Jetzt kommt die Velovorzugsroute mitten ins Zürcher Stadtzentrum – doch der Stadtrat ist noch weit davon entfernt, das Ziel der Velorouten-Initiative zu erfüllenVom Stauffacherquai führt nun ein Velo-Highway an den See. Eine Win-Win-Win-Situation sei das, sagt Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP). Für Autofahrer allerdings ist es eine Loose-Situation.26.08.2026, 16.59 Uhr3 LeseminutenDie Velovorzugsrouten sind leicht zu erkennen an den grünen Farbbändern entlang der Strasse.Michael Buholzer / KeystoneNicht weniger als 130 Kilometer an Velorouten sollen Zürich dereinst durchziehen. 2020 stimmten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Stadt diesen ambitionierten Plänen zu. Doch die Umsetzung hat sich bisher als zäh erwiesen. Sechs Jahre später sind erst wenige Kilometer der Velo-Highways realisiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Mittwoch konnte die Stadt aber wieder einmal einen neuen Abschnitt des geplanten Netzes präsentieren. Das Spezielle: Die Route führt direkt ins Stadtzentrum. Im finalen Ausbau wird sie den Bullingerplatz im Kreis 4 mit dem Zürichsee verbinden. Noch ist aber erst ein Teilstück fertig - für das zweite folgt dieses Jahr die Planauflage.Die neue Route führt vom Stauffacherquai auf den General-Guisan-Quai am See, und damit auch mitten in ein Gebiet, das heute schon von Autos, Velos und Fussgängern stark genutzt wird. Also in ein Gebiet voller Nutzungskonflikte.Die Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) und die Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) radelten am Mittwochnachmittag für die Kameras auf der Flössergasse in der Nähe des Bahnhofs Selnau hin und her, entlang der grünen Streifen auf dem Asphalt, die charakteristische Bemalung der Velovorzugsrouten. Zuvor hatten sie den Journalisten in ihre Notizblöcke die Vorzüge des Projekts diktiert.Mehr Sicherheit und mehr Komfort bringe die Route, sagte Brander. Und das nicht nur für die Velofahrer, sondern auch für die Fussgänger. Zum einen seien Trottoirs verbreitert, zum anderen an den Kreuzungen «Trottoirüberfahrten» erstellt worden. Also ein durchgehendes Trottoir über die Strasse. Die Fussgänger müssten so nicht mehr bei jeder Kreuzung einen Schritt vom Trottoir runter auf die Strasse machen und auf der anderen Strassenseite wieder hoch aufs Trottoir. Und sogar das Gewerbe profitiere von der neuen Route, denn es seien fünf neue Güterumschlagsplätze eingerichtet worden. «Eine Win-Win-Win-Situation», schwärmte Brander.Für die Autofahrer hingegen ist es eine Loose-Situation: So wurden 66 Parkplätze entlang der Route abgebaut, um Platz zu schaffen. Zudem wurde die Verkehrsführung geändert. Automobilisten können nicht mehr von der Brandschenkestrasse in die Flössergasse abbiegen oder von der Tödistrasse nicht mehr geradeaus in die Flössergasse fahren. Damit werde Durchgangsverkehr auf der Velovorzugsroute verhindert, sagte Rykart. «Das erhöht die Sicherheit für die Velofahrenden.»Noch hielten sich aber nicht alle Autofahrer ans neue Verkehrsregime. Es brauche etwas Zeit, bis sich alle daran gewöhnt hätten. Man beobachte die Situation und werde, falls nötig, Massnahmen ergreifen. Insgesamt aber freute sich Rykart über die neue Route, die sie gerade selbst zwei Mal benutzt habe, um mit dem Velo vom Theaterspektakel nach Hause zu fahren.Brander ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass die Velovorzugsrouten den Verkehr «stadt- und menschenverträglicher» machten. Darum wolle man nun zügig weitere Routen erstellen. Das muss die Stadt auch, denn bis 2031 müssen mindestens 50 Kilometer Velovorzugsrouten erstellt sein, so will es die 2020 angenommene Initiative. Bis jetzt sind es gerade einmal 6,3 Kilometer.Bis 2028 sollen weitere 1,3 Kilometer dazu kommen, kündigte Brander am Mittwoch an. Doch dann fehlen immer noch über 42 Kilometer. Sie sei trotzdem zuversichtlich, dass man das Ziel erreichen werde, sagte sie.Bei der Planung der Routen stellen sich zum Teil knifflige Fragen. So auch auf dem neu eröffneten Teilstück.Die Veloroute endet abrupt am vierspurigen General-Guisan-Quai – aber nicht dort, wo der Fuss- und Veloübergang platziert ist, der über die Strasse zum Veloweg entlang des Sees führt. Um auf diesen Veloweg am See zu kommen, müssen die Velofahrern zunächst auf dem Trottoir Richtung Bellevue fahren, und damit entgegengesetzt zum Strassenverkehr. Dies soll aber geändert werden, wie es Mittwoch an der Medienkonferenz hiess. Der Übergang werden versetzt, damit man von der Vorzugsroute geradeaus die Strasse queren kann.Als Hauptproblem für den langsamen Fortschritt nannte Brander aber die Einsprachen von Anwohnern: Insgesamt 24 Kilometer an Velorouten seien deshalb blockiert. Der Grund für die Einsprachen ist in den meisten Fällen der Abbau von Parkplätzen.Passend zum Artikel