In Sachsen-Anhalt droht der Frust über Politik eine rechtsextreme Regierung an die Macht zu bringen. Wie konnte es so weit kommen?

Wahlkampf in Jeßnitz: Ulrich Siegmund ist schon da, auf dem T-Shirt eines AfD-Anhängers

Jens Schlüter/afp

Vor gut zehn Jahren war das noch ein anderes Land. „Ich kann, ich will, ich werde“, ließ der Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert Anfang 2016 selbstbewusst auf seine Plakate zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt drucken. Dazu ein Foto, das den 52-jährigen Lehrer mit Schnauzbart und visionärem Blick in die Ferne zeigte. „Ich kann, ich will, ich werde“, das klang nach Julius Caesar und Barack Obama – jedenfalls nach Wahlsieg und Staatskanzlei. Tatsächlich galt der Oppositionsführer aus Havelberg im Norden Sachsen-Anhalts über viele Jahre hinweg als einer der ganz wenigen Linken-Politiker Deutschlands mit echten Chancen auf ein Ministerpräsidentenamt.

Heute, im Sommer 2026, lässt die Linke solche Plakate nicht mehr drucken. Bald wird der mittlerweile 63 Jahre alte Gallert sein Büro im Landtag in Magdeburg für immer räumen. Bei der Wahl im September tritt er nicht mehr an, sein großer Traum bleibt unerfüllt. Hoffnung auf die Staatskanzlei hat jetzt der neue Oppositionsführer. „Alles ist möglich“, lässt der 35-jährige AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf seine Plakate schreiben. Und: „Hol dir dein Land zurück“.