Fliehende auf der Brooklyn Bridge vor brennendem World Trade Center: »In all dem liegt Potential für einen großen Krieg«

Nach den Anschlägen vom 11. September war ich Teil des großen SPIEGEL-Teams, das die Hintergründe recherchierte. Wenn ich Auszüge aus meinen Tagebüchern von damals lese, schaudert es mich noch immer.

10.09.2026, 14.29 Uhr

Wo warst du am Nachmittag des 11. September 2001? Diese Frage können die meisten Menschen beantworten, die damals älter als zehn Jahre waren. So wie die Älteren genau wissen, was sie gemacht haben, als sie von der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy am 22. November 1963 hörten.

Am Tag des islamistischen Anschlags auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in der Nähe von Washington war ich im Berliner Büro des SPIEGEL. Ich beschäftigte mich gerade mit dem Hungertod eines ehemaligen Olympiasiegers im Rudern, während auf meinem Bildschirm, zugegeben, MTV lief, als ich sah, wie sich in einem benachbarten Zimmer Kollegen versammelten. Ich schloss mich ihnen an. Auszug aus meinem Tagebuch: Ein Turm brennt. Dann der zweite. Jetzt ist klar, dass es ein Anschlag ist, sagt einer. Gehe in mein Zimmer und schalte von MTV auf CNN. Unvorstellbare Bilder. Das Flugzeug, das von rechts kommt und dann in den Süd-Tower knallt, der Feuerball. Die Vorstellung von den Menschen an Bord, den Menschen im brennenden Hochhaus. (…) Ich sehe all diese Bilder bis in die Nacht. Dutzende Male. Komisch, dass man immer noch gespannt ist. Vielleicht fliegt der Jet am Haus vorbei. Dieser 11. Sept. wird die Welt verändern.