PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNeuer FDP-Chef„Mich interessiert nicht, wer jubelt“ – Kubicki erklärt seinen Umgang mit der AfDStand: 14:56 UhrLesedauer: 4 MinutenNach der verlorenen Kampfabstimmung gegen Wolfgang Kubicki stichelt Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen den neuen FDP-Chef. Kubicki sieht dabei keinerlei innerparteiliche Spannungen: „Wir sind beide meinungsstarke Persönlichkeiten“, sagt Kubicki im WELT-Interview.Wolfgang Kubicki weist nach seiner umkämpften Wahl zum FDP-Chef den Eindruck einer gespaltenen Partei zurück. Im Streit mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirbt er für Geschlossenheit – und äußert sich zur AfD.Nach der Kampfabstimmung beim Parteitag betont der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki die Einheit seiner Partei. Wettbewerb solle nicht immer gleich zur Zerrissenheit erklärt werden. „Dann dürfte in demokratischen Parteien nie jemand gegen jemand anderen kandidieren“, sagte Kubicki im Interview mit dem Fernsehsender WELT am Montag.Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte am Samstag auf dem Parteitag der Liberalen in Berlin in einer überraschenden Kampfkandidatur knapp 40 Prozent der Delegiertenstimmen gewonnen. Kubicki wurde mit knapp 60 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Christian Dürr als Parteichef gewählt. Seitdem wird über eine mögliche Spaltung in der FDP diskutiert.Im WELT-Interview erklärte Kubicki, dass Strack-Zimmermann und er in politischen Fragen nicht weit auseinanderliegen würden. Ihm falle kein Punkt ein. „Wir intonieren Auffassungen vielleicht ein bisschen anders“, sagte Kubicki. Aber er sei der Letzte, der Strack-Zimmermann zur Zurückhaltung auffordern dürfte, „weil ich ja selbst jemand bin, der nicht zurückhaltend ist“.Sie seien beide „meinungsstarke Persönlichkeiten“, sagte der 74-Jährige. „Wir sind 13 Jahre gemeinsam in Führungsverantwortung.“ Nach der Wahl habe sie gesagt, dass 40 Prozent der Mitglieder mit ihr gemeinsam ein Auge auf ihn werfen würden. „Da habe ich nur zurückgeworfen: Marie-Agnes, 60 Prozent zeigen ihr, wo der Hammer hängt.“ Das sei in der Präsidiumssitzung geklärt worden.Auf diese Aussage von Kubicki spielte Strack-Zimmermann mit einem Beitrag im Online-Portal X an. Sie veröffentlichte ein Foto eines Gummihammers und schrieb dazu: „Ich weiß jetzt, wo der Hammer hängt, deswegen habe ich ihn sicherheitshalber mal an mich genommen. Ich möchte ja nicht, dass du Dir versehentlich weh tust.“ Sie forderte: „Und jetzt lass uns lieber gemeinsam Nägel mit liberalen Köpfen machen.“Kubicki sagte dazu im Interview: „Ich habe mal versucht, mit einem Gummihammer liberale Nägel einzuschlagen, überhaupt Nägel einzuschlagen, und bin gnadenlos gescheitert.“Auf die Debatte über den richtigen Umgang mit der AfD angesprochen, sagte der FDP-Politiker: „Meine Auffassung ist, wir machen unsere Position nicht davon abhängig, ob andere politische Parteien das toll oder nicht toll finden.“ Und er stellte klar: „Ich werde niemals darauf verzichten, mich öffentlich zu äußern oder einen Antrag zu stellen im Parlament, wenn die AfD mit Ja zustimmen könnte.“ Auch da sei er sich mit Strack-Zimmermann einig. „Mich interessiert nicht, ob die Linken jubeln, die Union jubeln, die Grünen jubeln.“ Kubicki betonte: „Ich verstehe auch gar nicht, warum dauernd dieser Eindruck erweckt wird, unter der Führung von Wolfgang Kubicki, der nicht alleine die Partei führt, gäbe es einen Marsch nach rechts.“Lesen Sie auchBei allem Gerede sei für ihn entscheidend, „dass wir Wahlen gewinnen“. Sein Ziel sei es, die FDP „relativ zügig über fünf Prozent zu bringen und dann auch Landtagswahlen zu gewinnen“. Er gebe keine einzige Wahl verloren und merke, wie die Union schon unruhig werde. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe nichts von dem geschafft, was er vor einem Jahr angekündigt hatte. „Ich kündige an: Wir machen die FDP wieder stark und ich will das Versprechen einlösen.“Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er aus. Wer 70 Prozent Rentenniveau verspreche, aber nicht sage, wo es herkommen soll, der sei nicht ernst zu nehmen. „Wer Deutschland aus der EU herausführen will, wer glaubt, dass wir ohne Nato auch eine äußere Stabilität haben würden, der ist nicht von dieser Welt.“„Relativ deutliches Votum der Partei für Kubicki“Für den neuen Generalsekretär der FDP, Martin Hagen, ist Kubicki nach dem Parteitag nicht geschwächt. „Es ist ein relativ deutliches Votum der Partei für Wolfgang Kubicki“, sagte er in der WELT-Sendung „Stimme am Morgen“ am Montag. „Ich gehe davon aus, dass diese Entscheidung jetzt auch von allen akzeptiert wird.“ Deutschland brauche dringend eine liberale Partei.Die FDP sei in den entscheidenden Fragen überhaupt nicht gespalten, betonte auch er. „Wir wollen marktwirtschaftliche Reformen für unser Land. Wir wollen die Bürgerrechte stärken. Wir wollen, dass die mündigen Bürger in Deutschland nicht mehr das Gefühl haben, dass der Staat immer übergriffiger wird, auch in ihr Privatleben eingreift“, betonte Hagen. Als Generalsekretär wolle er die FDP zur „liberalen Avantgarde“ machen und auch in Äußerungen „zuspitzen“. Den Streit um den richtigen Umgang mit der AfD interpretiert Hagen als „Kampf um Begriffe“, nicht als Kampf in der Sache. „Es gibt in der FDP einen Konsens, dass für uns eine Zusammenarbeit oder gar eine Koalition mit der AfD nicht in Frage kommt. Es ist eine völkische Partei – in der sitzen Menschen, die Deutschen absprechen, Teil unserer Gesellschaft, Teil unseres Landes zu sein, weil sie nicht deutscher Abstammung sind.“Hagen betonte: „Eine FDP wird immer nach ihren Überzeugungen abstimmen.“ Die Partei habe es überhaupt nicht nötig, „sich durch Brandmauern von der AfD oder anderen Parteien abzugrenzen“. Die Partei wolle sich durch ihre Überzeugungen definieren, nicht durch Nähe oder Distanz zu anderen.jm