Das Hemd ist diesen Sommer ein Must-have und bleibt uns im Herbst erhalten: Ein Hemd aus der Pre-Fall-Kollektion von COS. PD Wäre weniger Stoff bei 38 Grad im Schatten nicht eigentlich mehr? Eben gerade nicht. Warum das Hemd das T-Shirt abgehängt hat und wie man es jetzt trägt.Geschlossen über Shorts oder Leinenhose. In der Taille locker geknotet zum Jupe. Offen über einem Slipdress oder einem Tanktop oder, nach dem Schwumm im See, über dem Bikini. Überlang als Kaftan getragen. Hemden sind gerade überall zu sehen. Sie ähneln sich vom Grundprinzip her alle: eher grosszügig geschnitten, hüftlang, gerade, keine Brustabnäher, aus leichten Stoffen wie Leinen oder Baumwolle. Ein locker geschnittenes Hemd in klassischem Business-Bübchenblau wurde diesen Sommer gerne getragen, hier von Content Creator Sonia Sofianidou an der Copenhagen Fashion Week. Getty Images Lange Ärmel im Hochsommer?Auf den ersten Blick mag überraschen, dass gerade ein langärmeliges Kleidungsstück es geschafft hat, zu einem der wichtigsten Teile der Garderobe dieses Hitzesommers zu werden. Wäre weniger Stoff nicht mehr bei 38 Grad? Eben gerade nicht. Bei schweisstreibenden Temperaturen gilt: je luftiger, desto besser. Liegt etwas eng am Körper an, wärmt es mehr, weil die Luft nicht zirkulieren kann. Zudem sind gestrickte Jersey-Stoffe wie bei T-Shirts meist dicker und schwerer als Gewebe aus Leinen oder Baumwolle. Weiterer Pluspunkt: Nacken, Schultern und Arme werden vor der Sonne geschützt. Musterspiel und Sonnenschutz: Model und Influencerin Julia Kammerer in Frankfurt. Getty Images Cecilie Thorsmark in luftigem Hemd mit Ziernähten bei der Copenhagen Fashion Week. Getty Images Viele (nicht nur Schwangere wie hier in Kopenhagen) nutzen die Knöpfe für Bauchfrei-Looks. Getty Images Die neu entdeckte Liebe der Frauen zum Hemd hat aber auch damit zu tun, dass es einfach ein gutes Teil ist. Entlehnt aus der früher viel funktionaleren Herrengarderobe, wirkt es lässiger als eine Bluse. Dennoch könnte es kaum weiter vom sportlichen Touch eines T-Shirts entfernt sein. Und es ist sehr wandelbar.Inspirierende StilvorbilderInspirierende Stilvorbilder sind in verschiedenen Dekaden zu finden: In den sechziger Jahren machte Audrey Hepburn das klassische Herrenhemd im Film «Breakfast at Tiffany’s» und auch privat, oft kombiniert mit einer weiten Hose, zu ihrem Markenzeichen. Patti Smith machte es in den Siebzigern auf dem Cover ihres Albums «Horses» zu einem androgynen Statement. Und in den Neunzigern stand es bei Carolyn Bessette-Kennedy für eine neue, minimalistische Eleganz. Herrenhemd statt Pyjama: Audrey Hepburn in «Breakfast at Tiffany’s», 1961. Getty Images Androgyn: Patti Smith bei einem Auftritt gegen den Vietnamkrieg, 1975. Getty Images Puristisch: Carolyn Bessette-Kennedy bei einer Wohltätigkeitsgala, 1999. Getty Images Und auch in der Wintersaison bleibt es ein Modethema, wie Initiativen von Marken verschiedener Preisklassen beweisen: Chanel, dessen Gründerin Gabrielle Chanel ein Faible für Herrenbekleidung hatte, kaufte gerade die auf Hemden spezialisierte Manufaktur Charvet in Paris, und COS setzt bei der Pre-Fall-Kollektion ganz auf Hemden. Diese Liebe ist also mehr als ein Sommerflirt. Gefertigt von Charvet: Hemd aus der neuen Kollektion von Chanel. Courtesy of Chanel Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.