Wolfgang Kubicki ist neuer Vorsitzender der FDP. In einer unerwarteten Kampfabstimmung setzte sich der Rechtsliberale mit 390 zu 259 Stimmen gegen die sozialliberale Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Vier Delegierte enthielten sich, fünf stimmten für beide mit Nein.Mit 59,3 Prozent der Delegiertenstimmen setzte sich Kubicki gegen seine Gegenkandidatin durch. Anschließend wurden Henning Höne (71,0 Prozent), Svenja Hahn (71,5 Prozent) und Linda Teuteberg (66,4 Prozent) zu seinen Stellvertretern gewählt. Kubicki soll nun schaffen, was dem bisherigen Vorsitzenden Christian Dürr seit seiner Wahl vor einem Jahr nicht gelang: die FDP aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit herauszuführen und wieder zu einem ernsthaften politischen Faktor zu machen. Kubicki-Vertrauter Hagen zum Generalsekretär gewählt Auf Vorschlag des neu gewählten Parteichefs wählte der FDP-Bundesparteitag anschließend den bayerischen Landespolitiker Martin Hagen zum Generalsekretär. Der 44-Jährige erhielt bei dem Delegiertentreffen am Samstag in Berlin 58,8 Prozent der Stimmen. Knapp 37 Prozent stimmten gegen ihn, der Rest enthielt sich. Martin Hagen gratulierte Wolfgang Kubicki zu seinem Parteivorsitz. © dpa/Michael Kappeler Seine Vorstellung von der Führung des neuen Amts beschrieb Hagen mit den Worten „klare Kante, klare Sprache, mutig, fröhlich, optimistisch und ohne Angst davor, auch mal anzuecken“. Er habe zwar nicht vor, mit dem neuen Parteivorsitzenden Kubicki „in einen Wettbewerb um Lautstärke einzusteigen oder in einen Wettbewerb um den kreativsten Kraftausdruck“, sagte Hagen. Er sei aber überzeugt, dass es nicht schade, „wenn in einer Partei mehr als nur eine Person an der Spitze ist, die zuspitzen kann“. Unerwartete Kandidatur von Strack-Zimmermann Kubicki hatte seine Ambitionen für den Parteivorsitz bereits vor Wochen geäußert. Weil sich daraufhin mehrere Kandidaten aus dem Rennen um den Parteivorsitz verabschiedeten (unter anderem Christian Dürr und Henning Höne), lief alles auf eine Wahl Kubickis zunächst ohne Gegenkandidaten hinaus. Gratulation nach der Abstimmung von Marie-Agnes Strack-Zimmermann. © dpa/Michael Kappeler Dann kam es allerdings überraschend zu einer Kampfkandidatur. Gegen Kubicki trat kurzfristig die Europa- und Verteidigungspolitikerin Strack-Zimmermann an. Sie wurde auf dem Parteitag von 33 Delegierten vorgeschlagen.Nach Bekanntgabe der Bewerbung von Strack-Zimmermann begrüßte Kubicki zunächst in einer ersten Reaktion die Gegenkandidatur. „Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen“, sagte er in seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Kubicki gilt innerhalb der FDP als Rechtsliberaler, die 68-jährige Strack-Zimmermann steht eher für eine sozialliberale Ausrichtung und ist im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Die beiden gelten parteiintern seit langem als Kontrahenten. Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Strack-Zimmermann trat mit ambitionierter Rede an In ihrer mehr als halbstündigen Bewerbungsrede richtete Strack-Zimmermann sich zunächst vor allem an jene Parteimitglieder, die bereits überlegen, aus der FDP auszutreten – auch bereits Ausgetretene sprach Strack-Zimmermann direkt an: „Wir brauchen euch alle, um die FDP wieder groß zu machen.“ Sie ergänzte: „Eure Stimme wird gehört. Deshalb habe ich mich entschieden, heute als Bundesvorsitzende der Freien Demokraten zu kandidieren.“Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die Politikerin betonte, dass sie nicht glaube, dass die Partei besser werde, „wenn sie klingt wie eine schlecht gelaunte Erinnerung an bessere Zeiten“. Sie ergänzte: „Die Menschen wollen spüren: Diese FDP hat einen Plan für die kommenden Jahre und nicht nur eine Meinung zu den vergangenen Jahren.“ Demnach müsse Ambition nun das Leitmotiv für die FDP werden: „Wir müssen als FDP die Gestaltungspartei sein, nicht die Kommentierungspartei.“ Wir müssen als FDP die Gestaltungspartei sein, nicht die Kommentierungspartei.Marie-Agnes Strack-Zimmermann Strack-Zimmermann: „Nicht an Rechtspopulisten anbiedern“ Auch zur aktuellen Brandmauer-Debatte rund um die AfD innerhalb der eigenen Partei äußerte sich Strack-Zimmermann in ihrer Rede. „Glaubt jemand wirklich, dass man damit Wähler von der AfD zurückholt?“, fragte sie. Ihr falle derzeit „kein Thema ein, bei dem Liberale in die Verlegenheit kommen könnten, mit der AfD zu stimmen – so lange Liberale nicht aufhören, liberal zu sein.“ Sie ergänzte: „Die beste Brandmauer gegen extremistisches Gedankengut ist ein liberaler Kompass.“ Solange der Kompass der FDP intakt sei, müsse man demnach Brandmauer-Debatten erst gar nicht führen. „Wir werden uns niemals an Rechtspopulisten anbiedern, nur weil sie die gleichen Gegner haben wie wir“, betonte die Politikerin. Kubicki: politisch erfahren – und polarisierend Mit Kubicki wählten die Delegierten nun jemanden zum Vorsitzenden, der nicht gerade ein Signal für einen Generationenwechsel ist – der aber über jahrzehntelange politische Erfahrung verfügt. Der neue Parteichef trat 1971 in die FDP ein. Von 1989 bis 1993 war er Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, seit 2013 war er stellvertretender Bundesvorsitzender. Kubicki saß von 1992 bis 2017 im Landtag von Schleswig-Holstein. Dem Bundestag gehörte er von 1990 bis 1992, kurz von Oktober bis Dezember 2002 und dann von 2017 bis 2025 an. In diesen acht Jahren war er auch Vizepräsident des Bundestags.Der Golfspieler, Motorbootbesitzer und Weißweinfreund versteht sich darauf, provokant zu formulieren und Schlagzeilen zu liefern. So nannte er jüngst Kanzler Merz einen „Eierarsch“, nachdem der CDU-Chef die FDP für politisch tot erklärt hatte. (Tsp, AFP, dpa)
Neuer FDP-Chef: Kubicki siegt bei Kampfabstimmung um Parteivorsitz
Der Rechtsliberale setzte sich mit 390 zu 259 Stimmen gegen die sozialliberale Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Der 74-Jährige soll die FDP nun aus der Bedeutungslosigkeit herausführen.












