Das Wort Eintopf ist dem eigentlichen Gericht nicht unbedingt eine große Hilfe. Es klingt nach Steckrübe, Großküche und nach Tagen, an denen bereits um halb fünf das Licht eingeschaltet werden muss. Einen Teller Cassoulet hingegen würde kaum jemand Eintopf nennen, obwohl weiße Bohnen und Fleisch dafür ziemlich lange gemeinsam in einem Topf verbringen. Bei einer Ribollita denken wir an die Toskana, bei Fabada an Asturien, bei Cocido an Madrid. Doch sobald dieselbe Idee die deutsche Grenze überquert, wird aus bäuerlicher Kochkultur Hausmannskost – inklusive miefigem Geruch im Treppenhaus. Ich finde das ungerecht, zumal gerade einiges darauf hindeutet, dass Löffelgerichte kulinarisch wieder Karriere machen.
Die Gretchenfrage: Was ist eigentlich ein Eintopf?
Ein Freund von mir betreibt Restaurants in Berlin, Biarritz und Kopenhagen. Dort gehört ihm unter anderem Slurp Ramen, ein Laden mit gerade einmal 22 Plätzen, gegründet gemeinsam mit dem früheren Noma-Koch Philipp Inreiter. René Redzepi nennt Slurp den Lieblings-Ramenladen seiner Familie. Sogar der amerikanische Celebrity-Koch David Chang lobt den Laden in höchsten Tönen. Solche Empfehlungen helfen vermutlich bei der Tischbelegung, allerdings auch absolut zu Recht. Mein Freund glaubt jedenfalls, dass nach Ramen und Phở die nächste interessante Welle aus der Türkei kommen könnte: Sulu Yemek, wörtlich ungefähr „Essen mit Flüssigkeit“. Wer einmal in einer guten türkischen Lokanta gegessen hat, kennt das Prinzip. In der Auslage stehen große Töpfe und Schalen mit weißen Bohnen, Kichererbsen, Auberginen, Fleisch, Köfte oder Gemüse, geschmort in Tomate, Brühe und Gewürzen. Man zeigt auf das, was gut aussieht, bekommt Reis, Bulgur oder Brot dazu und sitzt wenige Minuten später vor einem richtigen Essen. Das könnte tatsächlich Zukunft haben. Es ist schnell auszugeben, vergleichsweise günstig herzustellen und schmeckt, wenn der Koch etwas kann, nach sehr viel mehr Aufwand, als beim Servieren anfällt.








