Ein Mann steht mit einem Herz mit einer Wahlwerbung von AfD-Spitzenkandidat Siegmund für ein Autogramm an. Foto: Peter Gercke/dpaVor uns liegen politische Wochen, die historisch werden dürften, in denen alles drin ist: blaue Augen, Denkzettel, „schallende Ohrfeigen“, Beben, Rücktritte, Zäsuren.Die Dynamik, die drei Landtagswahlen im Osten auslösen könnten, lässt einem den Atem stocken: Sie kann Parteichefs stürzen, die Regierung sprengen und die Kanzlerschaft von Friedrich Merz beenden.Wer jetzt zornig „Recht so!“ ruft, sollte lieber zweimal nachdenken.Eine Demokratie ist gleichwohl nur stark und widerstandsfähig, wenn sie solche Phasen aushält und übersteht. Und nicht, wenn man fortwährend versucht, sie vor sich selbst zu schützen, das Wahlvolk zu warnen, es vor Dummheiten zu bewahren – und das noch im Tremolo der „Machtergreifung“.Wenn mehr als 40 Prozent in einem Bundesland die AfD regieren sehen möchten, sie vielleicht sogar mit einer absoluten Mehrheit beschenken, dann muss man das als Demokrat akzeptieren, auch wenn man es ablehnt.Und da sage ich: Na dann, viel Glück, Sachsen-Anhalt! Mal sehen, was ihr davon habt. Ich hoffe, genug Wähler haben das „Regierungsprogramm“ der AfD gelesen – bei Diktion und Tonfall läuft es einem teils kalt den Rücken runter. Vor allem bei den Kulturkampfpassagen, der Schulpolitik, dem Angriff aufs Bauhaus – das Weltkulturerbe in Dessau, das als „Irrwege der Moderne“ diffamiert wird –; beim Angriff auf die Kirchen über den Kirchensteuereinzug.In der Wirtschaft erwarte ich wenig bis nichts. Ich sehe nicht eine Idee, die Unternehmen in diesem Land voranbrächten, keinen neuen Ansatz, und vor allem: keine Zukunft, keine Zuversicht, nur Formeln für Wut und Angst, die man am Köcheln halten muss. Die AfD hat ein Interesse daran, dass es dem Land schlecht geht und alle sich elend fühlen. Nicht auszudenken, wenn es wieder aufwärtsgeht! Wie malt man da das Versagen des „Systems“ in düsteren Farben aus?Die wirtschaftliche Programmatik der AfD ist eine Mischung aus dünner Suppe und großem Quark. Die meisten sozialen Versprechen, etwa in der Rente, sind unfinanzierbar. Ein Wünsch-dir-was – wie bei den Linken. Und wer die Bürokratie verflucht, sollte lieber FDP wählen.Wahl in Sachsen-Anhalt „Mir ist es ein Rätsel, warum 40 Prozent sagen, dass sie AfD wählen wollen“ Familienunternehmer Christof Engelke fürchtet nach einem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt Nachteile für Unternehmen. Er warnt die CDU vor einer Zusammenarbeit mit der Partei. von Daniel GoffartSpannend wird es bei der Energiepolitik. Irgendwo zwischen Dessau und Magdeburg muss der potenzielle Landesvater Ulrich Siegmund im Alleingang ein Atomkraftwerk bauen – was einige Jahrzehnte dauern dürfte. Und einen Energiekonzern hätte er dafür nicht an Bord.Bleiben die nationalen Abenteuer Euro-Ende und EU-Austritt (die im Bundesprogramm stehen) – bestenfalls nationalistische Folklore, schlimmstenfalls geplanter Deutschlandselbstmord.Die AfD ist für viele eine Versuchung, aber keine Verheißung. Und ich verstehe immer noch nicht den Sinn, ein Ventil zu wählen. Abgesehen davon: Ministerpräsidenten wie Wolfgang Böhmer und Reiner Haseloff haben über die Jahre das Beste aus diesem Bundesland rausgeholt. Aber um Bilanzen und Leistungen geht es ja ohnehin nicht mehr.