In der Selbstbeschreibung der Nationen wird gerne vom amerikanischen Exzeptionalismus gesprochen, Ausdruck einer einzigartigen Erfolgsgeschichte aus Macht und Wohlstand, Innovationskraft und Freiheitsbedürfnis. Diese Zuschreibung wird zumeist religiös überhöht, denn die führende Nation der Welt kann nur eine göttlich auserwählte sein. Glücklich, wer daran glauben mag!
Mit ungleich größerer Berechtigung – und ganz ohne religiöse Untertöne – könnte man auch vom chinesischen Exzeptionalismus sprechen. Das heutige China steht in einer ungebrochenen zivilisatorischen Tradition, die sich mindestens 3500 Jahre zurückverfolgen lässt.
Anders als etwa die griechische Antike, die aktuell durch Christopher Nolans Blockbuster Odyssee reanimiert wird, sind die chinesischen Dynastien, ihre Rituale, technischen Errungenschaften und Siege, aber auch ihre gescheiterten Ambitionen und politischen Irrgänge, jedem chinesischen Schulkind präsent. Die alten Mythen, heroischen Großerzählungen und subtilen Natur- und Liebesgedichte sind in denselben Schriftzeichen überliefert, die auch heute noch, wenn auch vereinfacht, verwendet werden. Dadurch haben Chinesen einen direkten und unverstellten Zugang zu den historischen Zeugnissen ihrer eigenen Vergangenheit als Kulturnation.








