KommentarDie EU-Kommission will Airbnb bekämpfen und so die Wohnungsnot lindern. Das sind leere VersprechungenWohnungsnot ist ein lokales Problem. Es muss lokal gelöst werden. Vorstösse aus Brüssel bringen nichts.10.09.2026, 15.44 Uhr3 LeseminutenDie Altstadt von Barcelona ist ein beliebtes Ziel von Touristen.David Zorrakino / GettyDie EU-Kommission wählt grosse Worte. «Affordable Housing Act» nennt sie ihr neuestes Gesetzesprojekt. Für «erschwinglichen Wohnraum» in Europa soll es also sorgen. Es gibt nur ein Problem: Das Gesetz wird dieses Versprechen niemals erfüllen können.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Kern geht es bei dem Gesetzesvorhaben um etwas anderes. Die EU-Kommission stimmt in den Chor jener ein, die Airbnb und andere Ferienwohnungsplattformen für die Wohnungsnot in europäischen Städten verantwortlich machen. Indem diese Wohnungen kurzzeitig an Touristen vermietet würden, werde den Einheimischen Wohnraum weggenommen, argumentieren die Kritiker.Brüssel will nun mithelfen, die Vermittlungsplattformen zurückzubinden. Die EU-Kommission schafft allerdings keine neuen Instrumente. Sie stellt den lokalen Behörden nur eine Formel bereit, mit der sie einheitlich messen können, ob der Wohnungsmarkt in ihrer Stadt unter Stress steht. So wenig Substanz steht hinter der grossen Ankündigung. Allein deshalb wird das Gesetz, falls es denn durch das EU-Parlament und den EU-Rat kommen wird, wirkungslos bleiben.Lehren aus dem Fall BarcelonaDer Vorstoss der EU-Kommission ist jedoch auch aus zwei übergeordneten Gründen fehlgeleitet.Erstens wird suggeriert, dass Airbnb hauptverantwortlich sei für steigende Mieten und Immobilienpreise in europäischen Städten. Doch damit machen es sich die Kritiker zu einfach. Wie die Dinge wirklich liegen, veranschaulicht der Fall Barcelona, der wissenschaftlich gut untersucht worden ist.In Barcelona hat die Zunahme von Airbnb-Angeboten ab den 2010er-Jahren tatsächlich für Verwerfungen gesorgt. Laut den wissenschaftlichen Untersuchungen hatte die wachsende Zahl von Ferienwohnungen einen Einfluss auf den Wohnungsmarkt – und zwar in den touristischen Hotspots der Innenstadt, etwa dem Barri Gòtic oder dem Eixample-Quartier. Dort trieben sie die Mieten und Immobilienpreise merklich nach oben.Doch in den meisten anderen Quartieren von Barcelona war kaum ein Einfluss auf Mieten und Häuserpreise feststellbar. Mit anderen Worten: Bei der Airbnb-Frage geht es um ein hyperlokales Problem, das wenige Quartiere betrifft.Und dabei ist der Wohnungsmarkt nicht einmal der wichtigste Punkt. Die angespannte Lage in der Altstadt von Barcelona ist vor allem ein Spiegel eines breiteren Phänomens, des «Overtourism». Einige wenige Hotspots leiden unter zu viel Tourismus – während es in Spanien viele Städte gibt, die gerne mehr Besucher hätten. In Barcelona droht die Altstadt tatsächlich zunehmend zu einem Museum zu werden. Doch wie mit diesem lokalen Problem des Übertourismus umzugehen ist, das können am besten die Behörden und die Bevölkerung vor Ort beantworten – und nicht die EU-Kommission.Wohnungsknappheit hat viele UrsachenZweitens lenkt es von den entscheidenden Fragen ab, wenn man Airbnb zum Sündenbock für die Probleme am Wohnungsmarkt macht. Auch dies zeigt der Fall Barcelona: Die Mieten und Immobilienpreise sind in der ganzen Stadt deutlich gestiegen, nur eben aus anderen Gründen. Hinter dem Boom stehen die gleichen Ursachen wie in vielen anderen europäischen Metropolen. Es gibt eine grosse Zuwanderung, weil viele Menschen in den Städten leben wollen. Die Einkommen steigen, weshalb sich die Menschen mehr Wohnfläche leisten. Die Zusammensetzung der Haushalte ändert sich, es braucht mehr Wohnungen für Singles und Paare statt für Familien.Im Prinzip ist klar, wie die so entstehende Wohnungsknappheit gelindert werden kann. Es braucht mehr Wohnungen in den Städten. Die Politik auf lokaler und nationaler Ebene muss dies durch eine Anpassung der Rahmenbedingungen ermöglichen, etwa durch Verdichtung und weniger Vorschriften.Der Vorstoss der EU-Kommission hingegen wird kein einziges Problem auf den Immobilienmärkten Europas lösen. Mit der Affiche des «erschwinglichen Wohnraums» verspricht Brüssel zu viel – und kann die Bürger nur enttäuschen.Passend zum Artikel
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Wohnungsnot ist ein lokales Problem. Es muss lokal gelöst werden. Vorstösse aus Brüssel bringen nichts.












