesem 6-Zimmer-Hotel ist mit ein paar Einschränkungen zu rechnen: Waschbecken und Echtglasdusche sind im Schlafzimmer integriert, die Toiletten befinden sich dagegen auf dem Flur, denn in der 1890 erbauten und so sorgsam wie kontinuierlich renovierten Wohnung war es nicht möglich, nachträglich individuelle Badezimmer zu integrieren. Die Stadtvilla an der bekannten Rothenbaumchaussee. PD Dafür residiert man in einer weissen Stadtvilla aus der Gründerzeit an der eleganten Rothenbaumchaussee, schläft unter wunderschönen Stuckdecken zwischen zimmerhohen Kachelöfen und den sorgfältig aufgearbeiteten Möbeln der Grosseltern. Das Hotel wird von Sebastian Stein und Meikel Böttcher geleitet, die ihre Gäste mit Blumensträussen auf den Zimmern und einem feinen Frühstück am Gemeinschaftstisch verwöhnen. PD Die Gäste erwarten sorgsam eingerichtete Zimmer und ein Garten zur Mitbenutzung. Wer hier wohnt, hat freien Zugang zur Terrasse und zum Garten. Dort kann man einen lauen Sommerabend geniessen oder sich mit Freunden zum Apéro treffen – der passende Wein steht griffbereit in der Minibar.Informationen: Hotel am Museum, DZ ab 126 Euro.Saarburg: Villa KellerEin neues Juwel für Designliebhaber: Im vergangenen November öffnete die Villa Keller ihre Türen. Die als Wohnhaus der namengebenden Familie Keller errichtete Villa wurde in den vergangenen Jahren behutsam saniert und in ein Hotel verwandelt, das Geschichte und Design sowie den Charme eines denkmalgeschützten Hauses von 1801 mit zeitgenössischer Architektur verbindet. Die Villa Keller ist ein Juwel für Designliebhaber. © Erasmus Collection Grosszügige Fenster öffnen den Blick auf die Saar sowie die gegenüberliegende Burg, während originale Stuckdecken und historische Parkettböden den unverwechselbaren Charakter der Villa bewahren. Für die Neugestaltung zeichnete Britta Tibo aus dem nahe gelegenen Trier verantwortlich, die den klassischen Stil des Hauses mit moderner Klarheit, hochwertigen Materialien und einem harmonischen Farbkonzept neu interpretiert hat. Die Zimmer sind grosszügig, hell und bieten einen direkten Blick auf die Saar. © Erasmus Collection Unmittelbar am Ufer der Saar gelegen, empfängt das Haus mit 11 individuell gestalteten Zimmern und Suiten, einem urigen Wirtshaus, eigenem Biergarten sowie dem neuen Restaurant Dopamin Fine Dining. Hinter dem Projekt steht die Gastgeberfamilie Boesen, die auf langjährige Erfahrung in der Hotellerie zurückgreifen kann und mit der Villa Keller ein neues Highlight in der Region Saar-Hunsrück setzt.Informationen: Villa Keller, DZ ab 180 Euro.Berlin: «Linnen»Weniger ein klassisches Hotel, mehr ein urbanes Wohnkonzept: Das «Linnen» bespielt einen klassischen Berliner Altbau im angesagten Stadtteil Prenzlauer Berg und versteht sich als eine Art Zuhause für Gleichgesinnte – Traveler, Backpacker, Instagrammer und Art-Directors, denen das «Soho House» zu perfekt (und zu teuer) ist. Gross ist es nicht – Réception und Eingang verschmelzen mit der kleinen Self-Service-Kaffeebar. Dazu gibt es sechs Zimmer mit Parkettböden, hohen Decken, Upcycling-Möbeln und einem Hauch Vintage-Charme – irgendwo zwischen skandinavischer Klarheit und Flohmarktglück, stilvoll, unkonventionell, mit einer schwer zu beschreibenden Berlin-Note. PD Jedes Zimmer wurde individuell gestaltet und hat seinen ganz eigenen Charme. Das kleinste und günstigste, aber gleichzeitig gemütlichste Zimmer ist rundum mit rezykliertem Holz verkleidet und lädt zum sofortigen Einkuscheln in das Doppelbett ein. Room 5 ist dagegen farbenfroh und modern, mit einer freigelegten Backsteinwand und einer urbanen, verspielten Atmosphäre, während der Standard Room mit industriellem Chic punktet. Ein Restaurant oder eine klassische Rezeption gibt es nicht, jeder Gast checkt selbst ein. Das Hotel gehört der Plattform der Pretty Hôtels an, womit eigentlich schon alles gesagt ist.Informationen: Linnen, DZ ab 130 Euro. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.