Namenswitze sind verboten, aber in diesem Fall ist der Hinweis hochpolitisch, dass sich der fröhliche Siegmund eben auch als Titel eines mittelhochdeutschen Epos eignen würde oder eines romantischen Kunstmärchens. Es fällt einem der rasende Roland ein, der blonde Eckbert. Das spaßbestimmte Assoziationsfeld, in dem Ulrich Siegmund seinen erfolgreichen Wahlkampf hinlegte, wird auf diese Weise lautmalerisch um jene Gravitas ergänzt, die dem Schwalbe fahrenden, Selfies produzierenden, zähnebleckenden AfD-Spitzenmann ansonsten abgeht.Wer aber mittelhochdeutsche oder deutsch-romantische Traditionen für sich arbeiten lassen kann, kaum dass der eigene Name fällt, hat erst einmal leichtes Spiel beim Wecken politischer Heilserwartungen. Siegmund erscheint dann eben nicht nur als Luftikus und Bewirtschafter von Oberflächen, als der er sich im Wahlkampf ausgab, sondern qua Eigenname als ein aus der Tiefe lebender Substanzdenker, sei diese verborgene Substanz nun nationalistischer, rechtsextremer oder faschisierender Art zu nennen.„Wir holen uns unser Land zurück“Man braucht da keinen Streit um Begriffe zu entfachen, wenn ein Siegmund, dichterisch immerhin Vater des Drachentöters Siegfried, dazu aufruft, nach den Wahlergebnissen nun endlich zu sich selbst kommen zu können, zum „eigenen Deutschsein“, wie er am Sonntagabend ausrief, kombiniert mit seinem wahlpolitischen Kernsatz „Wir holen uns unser Land zurück“. Man ahnt, welch ein Tiefsinn hinter den allzeit lustigen Auftritten schlummert.Wobei ein erstaunlicher Bedeutungswandel zu vermelden ist: Galt Siegmunds Frohsinn, seine penetrant gute Laune, im Wahlkampf bei AfD-Kritikern als eher anrüchig, da das Politische lediglich als Oberflächenphänomen bewirtschaftend, unter Umgehung von differenzierter politischer Argumentation, so machte Siegmunds Fröhlichkeit am Wahlabend insofern einen Bedeutungswandel durch, als sie von einigen Kommentatoren nun auf einmal als Qualitätsausweis für einen gelungenen Wahlkampf hingestellt wurde.So wurden seine „großen Fähigkeiten“ als ein Verkäufer, der alle zu umarmen, alle lieb zu haben wusste, in der Phönix-Wahlrunde aufrichtig gewürdigt. Was für ein flächendeckender Ausverkauf des Politischen steht uns ins Haus, wenn der fröhliche Siegmund stilbildend für die Parteienlandschaft werden sollte?
AfD-Wahlkampf: Was macht Ulrich Siegmunds Erfolg aus?
Was für ein Ausverkauf des Politischen steht uns ins Haus, wenn der fröhliche Siegmund für die Parteienlandschaft stilbildend werden sollte?














