Pfister plant ein Drohnen- und Robotikzentrum für die Armee und zivile BlaulichtorganisationenBeim Schutz vor Drohnen herrscht in der Schweiz Wildwuchs. Verteidigungsminister Martin Pfister will die Zuständigkeiten und das Wissen nun bündeln. Das Projekt steht vor diversen Hürden: Weder Standort noch Budget- oder Rechtsrahmen sind geklärt.27.08.2026, 17.16 Uhr4 LeseminutenAb 2028 will die Armee ein eigenes Drohnenbataillon aufgebaut haben.VBS / DDPS - Pascal Gertschen«Eiger» lautet der Projektname für das neue Kompetenzzentrum unbemannte Systeme – also Drohnen und Roboter – des Verteidigungsdepartements (VBS). Die Aufgabe für Bundesrat Martin Pfister ist ähnlich anspruchsvoll wie die Namensgeberin: Er will zivile und militärische Akteure aus Armee, Rüstungsindustrie, Wissenschaft und Blaulichtorganisationen an einem Ort bündeln und damit das ganze Land fit machen gegen diese Bedrohung, wie er am Donnerstag vor den Medien in Thun erklärt hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Treiber ist die verdeckte Kriegführung Russlands gegen westliche Länder. Ein weiteres deutliches Warnsignal war für Pfister der misslungene Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle, wo Anfang des Monats eine Drohne mit Sprengstoff nahe einer ukrainischen Frachtmaschine gefunden wurde. Im Verdacht steht Moskau. Zudem baut Russland laut Recherchen des britischen «Telegraph» neue Startplätze für Angriffsdrohnen nahe Weissrussland und der Ukraine, deren Reichweite bis an die Nato-Ostflanke reichen. Die Sicherheitslage in Europa habe eine neue Gefahrenqualität erreicht, warnte Pfister. Die Schweiz müsse auf allen Staatsebenen wissen, was dagegen zu tun ist.Heute hinkt die Abwehr hier hinterher. Weder Polizeikorps noch Flughäfen, Infrastrukturbetreiber oder die Armee verfügen flächendeckend über Schutzsysteme. Dabei sei auch die Schweiz gefährdet, betont der Armeechef Benedikt Roos: «Die Schweiz wird jeden Tag angegriffen.» Über einem einzigen Waffenplatz ortete die Armee rund hundert Überflüge pro Monat – bei jedem fünften Fall sei die Herkunft unklar geblieben. Auch beim G7-Gipfel in Évian registrierte die Truppe rund 250 Drohnen im Gebiet und intervenierte bei knapp der Hälfte – beispielsweise mit Störsendern. In drei Fällen wurden die Piloten ermittelt und angezeigt. Für Roos steht fest: Drohnen sind kein Zukunftsszenario mehr, sondern längst «harte Realität».Drohnenpiloten steuern Kampfdrohnen über den Waffenplatz in Thun.VBSZahlreiche rechtliche HürdenZur Schweizer Realität gehört aber auch: Das geplante Zentrum existiert vorerst nur auf dem Papier. Weder Standort noch Budgetrahmen oder Eröffnungsdatum stehen fest. Pfister peilt die Gründung in den «kommenden Monaten» an. Die Finanzierung soll aus dem laufenden Budget erfolgen – auch durch das Bündeln bisheriger Strukturen. Allein im VBS gibt es mindestens drei Stellen für Drohnen oder Robotik, einige Kantone betreiben weitere Drohnenzentren. Wo das neue Zentrum entstehen soll, wird noch geprüft. Bei der Standortsuche wiegen auch rechtliche Hürden schwer, wie eine Demonstration auf dem Waffenplatz Thun zeigt.Dort warteten ausgebildete Drohnen-Soldaten am Donnerstag auf die Medien, um ihr Können zu demonstrieren. Sie steuerten Aufklärungs- und Angriffsdrohnen oder bekämpften anfliegende Flugobjekte mit Spezialmunition. Als im letzten Abschuss-Durchgang drei Anflüge erfolgreich gestoppt wurden, folgte das abrupte Ende: Die maximale Schusszeit vor der Mittagspause sei erreicht, verkündete der Übungsleiter. Neben strikten Lärmvorschriften bremsen weitere rechtliche Hürden die Truppe: Über dem eigenen Areal darf die Armee fremde Drohnen zwar orten – doch nur die kantonale Polizei darf sie notfalls abschiessen. Die rechtlichen Grundlagen müssten klarer geregelt werden, fordert der Verteidigungsminister. Dafür sei man mit den Kantonen im engen Austausch.Das neue Zentrum soll dereinst zivil und militärisch organisiert sein und anderen Departementen, Kantonen sowie Blaulichtorganisationen offen stehen. Es soll ein militärisches Kommando beheimaten und einen Tech-Hub. Das Kommando schult Soldaten und erprobt unbemannte Systeme unter möglichst realen Gefechtsbedingungen. Im Tech-Hub führen das Bundesamt für Rüstung Armasuisse, Hochschulen, Start-ups und die Industrie ihr Wissen zusammen, um neue Lösungen rasch zu entwickeln und der Truppe zu übergeben.Das Ziel sei nicht mehr, «eine Technologie möglichst lange unverändert zu konservieren», betonte Rüstungschef Urs Loher. Vielmehr müsse frühzeitig geklärt werden, ob Systeme eigenständig weiterentwickelt werden können. Das zeige der Krieg in der Ukraine, wo Systeme alle paar Wochen adaptiert werden müssten. Die moderne Kriegsführung bedinge einen Mentalitätswandel. Loher will künftig auf modulare, standardisierte Produkte mit offenen Schnittstellen setzen, die in kleinen Tranchen beschafft werden sollen.Pfister weibelt für MwSt-ErhöhungWas nach einer Revolution im trägen helvetischen Beschaffungswesen klingt, hält der Rüstungschef für machbar. Die Schweiz verfüge über Spitzenhochschulen, innovative Start-ups und spezialisierten Firmen für Robotik, Sensorik oder auch künstliche Intelligenz. Bislang habe diesem Ökosystem jedoch die Struktur gefehlt, um auch im Militär Wirkung zu entfalten. Das neue Zentrum soll das ändern.Die Truppe testet Aufklärungsdrohnen, die bis zu vier Stunden in der Luft bleiben können.VBSPfister lud die Medien nicht nur nach Thun ein, um ein Zentrum vorzustellen, das noch gar nicht existiert. Vor der Herbstsession nutzte der Verteidigungsminister die Bühne, um erneut für das Finanzierungspaket der Armee zu werben. Der Aufbau von Drohnen- und Robotikfähigkeiten sei zentral, erfordere aber mehr Mittel.Insgesamt seien für die neue Ausrichtung der Armee auf die wahrscheinlichsten Bedrohungen – also Cyberangriffe, Desinformation, Sabotage und Luftangriffe - 24 Milliarden Franken an Rüstungsinvestitionen in den nächsten zwölf Jahren nötig. Der Bundesrat schlägt dafür eine befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,5 Prozentpunkte sowie einen verschuldungsfähigen Rüstungsfonds vor. Die Vorlage hat im Parlament jedoch einen schweren Stand – einzig Pfisters eigene Partei, die Mitte, steht dahinter.Passend zum Artikel
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