Die gute Nachricht zuerst: Der Phallus steht noch da, in voller Pracht. Aber sobald der Blick daran nach unten gleitet, kommt der Schock: Das Ding steht sozusagen im Nichts, es verliert sich in einer fleischfarbenen Wolke, einem glatten Unterbau, wie man ihn sonst von Barbie-Puppen kennt. Was fehlt, sind die Hoden.Das ist ein Problem, denn dieses Mosaik in der historischen Einkaufspassage Galleria Vittorio Emanuele II in Mailand ist genau dafür berühmt geworden. Der sogenannte »toro rampante«, der sich aufbäumende Stier, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Er gilt als Symbol der Stadt Turin, das zur Entstehungszeit des Mosaiks zeitweise Hauptstadt Italiens war. Über Jahrzehnte entwickelte sich rund um die Darstellung ein Ritual, das Besucherinnen und Besucher in Scharen anzieht: Wer die Ferse auf den Intimbereich des Stiers setzt und sich dreimal auf der Stelle dreht, dem soll das Glück hold sein – zumindest, so der Volksglaube, kehrt man sicher nach Mailand zurück. Kürzlich sollen sogar George und Amal Clooney auf dem Hoden ihre Pirouetten gedreht haben.
Gerade dieses Ritual hat das Werk jedoch stark abgenutzt. Dort, wo der Hoden sein sollte, klaffte beim Stier seit Jahren nur noch ein kreisrundes, schwarzes Loch. Um das zu beheben, hatte die Stadt schließlich beschlossen, das Mosaik restaurieren zu lassen. Am Montag wurde die restaurierte Version der Öffentlichkeit präsentiert und löste eine Welle der Empörung aus.»Irgendetwas fehlt«, schrieb ein Nutzer. Andere fragten direkt: »Was ist mit den Hoden passiert?« Wieder andere spotteten, der Stier sehe nun eher aus wie ein Ochse, also ein kastriertes Rind. Manche unterstellten sogar, die Figur sei bewusst »kastriert« worden, um das Ritual zu stoppen.











