Eines Tages wird der Beginn des Romans „Magisch“ in die Sammlung der besten ersten Sätze eingehen. „Tote Pferde kriegt man kaum noch los.“ Ein gewisser Ekel steckt darin und auch ein Wandel von Verhältnissen. Das ist der trockene Ton von Annika Büsing, der schon in ihren drei ersten Romanen verfing. Sie macht vieles gern eine Nummer kleiner, als es in Wirklichkeit ist, hebt es durch genau diese Irritation heraus.
Neue Regeln für die Bauern
Aber was ist mit den Pferden? Auf dem Land, wo Marie, die Erzählerin, mit Mitte dreißig wieder bei den Eltern wohnt, gelten neuerdings Regeln, die nicht allen Bauern gefallen. Marie kennt den, der aus der Not ein Geschäft macht. Paul Magisch heißt er, wird meistens bei seinem schönen Nachnamen genannt, war zum Studium fortgegangen, hat aber gar nicht studiert. Nun wohnt er auch wieder im Dorf, entsorgt die toten Tiere im Umkreis. Legal ist das nicht. Er war Maries Freund. Im Roman enthüllt sich langsam, warum es mit den beiden nichts geworden ist, warum er zurückgekommen ist. „Er hat sich verändert, das ist kein Wunder, wir haben uns alle verändert, aber wir sind auch sagenhaft gleich geblieben.“
Marie warnt Magisch vor ihrem Bruder. Schließlich ist auch die Mutter „die links-grün versiffte Feindin ihres eigenen Sohnes, obwohl sie noch nie in ihrem Leben die Grünen gewählt hat“. Und wie ordnet sie den Bruder ein? „Andi würde von sich selbst nie sagen, dass er ein Nazi ist. Er würde sagen: Ich sag nur, wie es ist.“ Sie belässt es nicht dabei, sie erzählt an Beispielen, wie man mit einem Bruder lebt, der nach der Strategie seiner „unaussprechlichen Partei“ allen Angst einreden will. „Das ist eine starke Droge, diese Angst. Angst vor Krieg, Angst vor hohen Strompreisen, Angst vor bärtigen Männern ...“










