Sie liegen in schicken Altbauten oder renovierten Bauernhöfen und setzen auf Nähe statt auf Grösse: fünf Hotels in England, die Reisenden einen authentischen Zugang zu ihrer Region eröffnen.Wem die Anonymität grosser Hotelpaläste missfällt, für den sind Minihotels die perfekte Alternative. Wo es wenige Zimmer gibt, gibt es auch wenig Personal, und dieses kennt seine Gäste oft noch beim Namen. Es gibt keine unpersönlichen Frühstücksräume, sondern gemütliche Salons oder verwunschene Terrassen. Keine lauten Cocktail-Lounges, sondern intime Honesty-Bars. Keine Standardempfehlungen, sondern persönliche Tipps. Man fühlt sich wie bei guten Freunden zu Gast, hat aber mehr Privatsphäre und einen besseren Service.Wer lieber in persönlichem als in anonymem Ambiente übernachtet, findet hier fünf besonders schöne Beispiele:London: «High Road House»Eines der ganz wenigen zur exklusiven Soho-House-Gruppe gehörenden Hotels, das auch Nichtmitgliedern offensteht, befindet sich im nicht superzentralen Stadtteil Chiswick. Es verbindet ein sympathisches nachbarschaftliches Flair mit einem von Frankreich inspirierten Interieur und gilt als ein Treffpunkt für junge Kreative sowie als entspannter Rückzugsort im grünen Westen Londons. Das «High Road House» gilt als entspannter Rückzugsort im grünen Westen Londons. PD Von aussen wirkt das georgianische Stadthaus mit seiner Backsteinfassade etwas streng, im Inneren zeichnet es sich durch holzgetäfelte Wände und schöne Art-déco-Details aus. Im Erdgeschoss befindet sich eine lebhafte Brasserie mit verglaster Veranda und französischer Küche. Alternativ gibt es ein für Mitglieder und Hotelgäste reserviertes Restaurant mit britischen Spezialitäten, darunter der traditionelle Sunday-Roast. Dazu gehört auch eine Vintage-Cocktailbar, die bis in die frühen Morgenstunden geöffnet ist. Das Interieur, wie etwa die freistehenden Badewannen, ist vom französischen Stil inspiriert. Harry Crowder Die vierzehn Zimmer befinden sich auf der zweiten und dritten Etage. Sie sind mit Midcentury-Mobiliar eingerichtet und mit teilweise in leuchtenden Farben gefliesten Bädern versehen. Zu den schönsten zählen die sogenannten Playrooms. Sie sind etwas grösser als die anderen und verfügen über eine freistehende Badewanne, hellgrün gestrichene Holzwände und Badezimmer mit schwarz-weissen Mosaikböden und einer begehbaren Regenwalddusche.Informationen: sohohouse.com, DZ ab 175 GBP.Devon: «Fowlescombe Farm»Seit 1537 schmiegt sich das Anwesen Fowlescombe, nicht weit vom Meer entfernt, in ein steiles, verstecktes Tal am Rande des Dartmoors. Das ursprüngliche, mit Efeu bewachsene Herrenhaus ist von Wald und offenem Weideland umgeben. Hier betreiben Caitlin Owens und Paul Glade einen Bauernhof, der sowohl die Fowlescombe-Küche mit Fleisch, Gemüse und Eiern beliefert als auch ihrer Urlaubsvision entspricht. Mitten im Grünen, am Rande des Dartmoors, liegt das Anwesen Fowlescombe. Jon Tonks Die beiden haben den ruhigen, luxuriösen und erholsamen Rückzugsort mit zehn Suiten vor gut einem Jahr eröffnet und den alten Bauernhof, dessen Gebäude nie für Menschen gedacht waren, sondern als Scheunen, Ställe und Lagerschuppen dienten, in ein glamouröses Hotel verwandelt. Denn neben dem traditionellen Farmstay-Erlebnis soll hier auch das Drum und Dran eines Spitzenhotels vermittelt werden: Die Suiten sind mit Designklassikern, Antiquitäten und einem Super-King-Bett, dessen Matratze aus der Wolle der eigenen Schafe gefertigt wurde, ausgestattet. Zum Angebot gehören zudem Yogastunden, Botanikkurse und feinste Farm-to-Table-Küche. Jon Tonks Die Zimmer auf der «Fowlescombe Farm» vermitteln Ruhe und Eleganz. Bei der Umsetzung dieses ambitionierten Projekts war es von Vorteil, dass der für das Design zuständige und aus Basel stammende Paul Glade das ebenfalls in Basel beheimatete Studio Gugger mit an Bord holte und Caitlin Owens berufliche Erfahrungen in der Luxushotellerie gesammelt hat. Die beiden wissen, wie ein tolles Hotel auszusehen und zu funktionieren hat.«Wir wollten Räume bewohnbar machen, die ursprünglich für Tiere und Werkzeuge gedacht waren», erklärt Paul Glade, «manche davon haben eine doppelte Höhe, aber auch niedrige Türöffnungen, durch die man sich ducken muss». Doch das ist zu verschmerzen, wenn hinter der Tür ein crèmefarbenes Interieur mit Eichenholzvertäfelung, Himmelbett und einem riesigen Badezimmer mit einer freistehenden Wanne wartet. Aus den Fenstern schaut man auf Felder und Täler – den nicht vorhandenen Fernseher vermisst kein Mensch. JonTonks Das Hotel bietet eine Farm-to-Table-Küche mit Zutaten, die direkt vom dazugehörigen Bauernhaus stammen. Informationen: fowlescombe.com, Suite ab 414 GBP inklusive Vollpension für zwei Personen.Bruton: «Number One Bruton»Böse Zungen behaupten, Bruton bestehe nur aus einer Durchfahrtsstrasse. Tatsächlich aber ist das fast tausend Jahre alte Städtchen mit seinen vielen unter Denkmalschutz stehenden Steinhäusern ein Liebling der britischen Finanz-, Mode- und Kulturelite. Die Designerinnen Stella McCartney und Phoebe Philo, die Regisseurin Sam Taylor-Johnson oder der Theater- und Musical-Produzent Sir Cameron Mackintosh besitzen Häuser in oder um Bruton. In einem der Steinhäuser befindet sich das Hotel Number One Bruton. PD Als In-Adresse für die Nacht gelten die ländlich-exzentrischen Gästezimmer im «Number One Bruton». Das Gebäude stammt aus dem Mittelalter und war erst Teil einer Pilgerherberge, dann ein Privathaus mit einer Schmiede und einer Eisenwarenhandlung im Erdgeschoss. Die leuchtend gelbe Eingangstür steht meist offen und gewährt einen Blick auf den idyllischen Innenhofgarten. Die Inhaberin Claudia Waddam hat 2020 hier ein wunderbar unkonventionelles Bed and Breakfast mit zwölf Zimmern eröffnet, das mit Kunst- und Designstücken ihrer Freunde ausgestattet ist: Fotos von Don McCullin, Spiegel von Candace Bahouth, Sessel von Bill Amberg und ein Treppenmural von Kaffe Fassett. PD Die Zimmer sind stilvoll, gemütlich und mit individuellem Charakter eingerichtet. Die Atmosphäre ist entspannt, die Zimmer sind stilvoll, gemütlich und höchst unterschiedlich gestaltet. Manche verfügen über freiliegende Balken, Ziegelwände und eine freistehende Badewanne, andere haben helles Sichtmauerwerk, Drucke von Yves Saint Laurent an der Wand und einen Kamin. Jeder Gast findet einen Kühlschrank voller kostenloser Erfrischungsgetränke vor. Das köstliche Frühstück mit hausgemachten Croissants und eigener Orangenmarmelade wird im zum Hotel gehörenden Restaurant Briar serviert. Am Abend gibt es dort kleine Gerichte und regionale Spezialitäten.Informationen: numberonebruton.com, DZ ab 275 GBP. London: «The Culpeper»Den meisten Londonern ist dieses Pub bekannt: Ab dem späten Nachmittag ist das entspannte, hippe Lokal im Stadtteil Spitalfields voller Gäste. Dass sich ein Stockwerk höher ein schickes Restaurant mit ambitionierter britischer Küche und darüber fünf sehr gemütliche Zimmer mit Blick auf die Commercial Street und die Petticoat Lane befinden, wissen die wenigsten. Unten Pub, oben Hotel. Anton Rodriguez Serviert wird ambitionierte britische Küche. Anton Rodriguez Man übernachtet hier in lässigem Shabby Chic: Polierter Beton, Sichtputz und gestrichenes Mauerwerk wirken eher recycelt als industriell. Dazu kommen witzige Details wie Acapulco-Sessel im Gartenstil, flauschige Schaffellteppiche und leuchtend türkis geflieste Bäder mit Wasserfalldusche. Besonders beliebt sind die ofenwarmen Schokoladenkekse, mit denen jeder Gast begrüsst wird. Die gibt es auch im Restaurant, falls die Dose einmal leer sein sollte. Polierter Beton, Sichtputz und gestrichenes Mauerwerk geben den Zimmern einen rustikalen Touch. Veerle Evens Über den Zimmern lockt eine der wohl coolsten Dachterrassen der Stadt mit rustikalem Flair, vielen Grünpflanzen, kreativen Cocktails und einem atemberaubenden Blick auf die Skyline. Die Dachterrasse bietet einen atemberaubenden Blick auf die Londoner Skyline. Anton Rodriguez Informationen: theculpeper.com, DZ ab 175 GBP.Margate: «Margate House»Das englische Seebad Margate hat sich im letzten Jahrzehnt zur heimlichen Trend-Destination entwickelt. Der Ort gilt als eines der ältesten Seebäder des Königreichs, schon vor 250 Jahren fuhr die Londoner High Society zur Sommerfrische dorthin. Heute fährt ein Schnellzug in nur 90 Minuten von London nach Margate. An Bord sitzen deutlich mehr Menschen, die aus der Stadt herausmöchten als umgekehrt.Das «Margate House» ist ein gehobenes Gästehaus in Cliftonville, östlich der Altstadt. Die Einrichtung ist farbenfroh, die Räume sind mit Werken lokaler Künstler geschmückt, der Eindruck ist eher der eines coolen Boutiquehotels als der eines Retro-Bed-and-Breakfasts am Meer. PD Terrasse und Zimmer sind Ton in Ton gehalten. Der Besitzer kaufte das fünfstöckige Stadthaus während der Pandemie, nachdem er sich in die wiederauflebende Kunstszene und die Fülle an kreativen Kleinunternehmen insbesondere in Cliftonville verliebt hatte. Er baute das Haus bis auf die Grundmauern zurück und verwandelte es in ein Hotel mit neun gemütlichen, holzvertäfelten Zimmern in staubigen Rosa-, Terrakotta- und Burgundertönen. Das «Margate House» ist ein wahres Paradies für Designliebhaber. PD So gut wie alles ist käuflich – von der Kunst an den Wänden bis hin zu den Düften von Vyrao und den skurrilen Keramikkerzenhaltern aus dem Laden L’Absurde in der Altstadt. Zum Hotel gehören eine schicke Cocktailbar und das ebenfalls im Retro-Look gestaltete Restaurant Willy’s mit neu interpretiertem britischem Comfort-Food.Informationen: margatehouse.co.uk, DZ ab 201 GBP. Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.