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Staatsverschuldung: Wird die Schuldenorgie den USA bald gefährlich? Die USA verzeichnen mit über 40 Billionen Dollar einen neuen Schuldenrekord – ein globaler Trend. Doch die Gefahr steckt nicht nur in der Masse.
In den USA steigt die Staatsverschuldung seit Jahren. Doch nicht nur dort. Foto: IMAGO/Newscom WorldDie USA verzeichnen einen neuen Rekord bei der Staatsverschuldung: Wie Daten des dortigen Finanzministeriums nun zeigen, lag die Verschuldung zuletzt bei über 40 Billionen Dollar beziehungsweise rund 34,3 Billionen Euro.Damit wuchs der Schuldenstand der größten Volkswirtschaft der Welt binnen kurzer Zeit kräftig an. Vor einem Jahr lagen die USA noch bei 37,2 Billionen Dollar. Die Schuldenquote liegt mittlerweile bei über 120 Prozent. Sie gibt an, wie hoch die Staatsschulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung eines Landes sind.Die zusätzliche Belastung: Die USA zahlten laut IWF 2025 4,3 Prozent ihrer gesamten Wirtschaftsleistung für Zinsen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt des vergangenen Jahres entspricht das ungefähr 1,3 Billionen US-Dollar.Der Finanzexperte Michael Peterson schätzte im Gespräch mit dem US-Sender CNN, dass die Staatsverschuldung beim derzeitigen Kurs in nur sechs Jahren bei 50 Billionen Dollar angelangen könnte. „Wir gefährden damit unsere Wirtschaft und die Zukunft unseres Landes“, warnte er.Eigentlich kündigte US-Präsident Donald Trump schon im Wahlkampf für seine erste Amtszeit an, die Staatsschulden der USA auf null senken zu wollen. Stattdessen treiben steigende Zinslast, Steuererlasse, seine Zollpolitik oder auch der Krieg im Iran die Staatsausgaben und Verbindlichkeiten der USA bis heute.Ist Deutschlands Top-Rating in Gefahr?Damit ist die USA nicht allein. Die deutschen Staatsschulden sind laut Bundesbank im Jahr 2025 um 144 Milliarden auf fast 2,84 Billionen Euro gestiegen. Deutschlands Schuldenquote lag im vergangenen Jahr zum Vergleich bei über 60 Prozent. Laut Finanzministerium gab Deutschland 2025 gut 30 Milliarden Euro für Zinsen am Kreditmarkt aus. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von 4,4 Billionen Euro im vergangenen Jahr entspricht das ungefähr 0,7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.Getrieben wurden die Staatschulden zuerst von der Corona-Pandemie, dann unter anderem von der Energiepreiskrise. Umfangreiche Hilfsprogramme und Entlastungspakete belasteten den Bundeshaushalt in den vergangenen Jahren zusätzlich, während zeitweise sogar die Schuldenbremse ausgesetzt wurde. Noch hinzu kamen Sondervermögen für etwa Infrastruktur und die Bundeswehr.Dabei wuchs in der Bundesregierung zuletzt schon die Sorge, dass die Kreditwürdigkeit des Staates herabgestuft und Deutschland so sein Top-Rating verlieren könnte. Darüber berichtete das „Handelsblatt“ und zitierte einen hochrangigen Regierungsvertreter: „Wenn die Schulden hoch bleiben, das Wachstum aber nicht anspringt, könnten die Ratingagenturen Deutschlands Triple-A-Rating infrage stellen.“Weltweite Staatsverschuldung bei über 90 ProzentDeutschland steht mit seiner Schuldenquote noch vergleichsweise solide da. Laut Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) liegt die deutsche Quote deutlich unter dem Durchschnitt der entwickelten Volkswirtschaften, der bei rund 95 Prozent liegt. Japan führt die Liste mit einer Schuldenquote von über 206 Prozent an, gefolgt von Italien mit 137 Prozent und den USA mit mehr als 123 Prozent.Der IWF gibt zu Bedenken, dass die weltweite Staatsverschuldung 2025 auf fast 94 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung gestiegen ist – und nach IWF-Prognosen bis 2029 die Marke von 100 Prozent erreichen wird. Getrieben wird diese Entwicklung laut IWF maßgeblich von den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, den USA und China. Prognosen des IWF nach zu urteilen, könnten die USA 2029 bei einer Schuldenquote von über 135 Prozent angekommen sein, China bei ungefähr 120 Prozent.In Bezug auf die Volksrepublik schwingt dabei auch ein großer Unsicherheitsfaktor mit: Die offizielle Staatsschuldenquote von um die 90 Prozent ist nicht belastbar, da viele Schulden wahlweise bei den Provinzregierungen oder in Staatsunternehmen abgeladen werden. So lässt sich auch erklären, weshalb die Rating-Agenturen wie Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch den USA weiterhin bessere Noten ausstellen als China, obwohl die Schuldenquote deutlich niedriger liegt. Hier zeigt sich der wichtigste Faktor des Finanzsystems: Vertrauen.Der Anleihemarkt wird nervösNicht nur die Agenturen schauen aufmerksam auf die Staatsschulden, sondern auch der Markt für Staatsanleihen, also die Schuldtitel, die Finanzagenturen der Nationalstaaten an Investoren verkaufen. Diese werden nach ihrer Rückzahlungsfrist gestaffelt – üblich sind ein, zwei, fünf, sieben, zehn, fünfzehn, zwanzig und dreißig Jahre. Je länger ein Investor warten muss, bis er sein Geld zurückerhält, desto höher sind üblicherweise die Zinsen – Renditen genannt –, die Staaten dafür zu zahlen bereit sind.Absolute Schuldenquote, Kreditrating, Vertrauen in die Daten und die Entwicklung der Schuldenaufnahme von Staaten sind dabei nur einige prominente Faktoren, die hier den Markt bewegen. In der Summe sind die Renditen der Staaten ein Ausdruck des Vertrauens, das der Markt in die Schuldenzahlungsfähigkeit des betreffenden Staates hat.Aus Sicht des Staates kommt es jedoch nicht nur darauf an, wie viel Zinsen er jährlich aus seinem Haushalt für die Schulden aufzubringen hat. Da bei Fälligkeit einer Staatsanleihe, die Rückzahlung oft durch die Ausgabe einer erneuten Anleihe fortgeschrieben wird, entsteht hierdurch ein Klumpenrisiko. Ziel ist also, dass nicht zu viele Anleihen – egal ob lang oder kurz – zum gleichen Zeitpunkt auslaufen. Damit soll vermieden werden, dass schlechte Bedingungen zu einem fixen Zeitpunkt – etwa eine Krise wie die Corona-Pandemie – sich überproportional auf die Staatsschulden auswirken.Die USA verhalten sich diesbezüglich aktuell sehr risikoreich. Aufgrund der ohnehin schon hohen Schuldenquote und der aktuell zusätzlichen Schuldenaufnahme sind die Renditen auch am langen Ende – also bei den 30‑jährigen Anleihen – stark gestiegen. Mit über 5 Prozent ist die Schuldenaufnahme aktuell besonders teuer. Das Finanzministerium versucht daher, auszuweichen, und greift besonders auf kurzlaufende Anleihen von zwölf Monaten und weniger zurück.Die Verwendung dieses Finanzierungsvehikels hat sich tatsächlich seit der Corona-Pandemie immer weiter beschleunigt. Dass das ein Krisenzeichen sein kann, zeigt sich, wenn man sich die entsprechende Grafik für Griechenland nochmal genauer anschaut. Während der Finanz- und Staatsschuldenkrisen ab 2008 hat das Land sehr viele kurzlaufende Anleihen ausgegeben – weil es musste. Die Investoren waren sich schlichtweg nicht mehr sicher, ob nicht innerhalb kurzer Zeit ein Staatsbankrott droht und wollten keine zu lange Laufzeit riskieren.Im Falle der Vereinigten Staaten muss man sich diese Gedanken selbstverständlich noch nicht machen. Mit dem Dollar als Weltreservewährung Nummer 1 kann sich das Land sicher sein, dass weder private noch ausländische staatliche Investoren einen Bankrott ohne Weiteres zulassen würden.Trotzdem dürften sowohl Investoren wie auch Ratingagenturen die Lage aufmerksam beobachten. Schließlich muss das US-Finanzministerium diese Schulden schon im kommenden Jahr fortschreiben und schafft sich damit einen Finanzierungsklumpen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! 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