Sobald es möglich war, entstanden in den Neunzigerjahren im Westen der Ukraine Denkmäler für die Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Nach fünf Jahrzehnten, in denen die sowjetische Propaganda sie als Helfershelfer der Nazis, Mörder und Banditen nur in den schwärzesten Farben dargestellt hatte, wurden sie von vielen Menschen in der Westukraine als Helden verehrt. Der Partisanenkrieg gegen sowjetische Truppen, den die UPA bis Anfang der Fünfzigerjahre geführt hatte, wurde als Kampf für eine freie Ukraine glorifiziert. Das Vorgehen der Sowjetmacht bei der Bekämpfung der UPA hatte tiefe Spuren in den Schicksalen vieler Familien hinterlassen – Hunderttausende Ukrainer waren deshalb nach Sibirien deportiert worden.Doch auch ohne einen solchen Anlass war die UPA stets ein Reizthema zwischen beiden Ländern. In Polen stehen die drei Buchstaben für die Ermordung Zehntausender polnischer Zivilisten in Wolhynien, einer Region im Nordwesten der heutigen Ukraine, im Jahr 1943. In einer Resolution verurteilte das polnische Parlament die Massaker 2016 als Völkermord.Die Radikalisierung der gescheiterten NationalistenIn den meisten Ländern Osteuropas, so auch in der Ukraine, gab es nach dem Ende der Sowjetunion 1991 ein großes Bedürfnis nach einer Darstellung der eigenen Geschichte, die von den Dogmen, Tabus und Lügen der kommunistischen Diktatur befreit war. Die Forderung nach „Wahrheit“ diente der Selbstvergewisserung: Es ging darum, den Opfern kommunistischer Verbrechen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, an gewaltsam unterbrochene Traditionen anzuknüpfen, und nicht zuletzt auch um historisch begründete Legitimation für die gerade erkämpfte Souveränität. Das freilich hatte oft zur Folge, dass Geschichte wieder in den Dienst einer Sache gestellt wurde – nur war es anstelle des Kommunismus nun die Nation.Das machte alte nationale Konflikte zum Gegenstand neuer politischer Auseinandersetzungen. Das polnisch-ukrainische Verhältnis ist ein besonders markantes Beispiel dafür. Die ukrainische Nationalbewegung hatte sich im 19. Jahrhundert nicht nur in Gegnerschaft zum Zarenreich formiert, sondern auch in Konkurrenz zum Kampf der Polen um die Wiederherstellung ihres Staates, den Russland, Preußen und das Habsburgerreich untereinander aufgeteilt hatten. Als sich am Ende des Ersten Weltkriegs für Polen und Ukrainer die Chance auf einen eigenen Staat eröffnete, erhoben beide Anspruch auf das Gebiet der heutigen Westukraine: Es war Teil der alten polnischen Rzeczpospolita, aber Ukrainer stellten in den Dörfern die Mehrheit.Die Polen setzten sich durch, die Gründung einer unabhängigen Ukraine misslang. Dieses Scheitern führte bei jungen Ukrainern in Polen zu einer Radikalisierung, die durch die repressive Minderheitenpolitik des polnischen Staates noch befördert wurde. Jene ukrainischen Nationalisten, die im Zweiten Weltkrieg die UPA schufen, verübten in den Dreißigerjahren Anschläge auf Vertreter des polnischen Staates. Für eine Mehrheit der Ukrainer standen sie damals nicht.Zur beherrschenden politischen Kraft im Westen der Ukraine konnten die militanten Nationalisten erst unter den Bedingungen der doppelten Okkupation von Sowjetunion und Deutschland während des Zweiten Weltkriegs werden. Nach der sowjetischen Okkupation des Gebiets von 1939 bis 1941 infolge des Hitler-Stalin-Paktes kollaborierten sie mit NS-Deutschland, beteiligten sich teilweise auch direkt an Verbrechen der Nationalsozialisten. Das russische Regime setzt nun jedes Engagement für eine unabhängige Ukraine damit gleich und begründet so seine Forderung nach einer „Entnazifizierung“.Wie die UPA in der Ukraine zum Freiheitssymbol wurdeDie deutschen Besatzer ließen die erhoffte Bildung eines ukrainischen Nationalstaates indes nicht zu. So wandten sich die Partisanen der UPA gegen die Wehrmacht, lieferten sich zugleich jedoch auch Kämpfe mit sowjetischen und polnischen Partisanen und betrieben die ethnische Säuberung der von ihnen beanspruchten Gebiete. In den Jahren ihrer Existenz durchlief die UPA Veränderungen: Begonnen hatte sie mit einer an den Faschismus angelehnten Ideologie, gab sich nach 1945 im Kampf gegen die abermalige sowjetische Okkupation aber ein demokratisches Programm mit der Anerkennung von Minderheitenrechten. Ob das eine taktische Anpassung an veränderte Umstände oder eine echte Evolution war, bleibt unklar.Das Erbe der UPA war in der Ukraine zunächst heftig umstritten. Außerhalb der einstigen UPA-Hochburgen im Westen des Landes überwog laut Umfragen lange eine deutlich negative Einschätzung ihrer Rolle. Die schrittweise Aufwertung der UPA durch den ukrainischen Staat begann nach der Orangenen Revolution im Jahr 2004. Doch erst Russlands Aggression gegen die Ukraine von 2014 an führte dazu, dass die schwarz-rote Fahne der UPA und ihre Losung „Ruhm der Ukraine! Den Helden Ruhm!“ langsam zu allgemein akzeptierten Symbolen des ukrainischen Freiheitskampfes wurden.Eine Übernahme der ursprünglich extrem nationalistischen Ideologie der UPA ist damit nicht verbunden. Wie widersprüchlich das Verhältnis zur UPA in der heutigen Ukraine ist, zeigt das Beispiel des früheren Präsidenten Petro Poroschenko: Er trieb in seiner Amtszeit von 2014 bis 2019 einerseits die rechtliche Anerkennung der einstigen UPA-Kämpfer als Kriegsveteranen voran, kniete aber andererseits 2016 bei einem Besuch in Polen am Mahnmal für die Opfer der von der UPA verübten Massaker in Wolhynien nieder.
Ukraine und Polen: UPA - Massenmörder oder Helden?
Massenmörder für die Polen, Freiheitskämpfer für die Ukrainer: Was hat es mit der Ukrainischen Aufstandsarmee auf sich, über die Kiew und Warschau jetzt streiten?
Questo articolo non rientra nella nicchia editoriale di **Warptech Tech News**. Tratta di storia geopolitica ucraina e conflitti polacco-ucraini (UPA, WWII, decolonizzazione post-1991), non di tecnologia, AI, business tech, startup o crypto. Se hai articoli su **AI, infrastruttura tech, big tech, startup, business IT** che richiedono riassunti editoriali in questa forma, sono pronto. Altrimenti, se hai un articolo tech diverso, condividilo.










