China beginnt für mich nicht mit Xi Jinping, lustig aussehenden Drachen oder Robotern, die uns das Leben auf kurz oder lang erleichtern werden, sondern mit einer Plastikschale gebratener Nudeln in Berlin-Baumschulenweg, die ich mir nach der Schule regelmäßig holte: fettig, billig, zuverlässig gut. Dazu die Erinnerung an Yao Ming, den übergroßen NBA-Star der Houston Rockets, dessen Bewegungen ich als Kind auf dem Basketballplatz nachzuahmen versuchte. Und irgendwo zwischen Filmen wie Mulan und Bildern über die Chinesische Mauer entstand so ein ehrlich gesagt doch recht diffuses Bild eines Landes, das immer weit weg war und über das man nur sehr, sehr wenig wusste. Kulturell wie auch politisch.

Oder können Sie mir fünf Provinzen im Reich der Mitte aufzählen? Oder die größten Städte nach Peking und Shanghai? Zählen Sie mir drei berühmte Persönlichkeiten der chinesischen Öffentlichkeit auf – oder was ist aktuell das brennendste Thema in chinesischen sozialen Medien? Da wird wohl nicht viel rauskommen, wenn ich mich mal aus dem Fenster lehnen darf. Das war bei mir aber auch nicht anders. Mein Gedanke dazu: Während wir uns immer über die Amerikaner lustig machen, die ja nicht so richtig zu wissen scheinen, was der Unterschied zwischen der Slowakei und Slowenien ist oder wo eigentlich genau Athen oder Amsterdam liegen, verhält es sich ganz ähnlich mit unserem Kenntnis- und Wissensstand in Bezug auf China. Wir wissen so gut wie gar nichts.