Der Umgang mit den komplizierten und oft sehr blutigen polnisch-ukrainischen Beziehungen im 20. Jahrhundert ist ein ständiges Reizthema in den Beziehungen beider Länder. Die ukrainische Führung hätte die polnische Empörung über die Benennung einer Einheit ihrer Armee nach den „Helden der UPA“ also vorhersehen müssen.Das Kürzel der „Ukrainischen Aufstandsarmee“ hat in Polen und der Ukraine unterschiedliche symbolische Bedeutungen: In der Ukraine sieht man in der UPA vor allem die Partisanen, die nach 1945 gegen Stalins Terrorherrschaft gekämpft haben; für die Polen dagegen ist die UPA die Organisation, deren Mitglieder zwischen 1943 und 1945 im Westen der heutigen Ukraine Zehntausende polnische Zivilisten ermordet haben. Historiker diskutieren darüber, wie groß die Kontinuität zwischen den beiden Phasen der Organisation war.Aber wer wie in diesem Fall Präsident Wolodymyr Selenskyj mit historischen Symbolen Politik macht, lässt für solche Differenzierungen mit ihrer moralischen Uneindeutigkeit keinen Raum mehr. Die Empörung der Polen ist berechtigt, ganz unabhängig davon, zu welchen politischen Spielchen Präsident Karol Nawrocki den Vorgang nun instrumentalisiert.Für die Ukraine steht viel auf dem Spiel: kurzfristig, wenn der Streit die Ende Juni in Danzig stattfindende Wiederaufbaukonferenz beeinträchtigt; vor allem aber langfristig, wenn Kiew auf diese Weise einen seiner wichtigsten Fürsprecher in EU und NATO verprellt. Selenskyj muss Schadensbegrenzung betreiben.