Im Jahr 1931 prägte der Schriftsteller James Truslow Adams den Begriff des amerikanischen Traums, eines „Traums, von einem Land, in dem das Leben für jeden Menschen besser und reicher wird, mit Entfaltungsmöglichkeiten für alle gemäß ihren Fähigkeiten und Errungenschaften.“
Knapp ein Jahrhundert später ist dieser Traum für die meisten US-Bürger ausgeträumt. Eine verarmte Arbeiterklasse und absteigende Mittelschicht, endlose Kriege und eine tiefe politische Spaltung prägen das Land der einst unbegrenzten Möglichkeiten. Auch andere westliche Länder sind in den Sog des Niedergangs hineingeraten: Großbritannien, Italien, Frankreich und inzwischen auch Deutschland sind gezeichnet von einer fortschreitenden Deindustrialisierung und zunehmender politischer Verbitterung großer Teile der Bevölkerung. Währenddessen erlebt ein Land einen rasanten Aufstieg, das noch vor 50 Jahren zu den vier ärmsten Nationen der Erde gehörte: China. Staatschef Xi Jinping spricht schon seit den 2010er-Jahren in unverblümter Aneignung des US-Mythos vom „chinesischen Traum“.
Im Westen geht dabei die Angst vor einem übermächtigen China um. Die Bundesregierung und die EU haben das Land zu einem „systemischen Rivalen“ erklärt. Doch wie berechtigt ist diese Angst? Und wieviel Wirklichkeit steckt in dem chinesischen Traum? Der Autor war einige Wochen in China unterwegs, um diesen Fragen nachzugehen.











