PfadnavigationHomePolitikDeutschlandNeuer FDP-ChefKubicki gewinnt gegen Strack-Zimmermann – AfD-Streit prägt ParteitagStand: 19:38 UhrLesedauer: 5 MinutenKubicki bei seiner RedeQuelle: AFP/TOBIAS SCHWARZWolfgang Kubicki ist neuer FDP-Chef – und schon seine Wahl zeigt, wie umkämpft der Kurs der Liberalen ist. Beim Parteitag setzt er sich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch.Wolfgang Kubicki ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der 74-Jährige setzte sich beim Parteitag in Berlin in einer Kampfabstimmung am Samstag gegen die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Diese hatte überraschend gegen ihn kandidiert.Kubicki erhielt 390 Stimmen (59,27 Prozent), auf Strack-Zimmermann entfielen 259 Stimmen (39,36 Prozent). Vier Delegierte enthielten sich, fünf stimmten für beide mit Nein. Kubicki nahm die Wahl an – und erbat sich mehr Zeit für seine Rede als neuer Parteivorsitzender. Diese will er am Abend halten.Als erster Stellvertreter wurde Henning Höne (71 Prozent) gewählt. Weitere Stellvertreter wurden die Europapolitikerin Svenja Hahn (71 Prozent) und die frühere FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (66,4 Prozent).Der bayerische Landespolitiker Martin Hagen wurde zum neuen Generalsekretär gewählt. Der 44-Jährige erhielt 58,8 Prozent der Stimmen. Knapp 37 Prozent stimmten gegen ihn, der Rest enthielt sich.Lesen Sie auchEr habe zwar nicht vor, mit dem neuen Parteivorsitzenden Kubicki „in einen Wettbewerb um Lautstärke einzusteigen oder in einen Wettbewerb um den kreativsten Kraftausdruck“, sagte Hagen. Er sei aber überzeugt, dass es nicht schade, „wenn in einer Partei mehr als nur eine Person an der Spitze ist, die zuspitzen kann“. In einer Partei, die nicht im Bundestag vertreten ist, dürfte ein Generalsekretär „kein Leisetreter“ sein.Kubicki: FDP muss Stimme derjenigen sein, die jeden Tag anpackenDie Europapolitikerin Strack-Zimmermann hatte sich auf dem Parteitag überraschend bereit erklärt, gegen Kubicki anzutreten, der bislang der einzige Kandidat war. Die Verteidigungspolitikerin begründete ihre Kandidatur damit, dass die FDP einen neuen Aufbruch benötige, den sie besser verkörpern könne als Kubicki. Scharfe Kritik übte Strack-Zimmermann an Überlegungen von Kubicki, die strikte Ausgrenzung der AfD aufzugeben.Kubicki und Strack-Zimmermann gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten. Der neue FDP-Chef hatte in einer ersten Reaktion die Gegenkandidatur begrüßt. „Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen“, sagte er in seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz.Kubicki warb dafür, die FDP als Partei der Marktwirtschaft und der Freiheitsrechte zu profilieren. „Die FDP wird gebraucht als Kraft der sozialen Marktwirtschaft, nicht der sozialen Umverteilung“, sagte Kubicki. Die FDP leide darunter, dass sich in der Öffentlichkeit ein „völliges Zerrbild“ festgesetzt habe. Es sei die FDP selbst, „die es nicht geschafft hat, ein anderes Bild von uns zu vermitteln“, kritisierte Kubicki. Die FDP müsse wieder „die Stimme derjenigen sein, die jeden Tag anpacken – von den Handwerksmeistern bis zum Krankenpfleger, vom Imbissbesitzer in der Großstadt bis zum Landwirt, vom Angestellten bis zum Manager“.AfD-Streit in der FDPIn der FDP war kurz vor dem Parteitag ein Streit über den Umgang mit der AfD entbrannt. Kubicki und sein Generalsekretär Martin Hagen hatten klargestellt, dass sie eine Abkehr von der „Brandmauer“-Strategie befürworten – Hagen bezeichnete diese Strategie als „Popanz“. Die beiden Liberalen betrachten die AfD zwar als Gegner der FDP und wollen nicht mit ihr zusammenarbeiten. Sie lehnen es aber nicht grundsätzlich ab, dass in Parlamenten gemeinsame Mehrheiten mit der AfD zustande kommen, wenn inhaltlich die Positionen der FDP berücksichtigt werden.Kubicki und Hagen betonten in ihren Reden auf dem Parteitag ihre Distanz zur AfD. „Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, niemals“, sagte Kubicki. Auch Hagen grenzte sich scharf von der AfD ab: „Eine Partei, in der führende Protagonisten völkisches Gedankengut pflegen und das deutsche Staatsvolk als ethnisch homogene Abstammungsgemeinschaft definieren, kann niemals Koalitionspartner für unsere FDP sein“, sagte er. „Wer Menschen aufgrund ihrer Abstammung abspricht, Deutsche zu sein, dessen Geisteshaltung ist von der unseren so kilometerweit entfernt, dass es keine Brandmauer braucht, um sich abzugrenzen.“Strack-Zimmermann über scharfe Kritik daran, dass Kubicki die „Brandmauer“ in Frage gestellt hatte. Die FDP könne dadurch zwar „Applaus und das Schulterklopfen von reaktionären Stammtischen“ bekommen, gewählt werde sie aber deswegen nicht, sagte sie. Strack-Zimmermann nannte Kubicki in ihrer Rede nicht beim Namen, spielte aber kritisch auf dessen Stil an: „Müssen wir noch lauter werden, noch schärfere Pointen formulieren, noch mehr mit Empörung und Provokation arbeiten?“Die Verteidigungspolitikerin verteidigte im Fernsehsender Phoenix ihre spontane Kandidatur. Mit ihrem Ergebnis von 40 Prozent sei sie zufrieden. „Es ist wichtig, auch das Signal an Wolfgang Kubicki, mit dem ich ja seit 2013 zusammenarbeite, zu signalisieren, dass es einen Kurs in der Partei gibt und Männer und Frauen in der Partei, die wollen keine Verschiebung unserer Koordinaten. Insofern, das war mein Wunsch. Ich bin von vielen angeschrieben, angerufen worden, sie wollen die Partei verlassen, und das tun sie jetzt nicht mehr.“Erste Bewährungsproben schon bei Wahlen im HerbstDer frühere Fraktionschef Christian Dürr war nach dem Scheitern der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Spitze der Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg (4,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (2,1 Prozent) bittere Niederlagen. In beiden Ländern kam sie nicht mehr in den Landtag. Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück.Die neue Führungsmannschaft wird nur für ein Jahr gewählt. Die erste Bewährungsprobe hat die neue Spitzenperson bereits im September vor sich. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt.Lesen Sie auchIn Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sitzen die Freien Demokraten noch in den Landtagen, in Magdeburg gehören sie sogar der Landesregierung an. In allen drei Ländern liegt die FDP aktuell in den Meinungsumfragen aber bei unter 5 Prozent.Noch wichtiger werden die Landtagswahlen im April kommenden Jahres in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sein. Schleswig-Holstein ist die Heimat von Kubicki, NRW die von Höne, der nun zum Stellvertreter Kubickis gewählt werden will. Misserfolge in beiden Ländern würden die neue FDP-Spitze stark beschädigen.ll mit dpa
Neuer FDP-Chef: Kubicki gewinnt gegen Strack-Zimmermann – AfD-Streit prägt Parteitag - WELT
Wolfgang Kubicki ist neuer FDP-Chef – und schon seine Wahl zeigt, wie umkämpft der Kurs der Liberalen ist. Beim Parteitag setzt er sich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch.













