Der Hitzesommer 2026 verschärft die Lage der Landwirtschaft in Deutschland. Im Süden und Südwesten Deutschlands zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums vielerorten extreme Trockenheit. Auch die Grundwasserstände sind niedrig. Das Niedrigwasserinformationssystem des Bundes (NIWIS) maß in der Alpenregion neue Negativrekorde. Dort seien alle gemessenen Grundwasserstände „extrem niedrig“.Als Folge der fortgesetzten Trockenheit schränken viele Kommunen die Wasserentnahme ein. In Baden-Württemberg haben von 44 Land- und Stadtkreisen nur fünf keine Beschränkung für den Gemeingebrauch erhoben. In mehreren Bundesländern gelten derzeit ähnliche Verbote. Im Landkreis Ludwigsburg, nördlich von Stuttgart, werden zur Begründung der Naturschutz, das Allgemeinwohl und die Ordnung des Wasserhaushaltes genannt. Wer Wasser für den privaten Gebrauch abschöpft oder abpumpt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. In Stuttgart sind bei Verstößen etwa bis zu 100.000 Euro fällig.Wasserknappheit trifft die LandwirtschaftViele Bauern befürchten nun, ihre Felder in ohnehin angespannten Zeiten nicht ausreichend bewässern zu können. Hohe Kosten für Energie, Dünger, diverse Dienstleistungen und niedrige Erzeugerpreise würden den Betrieben schon zusetzen, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV).„Die extremen Temperaturen werden vielerorts zu Ertragsverlusten führen“, sagt Guido Seedler, Getreidemarktexperte vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps seien seit Mitte Juni aufgrund der Hitze verloren gegangen. Erwartet wurden eigentlich 44,1 Millionen Tonnen, der Verband korrigiert seine Prognose nun auf 42,7 Millionen Tonnen. Den Bauern seien dadurch Einnahmeverluste in Höhe von 600 Millionen Euro entstanden. Laut Bauernpräsident Rukwied sähen die Ertragsaussichten für die Herbstkulturen Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben nicht gut aus. Proberodungen von Zuckerrüben hätten in trockenen Regionen ein niedriges Gewicht ergeben, das rund 25 Prozent unterhalb des langjährigen Mittels liege.Agrarökonomin Mareike Söder vom Thünen-Institut schätzt die Situation etwas weniger pessimistisch ein. Zwar seien für Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais im Südwesten Deutschlands Ertragseinbuße zu erwarten, das Wintergetreide sei in vielen Regionen jedoch vor Einsetzen der größten Trockenheits- und Hitzeeffekte geerntet worden. Folgen für die Qualität und Korngröße seien jedoch regional möglich. Auch seien noch nicht alle Ernten eingefahren, sodass sich die wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe derzeit nicht abschließend beurteilen ließen. Bauernpräsident Rukwied rechne mit deutlich rückläufigen Betriebsergebnissen für die Landwirte im laufenden Wirtschaftsjahr.Neue Strategien gegen die TrockenheitDem Umweltbundesamt zufolge müsse sich die Landwirtschaft auch in kommenden Jahren auf Sommer mit geringer Wasserversorgung einstellen. Für Brandenburg, eine der trockensten Regionen Deutschlands, fordert Björn Ellner einen naturverträglicheren Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft. Ellner ist Vorsitzender des NABU in dem Bundesland. Wasser könne effizienter genutzt werden, etwa durch den Verzicht auf großflächige Beregnungsanlagen, eine Bewässerung in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden sowie den Einsatz von Tröpfchenbewässerung. Dabei wird das Wasser über Schläuche gezielt an die Wurzeln der Pflanzen geleitet.Laut Agrarökonomin Söder eigne sich das aber nicht für alle Kulturen. Betriebseigene Wasserspeicher könnten laut der Agrarwissenschaftlerin Nataliya Stupak eine weitere Rolle in der Landwirtschaft spielen. Sie speichern in niederschlagsreichen Zeiten Wasser und geben es in heißen Sommern wieder ab. Dadurch könnten zugleich Grund- und Oberflächenwasser entlastet werden. Untersuchungen zum landwirtschaftlichen Wassermanagement in Deutschland zufolge sind solche Speicher allerdings nicht immer wirtschaftlich rentabel.Für Söder sind widerstandsfähigere Kulturarten, eine angepasste Bodenbearbeitung mit dem Ziel des Humusaufbaus sowie eine vielfältige Sortenauswahl weitere wichtige Bausteine der Klimaanpassung. Bauernpräsident Rukwied sehe in Züchtungsverfahren wie CRISPR-Cas eine zusätzliche Möglichkeit, um schneller widerstandsfähigere Sorten zu erhalten. Mit der Methode kann das Erbgut von Pflanzen gezielt verändert werden, um sie beispielsweise gegen Trockenheit widerstandsfähiger zu machen.Vom Landwirtschaftsministerium waren Anfang August keine Hilfen geplant. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters mit. Für Rukwied könne die steuerliche Risikoausgleichsrücklage jedoch perspektivisch ein wirksames Instrument sein. Dadurch sollen mithilfe von Steuervergünstigungen finanzielle Rücklagen für außergewöhnliche Risiken und Verluste, etwa durch Dürren, ermöglicht werden. Wissenschaftler des Ifo-Instituts kritisieren in einer Untersuchung im Jahr 2018, die Risikoausgleichsrücklage würde die eigenverantwortliche Vorsorge der Betriebe gegen Einkommensschwankungen und Krisen schwächen.So viel Wasser verbraucht die Landwirtschaft tatsächlichDem Umweltbundesamt zufolge wurden im Jahr 2022 insgesamt 17,9 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grund- und Oberflächengewässern entnommen. Auf die Landwirtschaft entfielen davon 0,48 Milliarden Kubikmeter Wasser und damit rund 2,5 Prozent. Die übrigen 17,4 Milliarden Kubikmeter Wasser wurden von der Energieversorgung, dem Bergbau und verarbeitenden Gewerbe sowie der öffentlichen Wasserversorgung genutzt. Sie machten damit 97,5 Prozent der Wasserentnahme aus.Die Anbaukulturen unterscheiden sich jedoch in ihrem Anteil an der bewässerten Fläche. Laut der Agrarstrukturerhebung 2023 entfiel mit rund 46 Prozent fast die Hälfte der bewässerten Flächen auf Getreide und Kartoffeln. Kleinere Anteile gehen auf Zuckerrüben, Mais und Gemüse zurück. Der Anteil der bewässerten Fläche sagt allerdings nichts darüber aus, wie viel Wasser je Hektar benötigt wird. Kulturen wie Gemüse und Obst, die auf vergleichsweise kleinen Flächen angebaut werden, benötigen häufig eine intensivere Bewässerung als großflächig angebaute Kulturen wie Getreide. Insgesamt wurden im Jahr 2022 im Freiland 431 Millionen Kubikmeter Wasser zur Bewässerung eingesetzt. 2009 waren es noch 293 Millionen Kubikmeter. Damit stieg der Wasserverbrauch innerhalb von 13 Jahren um 47 Prozent.Angesichts zunehmend trockener Sommer wird laut Wissenschaftlern des Thünen-Instituts der Verbrauch in der Landwirtschaft jedoch noch weiter steigen. Für eine dürregerechte Bewässerung seien daher zuverlässige Bewässerungsdaten entscheidend. Doch an diesen mangele es bisher. Es müsse klar sein, wer wie viel Wasser, aus welcher Quelle und zu welchem Zeitpunkt verbrauche, sagt Agrarökonomin Söder.
Hitzesommer 2026: Ernteverluste bedrohen Landwirte in Deutschland
Die Hitze setzt den Äckern zu. Vielerorts ist mit Ertragsverlusten für Getreide zu rechnen, während in einigen Regionen schon die Wasserentnahme rationiert wird. Vom Bund sind keine Hilfen geplant. Wie kommen die Landwirte damit zurecht?








