1200 oberirdische Parkplätze beim Zoo Zürich sollen weg, und die Autofahrten sollen beschränkt werdenEin neuer Gestaltungsplan offenbart, in welche Richtung sich der Zoo entwickeln will. Vor allem für den Verkehr soll sich einiges ändern.01.09.2026, 15.32 Uhr5 LeseminutenViele Besucher kommen mit dem Auto in den Zoo Zürich. Doch Parkieren vor der Masoala-Halle wird künftig nicht mehr möglich sein.Adrian Baer / NZZDer Zoo Zürich hat am Dienstag den Gestaltungsplan vorgestellt, der die rechtliche Basis für den geplanten Ausbau bis 2050 ist. Und der hat es in sich. Denn ein bedeutendes Element, auf das die Behörden von Stadt und Kanton Zürich pochten, ist ein neues Verkehrskonzept. Wer mit dem Auto zum Zoo fährt, für den wird sich einiges verändern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Heute sind die etwa 1200 Parkplätze für jene Besucher des Tierparks, die mit dem Auto anreisen, rund um den Zoo verteilt – auch in den angrenzenden Quartieren. Dort sorgen sie immer wieder für Staus und Schleichverkehr. Geplant ist, dass diese oberirdischen Parkplätze komplett aufgehoben und in den Untergrund verlegt werden, in eine Tiefgarage.Whatsapp-Kanal «Verkehrspolitik Zürich»Geht es um Baustellen, Velowege oder Parkplätze, kochen in Zürich die Emotionen hoch. Hier bekommen Sie die wichtigsten News, Debatten und Hintergründe zur Verkehrspolitik.Jetzt kostenlos anmeldenParkieren direkt neben dem Zooeingang oder der Masoala-Halle wird also künftig nicht mehr möglich sein. Verschwinden werden aber voraussichtlich nicht nur weisse Felder in direkter Nachbarschaft des Zoos, sondern auch blaue im weiteren Umfeld – also solche, die auch von anderen Autofahrern genutzt werden. Erhebungen im Auftrag der Stadt haben 2019 aber ergeben: Der Grossteil der dort parkierten Wagen ist nicht mit einer Anwohnerparkkarte ausgestattet, die Hälfte hat kein Zürcher Nummernschild.Aufgehoben werden sollen auch die primär von Zoobesuchern genutzten Parkplätze bei der Dolder-Eisbahn. Zudem wird der Shuttlebus zwischen Dolder und Zoo abgeschafft. Nicht tangiert sind hingegen die rund 100 Parkplätze, die dort für die Benutzer der Sportanlagen reserviert sind.Als Ersatz für die gestrichenen Parkplätze ist eine Tiefgarage unter dem ASVZ-Sportplatz Fluntern geplant, die also über etwa 1200 Plätze verfügen muss. Dass es diese weiterhin braucht, ist auch der städtischen Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) klar, die eher den öffentlichen Verkehr weiter ausbauen möchte: «Es wird immer Familien geben, die den Kinderwagen lieber in den Kombi hieven als ins Tram», sagte sie am Dienstag an einer gemeinsamen Medienkonferenz.Die Stadt verfolgt laut Brander daher das Ziel, die Menschen im Quartier möglichst vom Suchverkehr zu befreien. Eine Verbesserung sei vor diesem Hintergrund auch der Standort des geplanten Parkhauses. Es wurde entgegen früheren Gedankenspielen von der Masoala-Halle zum Sportplatz verlegt. Dadurch würden die Autos gar nicht erst ins Quartier hineinfahren.Maximale Zahl der Autofahrten soll gesenkt werdenGenerell soll der Autoverkehr, der wegen des Zoos entsteht, auf eine jährliche Obergrenze von 480 000 Fahrten beschränkt werden – wobei Hin- und Wegfahrten einzeln gezählt werden. Das entspricht im Schnitt etwa 660 Autos pro Tag. Die 1200 Parkplätze dürfen also höchstens an Spitzentagen annähernd voll belegt sein – sonst muss der Zoo Massnahmen ergreifen.Warum ein solches Limit im Gestaltungsplan festgeschrieben wird, erklärte an der Medienkonferenz der kantonale Baudirektor Martin Neukom (Grüne). Der Zoo sei eine Freizeiteinrichtung mit landesweiter Ausstrahlung und bis zu 1,4 Millionen Besuchern jährlich. Er verursache aber auch viel Verkehr. Dies könne zu einer Überlastung der Strassen und zu Staus führen.Die Fahrtenobergrenze für Autos soll bis zum Jahr 2030 auf 470 000 reduziert werden. Sollte die Zooseilbahn vom Bahnhof Stettbach her realisiert werden, würde sie in den folgenden Jahrzehnten weiter gesenkt. Da zugleich mit steigenden Besucherzahlen gerechnet wird, hätte dies eine Verlagerung auf den öffentlichen Verkehr zur Folge.Der Zoo, der für die Einhaltung der Obergrenze zuständig ist, könnte den Individualverkehr über eine Steuerung der Plätze im neuen Parkhaus einfacher beeinflussen, als dies heute möglich wäre. Dies tönte der Zoodirektor Severin Dressen an der Medienkonferenz an.Durch die Verlegung der Parkplätze in den Untergrund liesse sich zwischen der jetzigen Tramendhaltestelle und dem Zooeingang eine Fläche von rund 1,5 Hektaren umnutzen, auf der heute Autos abgestellt sind. Dort gewinnt man laut Brander Platz für mehr Bäume, Velowege und eine Verlängerung der Tramlinie bis zum Zooeingang.Im Idealfall fährt das Tram dereinst bis zur Bergstation der geplanten Zooseilbahn und verbindet diese so mit dem städtischen ÖV-Netz. Beide Lösungen sind derzeit aber noch in weiter Ferne. Die Seilbahn, für deren Bau der Zoo sich einsetzt, beschäftigt weiterhin die Gerichte. Und für die Tramverlängerung gibt es laut Brander noch keine konkreten Absichten und erst recht kein Projekt.Eine Initiative des Verkehrsclubs der Schweiz, die ein Tram bis zum Zooeingang forderte, wurde 2008 von über 70 Prozent der Stimmberechtigten im Kanton abgelehnt. Auch der Zoo wehrte sich damals dagegen – unter anderem aus Sorge um die Parkplätze, die dafür geopfert werden müssten.In diesem Punkt hat es seither mit der Parkhaus-Lösung eine Annäherung gegeben. Vor der Masoala-Halle, wo sich heute noch ein grosser Parkplatz befindet, soll ein öffentlich zugängliches Naturareal entstehen. Die Idee sei, so die lokale Biodiversität zu fördern und Lebensräume für bedrohte einheimische Tierarten wie die Haselmaus, den Grauspecht oder den Feuersalamander zu schaffen.Grundlagen braucht es auch für spektakuläre neue AnlagenAuch im Zoo selbst sind in den kommenden Jahrzehnten noch einmal grosse Veränderungen geplant – und auch dafür braucht es neue rechtliche Grundlagen.Das Fernziel des Zoos sind elf artgerechte Lebensräume auf 27 Hektaren, in denen bedrohte Tierarten und Besucher gleichermassen auf ihre Kosten kommen. Ein Teil davon ist bereits realisiert, darunter der Masoala-Regenwald oder die Lewa-Savanne. Andere sind im Bau, wie das Pantanal-Feuchtgebiet, das wegen Streitigkeiten rund um die aufwendige Konstruktion für Schlagzeilen sorgte.Mehrere weitere, die bis 2050 entstehen sollen, wären unter dem bisherigen Gestaltungsplan nicht möglich. Dazu gehört der Ndoki-Wald, den sich afrikanische Tierarten wie Gorillas, Zwergflusspferde und Okapis teilen sollen – mit der Besonderheit, dass die grossen Menschenaffen wie in freier Natur in die lebenden Bäume klettern können.Ein ähnliches Konzept ist für den Sumatra-Regenwald vorgesehen, wo die Zoobesucher über Stege bis hinauf in die Baumwipfel zu den Orang-Utans gelangen sollen. Weil diese Anlage in den Wald ausgreift, wo sich heute noch keine Zoo-Anlagen befinden, und dazu auch ein bis zu 55 Meter hohes, weitherum sichtbares Gebäude gehört, stellten sich unter anderem zahlreiche Fragen zur Verträglichkeit mit Ortsbild und Naturschutz.Schliesslich ist auch noch eine Meeresanlage für die Pinguine geplant. Gross genug, dass diese in Gruppen durchs Wasser jagen können – während die Zoobesucher sie von Glastunneln aus beobachten.Der neue Gestaltungsplan, der all dies möglich machen soll, liegt seit Dienstag während 60 Tagen öffentlich auf. Gegen die definitive Variante sind später auch noch Rekurse möglich. Für die geplante Tiefgarage braucht es die Zustimmung der Stadt Zürich, weil sie auf städtischem Land gebaut werden soll. Der Stadtrat unterstützt das Vorhaben. Nun muss der Gemeinderat darüber entscheiden.Passend zum Artikel