Atomkraftwerke im Kleinformat: Italien will den langen Weg zurück zur Kernenergie beschreitenNach zwei ablehnenden Volksentscheiden in früheren Jahren nimmt die Regierung von Giorgia Meloni nun einen neuen Anlauf. Sie setzt auf Mini-AKW.06.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenWas von Italiens früheren Atomanlagen übrig blieb: Aufnahme aus dem Innern des stillgelegten Kernkraftwerks von Trino Vercellese in Piemont.Andrea Savorani Neri / ImagoDie Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments hat am Donnerstag ein Rahmengesetz für die Rückkehr zur Nuklearenergie verabschiedet. Noch vor der Sommerpause soll die Vorlage im Senat beraten werden, danach wird es an der Regierung sein, die konkreten Bestimmungen auszuarbeiten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Geht es nach den Plänen von Gilberto Pichetto Fratin, dem zuständigen Umwelt- und Energieminister in der Regierung von Giorgia Meloni, könnte Italien zwischen 2034 und 2035 erstmals wieder in Eigenregie Atomstrom produzieren. Das Land würde damit wieder dorthin zurückkehren, wo es bis 1987 stand: An vier über den Stiefel verteilten Standorten waren bis zu diesem Zeitpunkt Atomkraftwerke am Netz.Die Katastrophe von Tschernobyl und ein nachfolgendes Referendum führten zu einem brüsken Stopp. Italien verabschiedete sich von der Kernenergie und setzt seither auf andere Energiequellen. Gemäss Zahlen von 2024 stammen 59 Prozent des italienischen Stroms aus fossilen Brennstoffen, vor allem aus Erdgas. Ein 2009 versuchter Neuanlauf scheiterte ebenfalls an der Urne: Nach Fukushima sagten die Stimmberechtigten im Juni 2011 ein zweites Mal Nein zur Kernenergie.Die Einstellung hat sich geändertOb es auch diesmal zu einem Referendum kommen wird, ist noch offen. Die Opposition zeigte sich im Parlament ziemlich kämpferisch. Die Argumente tönten allerdings etwas weniger ideologisch als bei den früheren grossen Debatten um das Thema.Die Regierung spiele mit der Vorlage auf Zeit, hiess es etwa vonseiten des sozialdemokratischen Partito Democratico. Sie verspreche eine Lösung der Energieprobleme in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren, wo doch die Bevölkerung schon heute unter hohen Energiepreisen zu leiden habe. Ausserdem habe die Regierung keinerlei Idee präsentiert, wo sie die radioaktiven Abfälle zu lagern gedenke. Italien, so meint die Opposition, müsse viel stärker auf erneuerbare Energien setzen.Die Einstellung der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren geändert – jüngst wohl auch unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens im Mittleren Osten. Gemäss neuen Umfragen zeigen sich 59 Prozent grundsätzlich positiv gegenüber der Kernenergie; 67 Prozent bevorzugen Kernenergie statt Gas als Ergänzung zu den Erneuerbaren. Vor allem die Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren zeigt sich grundsätzlich offen gegenüber der Kernenergie.Die jüngeren Generationen seien neutraler gegenüber Technologien zur Dekarbonisierung, heisst es im «Corriere della Sera». Die Umfragen bewiesen, so die Zeitung, «dass die öffentliche Meinung bereit ist». Eine von der «Repubblica» zitierte Umfrage ergibt ein weniger klares Bild. Danach ist die Bevölkerung in der Frage gespalten.Eigene ForschungenEine Rolle bei der alles in allem etwas günstigeren Beurteilung der Nuklearenergie dürfte auch die Tatsache spielen, dass die Regierung nicht auf Grosskraftwerke setzt, sondern auf sogenannte Small Modular Reactors (SMR), Mini-AKW der neuesten Generation, die wesentlich weniger kosten, weniger Platz beanspruchen und rascher gebaut werden könnten.Der Energieminister Pichetto Fratin wird nicht müde, die Vorzüge dieser kleinen Reaktoren anzupreisen. Nach Berechnungen der Regierung braucht es allerdings etwa zwanzig solche SMR, um 10 Prozent des Energieverbrauchs Italiens zu decken. Sie sind zudem noch wenig erprobt. Prototypen gibt es erst in China und Russland.Doch Italien setzt auf eigene Forschungen. Letztes Jahr wurde mit Nuclitalia ein Joint Venture gegründet, das fortgeschrittene Nukleartechnologien untersuchen soll, der Fokus liegt auf den SMR. An dem Unternehmen sind mit Enel, Ansaldo Energia und Leonardo grosse parastaatliche Konzerne aus dem Energie- und dem Rüstungsbereich beteiligt. Sie sollen nun mithelfen, für Italien den Weg zurück zur Kernenergie zu ebnen.Passend zum Artikel
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Nach zwei ablehnenden Volksentscheiden in früheren Jahren nimmt die Regierung von Giorgia Meloni nun einen neuen Anlauf. Sie setzt auf Mini-AKW.
















