Deutschland erlebt in diesen Tagen die Folgen einer langen Dürreperiode und mehrerer Hitzewellen. In der Eifel bedroht ein Waldbrand die Gemeinde Hürtgenwald. Wegen der Trockenheit warnt der Deutsche Bauernverband vor dramatischen Ernteeinbußen. Auf dem Mittelrhein können kaum noch Schiffe fahren. Und laut dem Robert-Koch-Institut gab es dieses Jahr bereits 12.500 Hitzetote.Die Ereignisse werfen die Frage auf, wie gut Deutschland auf Hitze- und Dürresommer vorbereitet ist. Denn im Zuge der Klimakrise werden solche Wetterphänomene zunehmen. Ein Überblick. Zu viel Hitze in Städten verhindern Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will den Städten und Gemeinden beim Hitzeschutz mehr unter die Arme greifen. Mit einer Grundgesetzänderung will er die Anpassung an den Klimawandel zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern machen. Damit könnte der Bund Maßnahmen beim Hitzeschutz – etwa das Pflanzen von Bäumen in Städten – mitfinanzieren. Bisher sind dafür allein die Kommunen zuständig.Die sind mit der Aufgabe oft überfordert, wie der Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt. In den meisten der 195 untersuchten Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern ist nicht ausreichend Fläche von Baumkronen überdacht. Nur sieben Städte erreichen laut DUH den wissenschaftlich empfohlenen Beschirmungsgrad von 30 Prozent – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Die Versiegelung nimmt aber überall weiter zu. In der Juni-Hitzewelle setzte die Berliner Polizei Wasserwerfer ein, um den Menschen Abkühlung zu verschaffen. © IMAGO/Jochen Eckel Zudem seien in den vergangenen sieben Jahren nahezu eine Million Bäume aus den Städten verschwunden, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz bei der Vorstellung des Hitzechecks. „Wenn sich dieser Trend fortsetzt, leben wir in wenigen Jahren in menschenfeindlichen Betonwüsten.“Nur wenige Städte haben bisher Hitzeaktionspläne erstellt. Der Deutsche Städtetag verweist auf seiner Homepage zwar auf gelungene Initiativen wie klimafreundliche Pflastersteine in Nürnberg oder mobile Klimaanlagen in Düsseldorf. Aber auch Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) räumt im ZDF ein, dass in den meisten Städten noch zu wenig passiert.Eine Pflichtaufgabe ist Hitzeschutz für die Kommunen bisher nicht. Sie würden gerne handeln, sagte Leipzigs Oberbürgermeister, hätten dafür aber kein Geld. Jung unterstützt deshalb Schneiders Initiative. Kliniken und Heime kühlen Die hohen Temperaturen sind primär für alte und kranke Menschen lebensgefährlich. Umso problematischer ist es, dass es in Kliniken und Pflegeheimen kaum Klimaanlagen gibt. Laut einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts aus dem Jahr 2022 verfügen nur 38 Prozent der Häuser über gekühlte Patientenzimmer, aber auch in diesen Kliniken sind nicht alle Zimmer klimatisiert. In den meisten Pflegeheimen gibt es keine Klimaanlagen. Während Hitzetagen kommen Ventilatoren zum Einsatz. © IMAGO/ABACAPRESS/IMAGO/Huchot-Boissier Patricia/ABACA Wie viele Zimmer in Pflegeheimen klimatisiert sind, ist nicht bekannt. Laut dem Statistischen Bundesamt waren selbst von den 2025 errichteten Gebäuden des Sozialwesens nur 14,5 Prozent gekühlt. In dieser Kategorie werden unter anderem Kitas und Pflegereinrichtungen erfasst.Während der Hitzewellen der vergangenen Wochen mussten sich Patienten, Pflegebedürftige, Ärzte und Pflegekräfte notdürftig selbst helfen. Medien berichteten, dass Patientenbetten in die Nordflügel verschoben worden seien, Pfleger sich kalte Tücher in den Nacken gelegt und Hygienebeauftragte schnell mobile Klimaanlagen besorgt hätten, um Medikamente zu kühlen.„Es braucht endlich effektive Förderprogramme, die dabei helfen, Pflegeeinrichtungen hitzeresistent zu machen“, sagte Isabell Halletz, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Pflege, dem Tagesspiegel. Hierfür müssten Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten. Ernteausfälle verhindern Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt vor teils massiven Ernteausfällen. In südlichen Teilen Deutschlands könne das bei Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen „bis zum totalen Ertragsausfall gehen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Bauernverband forderte deshalb erneut Soforthilfen der Politik. Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) will darüber Ende August beraten, wenn die amtlichen Erntedaten vorliegen. Ausgetrocknete Ackerböden und geschwächte Jungpflanzen sind die Folgen von Dürre und Wassermangel. © IMAGO/Bihlmayerfotografie/IMAGO/Michael Bihlmayer Agrarwissenschaftler forschen intensiv daran, wie sich künftig trotz extremer Hitze und Trockenheit gute Ergebnisse erzielen lassen. „Die Bauern müssen dafür die Porenstruktur im Boden verbessern, damit er mehr Wasser halten kann. Hierfür sollten die Bauern eine vielfältigere Fruchtfolge etablieren und den Boden möglichst wenig bearbeiten“, sagte Katharina Helming vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg dem Tagesspiegel. Hilfreich sind ihr zufolge unter anderem Hülsenfrüchte wie Bohnen und Erbsen und Zwischenfrüchte wie Senf, Luzerne oder Hanf.Aber viele Landwirte scheuten davor zurück, für eine vielfältige Fruchtfolge neue Maschinen zu kaufen, so Helming. Auch die Agrarpolitik der EU mache die Anpassung an den Klimawandel schwierig. „Denn für die Bauern ist es am lukrativsten, auf ihren Feldern nur zwischen besonders hochpreisigen Früchten wie Weizen und Zuckerrüben zu wechseln.“ Für Hülsenfrüchte sei der lokale Absatzmarkt in vielen Regionen noch nicht gut etabliert.Ein Problem seien auch die zumeist sehr großen Felder, sagte Helming. „Ohne Hecken und Baumreihen wie im Agroforst kann der Wind ungebremst über die Böden hinwegfegen und trocknet sie weiter aus.“ Waldbrände löschen Das Feuer in der Eifel ist nur noch wenige Meter von der Gemeinde Hürtgenwald entfernt, 1800 Menschen wurden bereits evakuiert. Die Löscharbeiten werden durch die hohe Munitionsbelastung in dem ehemaligen Kriegskampfgebiet erschwert. Am Donnerstag sei es bereits zu Explosionen gekommen.Die Zuständigkeit für den Waldbrandschutz ist in den sogenannten Feuerwehrgesetzen festgelegt und liegt bei den Städten und Kommunen. Unterstützung gibt es vom Bund bei der zusätzlichen Ausstattung für den Zivilschutz und für die Gefahrenabwehr. In Extremsituationen können die Länder über Amtshilfe die Unterstützung von Bundespolizei oder Bundeswehr in Anspruch nehmen. Auch das Technische Hilfswerk unterstützt in solchen Fällen.Grundsätzlich sei Deutschland durch sein flächendeckendes Feuerwehrsystem mit rund 1,5 Millionen Einsatzkräften gut auf Brände vorbereitet, doch bei größeren und dynamischen Vegetationsbränden gibt es nach Einschätzung des Waldbrandexperten Ulrich Cimolino Nachholbedarf. Er ist der Vorsitzende des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Ein circa fünf Hektar großer Waldbrand ist in der Nähe der Ortsgemeinde Bengel. © dpa/Mosel-News-TV „Wir schaffen es, sehr viele Feuer kleinzuhalten, weil wir Feuerwehr in der Fläche haben“, sagte Cimolino der Deutschen Presse-Agentur. Es fehle jedoch an zentralen Aus- und Fortbildungsstätten, die Taktik und Technik weiterentwickelten. Für Einsätze auf Munitionsverdachtsflächen wie den in der Eifel, bräuchte es zudem mehr geschützte oder gepanzerte Fahrzeuge.Es gibt bereits ein vom deutschen Feuerwehrverband speziell entwickeltes Löschfahrzeug für Waldbrände. Dieses kann rund 3000 Liter Wasser fassen, ist komplett geländetauglich und hat durch Wasserdrüsen einen Eigenschutz vor Hitze.Bei großen Bränden können Kommunen auf ausreichend Luftunterstützung zählen. Insgesamt 70 geeignete Hubschrauber von Länderpolizeien, Bundespolizei und Bundeswehr stehen für Löschmanöver zur Verfügung. Teils langwierige Anforderungswege und unterschiedliche Verfahren zwischen den Bundesländern erschweren aber die Einsätze, so Cimolino. Zudem können Früherkennungsmaßnahmen wie das kameragestützte System Firewatch helfen, das bei der Erkennung eines Feuers ein Warnsignal absetzt. Bislang wird das System jedoch erst für die Wälder von acht Bundesländern eingesetzt. Flüsse schiffbar halten Weil Wasser fehlt, finden etwa auf der Elbe schon seit Jahren kaum noch Transporte mit dem Binnenschiff statt. Der Rhein ist hingegen für die Versorgung der Schwer- und Chemieindustrie im Westen Deutschlands nach wie vor zentral. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet deshalb inzwischen bereits damit, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte geringer ausfallen könnte.Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung arbeitet daran, die Engpässe am Mittelrhein zwischen St. Goar und Budenheim bei Mainz zu vertiefen, um den Rhein künftig auch bei Niedrigwasser länger schiffbar zu halten. Dort soll die Fahrrinne um 20 Zentimeter vertieft werden, indem etwa bei Kaub einige Felsen beseitigt werden. Noch gibt es aber keinen Planfeststellungsbeschluss. 2033 soll das Projekt abgeschlossen sein. Schifffahrt ist auf dem Rhein aufgrund des Niedrigwassers kaum noch möglich. © imago/Rene Traut/IMAGO/Rene Traut Aber auch am Niederrhein könnte es die Schifffahrt bei Niedrigwasser erleichtern, wenn man einige Engpässe zwischen Krefeld und Stürzelberg bei Düsseldorf beseitigt. Ob eine Vertiefung der Fahrrinne sinnvoll ist, ist allerdings umstritten.Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ist dafür, Umweltminister Schneider lehnt eine reine Vertiefung hingegen ab. Vielmehr brauche es einen Rückbau „weg von Kanälen, hin zu natürlichen Flüssen mit mäandernden Flussarmen, mit Flussauenlandschaften, die das Wasser in der Fläche halten“.Bilger wie Schneider wollen auf niedrigwassergeeignete Schiffe setzen. Ein entsprechendes Förderprogramm soll laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung 2027 allerdings halbiert werden. Bilger will das bei Haushaltsverhandlungen im Bundestag noch verhindern. (mit dpa)
Schutz vor Hitze, Umgang mit Dürre: Wo es bei der Anpassung an das neue Klima überall hakt
In diesem Sommer zeigt sich die Klimakrise – und wie schlecht Deutschland darauf vorbereitet ist. Hitzeschutz, Landwirtschaft, Waldbrände, Schifffahrt: Wo die Politik jetzt handeln muss und was zu tun ist.














