In Neu-Delhi wird die Bühne aufgebaut, einen Tag vor Beginn des Gipfels. Das Gesprächsthema der Stadt bleibt dasselbe: Die Brics sind kein Bündnis von fünf Staaten mehr. Die Gruppe hat sich erweitert – aber um Partner, deren Interessen einander widersprechen. Die Frage für Neu-Delhi lautet deshalb, ob es dieses größere, unruhigere Bündnis zusammenhalten kann, ohne die Tagesordnung an Peking abzugeben und ohne zuzulassen, dass Moskaus Konflikt mit dem Westen den Ton für alle vorgibt.
In seiner Analyse für das Institute for Security and Development Policy beschreibt Jagannath Panda, wie weit die Erwartungen auseinanderliegen: Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen pragmatische Wirtschaftspartnerschaften und keinen Bruch mit dem Westen. Indonesien hütet seine strategische Unabhängigkeit seit Jahrzehnten. Iran sucht Bewegungsspielraum unter dem Druck der Sanktionen.
Jedes Mitglied zieht in eine andere Richtung – und genau darin liegt, paradoxerweise, Indiens Chance. Einer derart heterogenen Gruppe kann keine einzelne Macht ihre Identität aufzwingen. Panda nennt das eine „Koalition vielfacher Eigenständigkeiten".
Indien versucht nicht, die bestehende Ordnung über die Brics zu demontieren. Es will Hebelwirkung, während sich diese Ordnung verschiebt.












