Neben der AfD gibt es noch einen weiteren großen Gewinner des Wahlabends: das BSW. Die Wagenknecht-Partei musste den Abend über lange bangen, schafft letztlich aber mit 5,3 Prozent der Stimmen einigermaßen bequem den Sprung in den Landtag. Bei der Bundestagswahl war sie noch denkbar knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert.Der Wahlerfolg sichert nicht nur fürs Erste das Überleben des BSW, das bei einem Ergebnis unter fünf Prozent in Sachsen-Anhalt wohl bundesweit vor dem politischen Aus gestanden hätte. Der kleinsten Fraktion im künftigen Landtag fällt nun auch eine Schlüsselrolle bei der Regierungsbildung zu. Rechnet man ihre fünf Abgeordneten heraus, dann ergibt sich im Landtag nämlich ein Patt: Die AfD hat 39 Sitze, ebenso wie CDU, SPD, Grüne und Linke gemeinsam.Mit dem BSW sei „alles geklärt“Aus der AfD ist nun zu hören, dass es schon Absprachen mit dem BSW gebe. Man habe mit der Wagenknecht-Partei schon „alles geklärt“ und werde sich tolerieren lassen. Das bestätigten Landtagsabgeordnete. Zunächst werde man am Montag der CDU und dem BSW Gespräche anbieten, hieß es auch aus dem Umfeld von Parteichefin Alice Weidel. Man gehe davon aus, dass es „zu einem vernünftigen Austausch“ kommen werde. Der BSW-Landesverband sei anders aufgestellt als etwa in Thüringen.Er steht, nach einem parteiinternen Großreinemachen, mittlerweile voll unter Kontrolle von Sahra Wagenknecht und schließt eine Koalition mit den etablierten Parteien strikt aus – anders als die abtrünnigen früheren BSW-Politiker in Thüringen. Das erklärte Ziel ist im Gegenteil der Sturz von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze.Stattdessen wünschte sich das BSW zunächst eine sogenannte Expertenregierung, die von einer parteiunabhängigen Persönlichkeit geführt werden soll und das Land mit wechselnden Mehrheiten im Landtag regiert. Auf diesen Vorschlag dürften allerdings weder die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und Linken eingehen noch die AfD als mit Abstand stärkste Fraktion.Die Sache mit dem dritten WahlgangWagenknecht ließ dem Vorschlag einer Expertenregierung dann noch im Wahlkampf eine zweite Ankündigung folgen: Falls in den ersten beiden Wahlgängen kein Bewerber für das Amt des Ministerpräsidenten die erforderliche Mehrheit der Mandate im Landtag erhielte, könne das BSW im dritten Durchgang dem AfD-Bewerber durch Enthaltung zur Wahl verhelfen. Das ist denkbar, weil im dritten Wahlgang nicht mehr eine Mehrheit aller Mandate erforderlich ist, sondern nur noch die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Allerdings könnten sich AfD und BSW nicht sicher sein, dass Siegmund bei Enthaltung des BSW mehr Stimmen als ein Kandidat aus den Reihen der AfD-Gegner bekäme. Sollten sich alle anderen Abgeordneten von CDU bis Linke tatsächlich auf einen Kandidaten verständigen können, müsste sich ein Patt ergeben.Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte ohnehin bis zum Wahlabend mehrfach und eindeutig gesagt, dass er ohne eigene Mehrheit im Parlament gar nicht erst zur Wahl antreten möchte, da er später als Ministerpräsident auch Gesetze im Landtag durchbringen wolle. Noch am Wahlabend bekräftigte Siegmund im ZDF, dass er keine Minderheitsregierung anführen wolle. Kaum sahen die Hochrechnungen das BSW im Landtag, mehrten sich am Sonntagabend aber die Anzeichen, dass die AfD von dieser Beteuerung abrückt und doch bereit ist, Siegmund mithilfe des BSW zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Ob die Wagenknecht-Partei zu einem über eine Enthaltung bei der Wahl Siegmunds hinausreichenden Pakt mit der AfD bereit wäre, blieb zunächst so ungewiss wie so vieles anderes nach der Landtagswahl.
Wahl Sachsen-Anhalt 2026: Setzt die AfD auf Tolerierung durch BSW?
Vor der Wahl hatte der AfD-Spitzenkandidat ausgeschlossen, sich vom BSW zum Chef einer Minderheitsregierung wählen zu lassen. Jetzt ist schon von einer Vereinbarung über eine Tolerierung die Rede.















