ErklärtAmerikas Schuldenberg hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Wie lange geht das noch gut?US-Präsident Trump will nichts von Sparen wissen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum amerikanischen Schuldenproblem.20.08.2026, 15.34 Uhr4 LeseminutenDie Schuldenlast der USA hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt.Illustration Jonas Oesch / NZZDie Verschuldung der USA wächst in atemberaubendem Tempo. Doch die Regierung von Donald Trump unternimmt nichts, um den Trend zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Diese Woche hat der Schuldenberg des amerikanischen Staates erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Nervosität an den Finanzmärkten nimmt zu. In den vergangenen Wochen sind die Zinsen, die der US-Zentralstaat für die Aufnahme langfristiger Schulden bezahlen muss, auf das höchste Niveau seit 2007 gestiegen. Die Investoren verlangen eine höhere Risikoprämie, weil sie die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zunehmend infrage stellen.Die Entwicklung nur Trump anzulasten, greift aber zu kurz. Auch seine Vorgänger Joe Biden, Barack Obama und George W. Bush waren für hohe Haushaltsdefizite mitverantwortlich und trugen zur stark steigenden Staatsverschuldung bei.Heute stellen sich unbequeme Fragen: Können die USA die Billionen von Schulden einfach vor sich herschieben? Wie finanziert der Staat diese gigantische Hypothek? Und kann das auf die Länge gutgehen? Eine Übersicht in Grafiken.Wie haben sich die US-Staatsschulden entwickelt?Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten, schrieb in einem Brief: «Ich zähle die Sparsamkeit zu den ersten und wichtigsten republikanischen Tugenden und die Staatsverschuldung zu einer der grössten Gefahren.» Wahrscheinlich würde ihm angst und bange, wenn er sich die Schuldenentwicklung der letzten Jahrzehnte ansehen könnte.Denn in absoluten Zahlen ist die amerikanische Staatsverschuldung rasant gestiegen. In den 1980er Jahren war sie erstmals bei einer Billion Dollar angelangt, der damalige US-Präsident Ronald Reagan sagte: «Wenn wir als Nation eine Warnung brauchen, dann lasst es diese sein.» Nun beträgt die US-Staatsverschuldung mehr als 40 Billionen Dollar. Würde man diesen Betrag in 1-Dollar-Noten aneinanderreihen, käme man damit 41-mal von der Erde zur Sonne.Optimisten entgegnen: Alles ist halb so schlimm, wenn die Wirtschaft wächst. Doch auch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Entwicklung haben die amerikanischen Staatsschulden an Gewicht gewonnen. Bis 1990 betrugen sie weniger als die Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung. Vor allem nach der Finanzkrise und nach der Corona-Pandemie eilte die Verschuldung jedoch dem Wachstum voraus. Sie liegt heute bei über 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).Das Haushaltsbüro des US-Kongresses geht davon aus, dass die Schuldenlast weiter stark steigen dürfte. Gründe dafür sind die Alterung der Gesellschaft sowie tiefere Wachstumserwartungen. Zudem macht die Trump-Administration keine Anstalten zum Sparen. Das Steuergesetz namens «Big Beautiful Bill», das der Kongress im vergangenen Jahr verabschiedet hat, dürfte die Staatsfinanzen in den kommenden Jahren weiter in Schieflage bringen.Wie stehen die USA im internationalen Vergleich da?Die USA haben eine höhere Staatsschuldenquote als andere Länder. Dem war nicht immer so: Vor der Finanzkrise bewegte sich das Land noch in ähnlichen Sphären wie die Schweiz und Deutschland, die traditionell als sparsam gelten.Wie finanzieren die USA den Schuldenberg?Der amerikanische Schuldenberg wächst, weil der Staat jedes Jahr mehr ausgibt, als er einnimmt. Das Haushaltsdefizit des US-Zentralstaats lag im Jahr 2025 bei 1,8 Billionen Dollar. Das entsprach 5,9 Prozent des BIP. Für Nichtkrisenzeiten ist das ein sehr hoher Wert. In der EU gilt bereits ein Budgetdefizit von mehr als 3 Prozent des BIP als unzulässig.Die US-Regierung deckt das Defizit, indem sie Geld am Kapitalmarkt aufnimmt. Sie gibt dazu Staatsanleihen aus. Die Papiere zur Defizitdeckung sind allerdings bei weitem nicht die einzigen Anleihen, die das Schatzamt (Treasury) den Investoren schmackhaft machen muss.Regelmässig laufen auch bestehende Anleihen aus. Sie werden in der Regel refinanziert, indem neue Anleihen im gleichen Umfang ausgegeben werden («roll-over»). Hausbesitzer kennen das: Wenn eine zehnjährige Hypothek fällig wird, wird sie meist erneuert – wobei dann die gegenwärtig gültigen Zinssätze gezahlt werden müssen.Die Refinanzierung bestehender Schulden hat in den USA ein enormes Ausmass angenommen. Das US-Treasury führt praktisch täglich Auktionen zur Platzierung von Staatsanleihen am Kapitalmarkt durch. Es muss also ständig Abnehmer für seine Schuldtitel finden. Falls die Käufer streiken, kann es schnell zu Verwerfungen kommen. Zudem wirken sich steigende Zinsen rasch aus. Deshalb ist es gefährlich für die US-Regierung, dass sich die Marktzinsen in den vergangenen Wochen erhöht haben.Wie entwickelt sich die Zinsbelastung?Die Zinszahlungen stehen für ungefähr 13 Prozent aller Ausgaben auf Bundesebene und sind bereits höher als der Verteidigungsetat. Das zeigt eine Berechnung der Peter G. Peterson Foundation, die sich für die Reduzierung der Staatsverschuldung einsetzt. Die Ausgaben für den Schuldendienst dürften in den nächsten Jahren steigen, wodurch die US-Regierung immer weniger Spielraum hat, um in andere Politikbereiche oder in die Infrastruktur zu investieren.Im Verhältnis zum BIP machen die Zinszahlungen bereits heute drei Prozent aus. Der Anteil ist seit 2022 stark gestiegen, nachdem die US-Zentralbank die Niedrigzinsphase beendet hatte. Das Haushaltsbüro des Kongresses geht davon aus, dass die Zinsbelastung in den kommenden Jahrzehnten zunehmen wird. Der wachsende Schuldenberg führt dazu, dass der US-Zentralstaat so viel Geld für den Schuldendienst aufwenden muss wie seit Jahrzehnten nicht mehr.Wie lange kann das gutgehen?Die USA können sich ihren Schuldenberg im Wesentlichen so lange leisten, wie es Investoren gibt, die dem amerikanischen Staat neue Schuldtitel abkaufen. Anzeichen dafür, dass sich dies bald ändern wird, gibt es kaum. Denn der Markt für US-Anleihen ist so liquide wie kein anderer. Es ist sehr einfach, Anleihen in grosser Menge zu kaufen und zu verkaufen, womit solche Anlagen sehr attraktiv sind. Entsprechend können die USA ihre Schulden immer noch vergleichsweise günstig finanzieren.Diese Sonderstellung hat mit dem Status des Dollars als internationaler Leitwährung zu tun. Zwar wird seit Jahrzehnten immer wieder über das mögliche Ende dieses Privilegs spekuliert. In den Zahlen ist eine solche Wende aber nicht erkennbar. Mit einem Anteil von über 57 Prozent aller Devisenreserven liegt der Dollar weit vor dem Euro mit 20 Prozent. Zudem ist er bei 88 Prozent aller Devisentransaktionen beteiligt.An der US-Währung führt also kein Weg vorbei. Das muss aber nicht so bleiben. Zahlreiche Schwellenländer arbeiten daran, ihre Abhängigkeit vom Dollar zu verringern. Zudem ist das Vertrauen in die Solidität der amerikanischen Staatsfinanzen nicht gottgegeben. Daran erinnern die Zinsanstiege der vergangenen Wochen.
Amerikas Schuldenberg überschreitet 40 Billionen Dollar: Wie lange geht das noch gut?
US-Präsident Trump will nichts von Sparen wissen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum amerikanischen Schuldenproblem.











