Ostdeutschland hat in den letzten Jahren aufgeholt. Es ist ein langsamer, aber stetiger Fortschritt. Das Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln (IW) konstatierte Ende letzten Jahres für den Osten mehr Produktivität und steigendes Wirtschaftswachstum. Dadurch sinken die Lohnstückkosten und es gibt mehr Unternehmensgründungen im Vergleich zum Westen. Das IW schrieb, dass der Osten zum ökonomischen Niveau von Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein aufgeschlossen habe.

Die Transformation von der sozialistischen Staatswirtschaft hin zur sozialen Marktwirtschaft ist ein Marathon. Doch der Osten ist gut in Form. Sogar die vergleichsweise niedrigeren Löhne werden für den Osten in der Krise zum Standortvorteil für Investitionen. Doch nun scheint die Demografie den Dauerlauf zu erschweren. Der Dresdner Ableger des Münchner Ifo-Instituts warnt kurz vor Beginn des alljährlichen Ostdeutschen Wirtschaftsforums, dass der Osten wieder zurückfallen könnte: Die Fachkräfte werden knapp.

Rente mit 70: Nur die Harten kommen in den Garten

Die Generation der Babyboomer geht nun und in den kommenden Jahren verstärkt in Rente. Und der „Pillenknick“ – die Verhütung mit der Antibabypille seit Ende der 1960er-Jahre – dünnt die nachfolgenden Generationen aus: Bis 2035 geht die Zahl der Erwerbsfähigen so im Osten um sieben Prozent zurück, rechnet Ifo-Professor Joachim Ragnitz vor. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen sähe es dann laut Ragnitz besonders schlimm aus. Ein weiteres Problem sieht das Ifo-Institut in den privaten Investitionen, denn auch die drohen im Vergleich zum Westen überdurchschnittlich stark abzuschmieren. Der 35 Jahre lang hart erarbeitete Wohlstand könnte innerhalb von zehn Jahren wieder dahinbröseln.