An den internationalen Finanzmärkten wächst die Sorge über die hohe Verschuldung der Industriestaaten. In den USA ist die Staatsschuld inzwischen zum ersten Mal auf mehr als 40 Billionen Dollar gestiegen, laut aktuellen Daten des US-Finanzministeriums. Dazu trugen auch Steuersenkungen und die Kosten des Iran-Kriegs unter US-Präsident Donald Trump bei. Im Januar 2022 lag die Verschuldung noch bei 30 Billionen Dollar. Die USA haben aufgrund ihrer starken Wirtschaft und der Rolle des US-Dollars als globaler Leitwährung lange Zeit finanzielle Privilegien bei der Kreditaufnahme genossen. Inzwischen verlangen Investoren jedoch deutlich höhere Zinsen, etwa 4,6 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen und 5,2 Prozent für 30-jährige US-Staatsanleihen.In vielen Industriestaaten steigen die ZinskostenDie Unruhe an den Schuldenmärkten greift weltweit um sich. Auch in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und anderen Euro-Staaten sind die Kosten der staatlichen Kreditaufnahme stark gestiegen. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten zuletzt mit 3,3 Prozent – dem höchsten Stand seit über 15 Jahren. Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr sieht in den steigenden Zinsrenditen an den Anleihenmärkten ein Warnsignal. „Man muss sich um die Stabilität der globalen Anleihemärkte Sorgen machen“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.Vor allem die USA leben schon lange über ihre Verhältnisse. Im Haushaltsjahr 2025 betrug das Etatdefizit rund 1,8 Billionen Dollar. Das entsprach etwa 5,9 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. Eine Daumenregel besagt, dass ein Haushaltsdefizit von maximal 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung langfristig tragbar ist, weil ansonsten eine Schuldenspirale droht. In den USA belief sich der Schuldendienst im Haushaltsjahr 2025 bereits auf rund 14 Prozent der gesamten Ausgaben. Das schränkt den Handlungsspielraum der Regierung empfindlich ein.Wie ernst die Lage ist, zeigte sich an einer Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch, das Rückkaufprogramm für länger laufende Staatsanleihen von zwei auf vier Milliarden Dollar auszuweiten. Normalerweise greifen in Finanzkrisen die Zentralbanken mit Anleihekäufen ein, nicht die Regierung. Bessents Maßnahme ist daher vor allem ein politisches Signal an die Märkte: Die Regierung Trump ist mit dem hohen Zinsniveau unzufrieden.Der finanzielle Vorteil entsteht dadurch, dass Bessent hoch verzinste langfristige Anleihen zurückkauft und diese Käufe über kurzfristige und damit günstigere Kredite finanziert. „Er spart also etwas Geld. Das Refinanzierungsrisiko steigt gleichzeitig – auch schlägt jede Leitzinsänderung der Fed ziemlich schnell auf Finanzierungskosten des Staates durch“, sagt Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management. Wie nervös die US-Regierung angesichts der Lage an den Finanzmärkten ist, zeigte Anfang August eine höchst ungewöhnliche gemeinsame Intervention der USA und Japans am Devisenmarkt. Sie sollte den fallenden Yen stabilisieren und damit Japan davon abbringen, zur Stützung der eigenen Währung US-Staatsanleihen verkaufen zu müssen.Höhere Zinsbelastung für Bundesfinanzminister KlingbeilBesonders für Deutschland kommt die Entwicklung an den Anleihemärkten zur absoluten Unzeit, denn die Zinskosten der Regierung schießen wegen des 500-Milliarden-Euro-Programms zur Sanierung der Infrastruktur und der Sonderregel für die Verteidigungsausgaben bei der Schuldenbremse ohnehin massiv in die Höhe. Allein bis 2030 möchte Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) gut eine Billion Euro mehr an neuen Krediten aufnehmen, als er an alten tilgt. Entsprechend steigen die Zinsausgaben in den kommenden vier Jahren von heute gut 30 Milliarden auf 81 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2021, als die Zins-Steuer-Quote nach Jahren der sogenannten schwarzen Null im Haushalt den niedrigsten Stand seit den 50er-Jahren erreicht hatte, musste der Bund gerade einmal vier Milliarden Euro für den Schuldendienst aufwenden. Der erwartete Wert für 2030 bedeutet also eine Verzwanzigfachung.Ergebnis ist, dass aller Voraussicht nach schon bald jeder fünfte Steuer-Euro im Kernhaushalt für Zinsen reserviert werden muss. Steigen nun auch noch die Anleiherenditen dauerhaft um beispielsweise einen Prozentpunkt, dürften aus den 81 Milliarden Euro im Jahr 2030 mehr als 90 Milliarden werden. Zugleich klettern auch die Verteidigungs- und die Sozialausgaben immer weiter, zusammen mit den Zinskosten werden sie nach der bisherigen Planung in vier Jahren die Marke von 500 Milliarden Euro erreichen. Anders gesagt: 2030 wird der Bund fast 80 Prozent seiner regulären Haushaltsmittel für diese drei Bereiche ausgeben müssen. Entsprechend wird der Spielraum für alle anderen Politikbereiche immer kleiner.