KommentarPro ArtikelDie Rechnung für die US-Staatsverschuldung wird beängstigend hoch. Das dominiert zusehends die PolitikEs gibt keinen «free lunch»; man kann mit Schulden die Kosten nur hinauszögern. Überbordet die Schuldenwirtschaft, schadet das am Schluss immer den Sparern.20.08.2026, 16.55 Uhr3 LeseminutenIm amerikanischen Capitol wird regelmässig einer Erhöhung der zulässigen Schuldenobergrenze zugestimmt.Annabelle Gordon / ReutersDie Staatsverschuldung der USA hat die Schwelle von 40 Billionen Dollar überschritten. 40 Billionen sind 40 000 Milliarden oder 117 000 Dollar pro Einwohner. Kein Wunder, ist der Markt für amerikanische Staatsschulden (Treasuries) der grösste und wichtigste Anleihenmarkt weltweit. Und kein Wunder, beginnen sich Anleger und Politik um diesen Sorgen zu machen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mehr Geld für die Schulden als fürs Militär40 Billionen Dollar implizieren, dass die US-Zentralregierung für eine vierköpfige Familie fast eine halbe Million Dollar an Schulden aufgenommen hat, für die sie Zinsen zahlen muss und die sie immer wieder neu finanzieren muss. Rechnet man die Schulden der Eidgenossenschaft pro Kopf, so kämen für eine vierköpfige Familie «bloss» 70 000 Dollar zusammen.Ökonomisch gesehen lassen sich Staatsschulden vor allem dann begründen, wenn ihre erwartete Rendite oder ihr zukünftiger Effekt auf das Wirtschaftswachstum positiver ist als die Zinskosten. Doch auch in den USA fliessen die wenigsten Staatsgelder in zukunftsträchtige Investitionen. Stattdessen budgetiert das Congressional Budget Office in diesem Jahr, 19 Prozent der Einnahmen für den Schuldendienst auszugeben. Das ist mehr als für das ganze amerikanische Militär, für das 16 Prozent vorgesehen sind. Der Zinsendienst soll die USA 2026 erstmals über eine Billion kosten. Umgerechnet auf eine vierköpfige Familie sind das 12 100 Dollar nur für die Bedienung der Staatsschulden.PDDa liegt es nahe, dass die Zinsen zu einem Politikum werden. Der amerikanische Präsident Donald Trump moniert unablässig, dass diese in den USA viel zu hoch seien. Soeben hat er sich wieder darüber echauffiert, dass man in Switzerland, dessen Wirtschaft doch nur wegen der USA stark sei, lediglich 0,5 Prozent Zinsen bezahle. Wenn jemand tiefe Zinsen zahlen sollte, dann seien das die USA, alles andere ergebe keinen Sinn.Keinen Sinn ergibt natürlich Trumps Aussage. Die Inflation betrug in den USA im Juli 3,4 Prozent und dürfte mit der herrschenden Haushaltspolitik weiter ansteigen. In der Schweiz hingegen betrug die Teuerung bloss 0,4 Prozent und ist der Staatshaushalt praktisch ausgeglichen. Die Nominalzinsen müssen in den USA höher sein, und es verwundert nicht, dass die Rendite von US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit auf über 5 Prozent gestiegen ist.Doch Langfristzinsen sind politisch wichtig. Finanzminister Scott Bessent hat nun langfristige Schulden zurückkaufen lassen, um deren Rendite zu drücken. Er wird dies mit kurzfristigen Schulden finanzieren müssen, was den amerikanischen Finanzhaushalt erst recht anfällig für Finanzturbulenzen und Zinsschwankungen macht, da diese kurzfristigen Schulden ja fortlaufend erneuert werden müssen.Am Ende zahlt der blauäugige SparerEs führt nichts daran vorbei: Hohe Staatsschulden sind ungesund. Sie schränken den finanzpolitischen Spielraum von Regierungen stark ein und führen zu politischem Druck, die Zinsen tiefer zu halten, als für die Bekämpfung der Inflation notwendig wäre. Beides schröpft den Sparer. Und gelingt es mit hoher Inflation und zu tiefen Zinsen alleine nicht, sich aus der Schuldenfalle zu inflationieren, kommt es früher oder später zu Umschuldungen, was die Sparer erst recht schmerzt.Es ist die grosse Illusion der Politik: Sich zu verschulden, scheint der einfachste Weg, Probleme zu lösen und Wohltaten zu verteilen, ohne die Wähler die Kosten dafür spüren zu lassen. Doch das verlagert die Last nur in die Zukunft. Es gibt keinen «free lunch» – am Ende wird die Rechnung präsentiert, und die blauäugigen Sparer werden zur Kasse gebeten. Und weil knapp ein Drittel der amerikanischen Staatsschulden von Ausländern gehalten werden, wird das nicht nur die USA schwächen. Die Vereinigten Staaten können einen Teil der Kosten ihrer überbordenden Schuldenwirtschaft ins Ausland exportieren.Die Rechnung ist in den USA beängstigend hoch geworden. Es ist jederzeit möglich, dass die daraus resultierende Nervosität am Bondmarkt zu Verwerfungen führen wird. Am ehesten noch Schutz bietet Sparern die Flucht in Sachwerte.8 KommentareErwin Dufner Gestern3 EmpfehlungenSchulden sind die Steuern von morgen. Das weiß jeder halbwegs intelliente Mensch. Wie der Autor richtig geschrieben hat: es gibt keinen Free Lunch.
US-Staatsschulden über 40 Billionen: Das sind die Folgen
Es gibt keinen «free lunch»; man kann mit Schulden die Kosten nur hinauszögern. Überbordet die Schuldenwirtschaft, schadet das am Schluss immer den Sparern.













