The Market Risk BarometerDer schwache US-Arbeitsmarktbericht sorgt für etwas Entspannung bei den langfristigen Anleiherenditen. Während die Börsen weiter nach oben streben, verharrt das Risk Barometer im neutralen Bereich.Die Kommunikation – oder Kommunikationsverweigerung – der US-Notenbank (Fed) unter der neuen Führung von Kevin Warsh sorgte zuletzt für Stirnrunzeln an den Finanzmärkten – und für steigende Kapitalmarktzinsen. In den USA kletterten die Renditen auf dreissigjährige Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren, zehnjährige Papiere notierten so hoch wie letztmals 2023. Auch zehnjährige deutsche oder japanische Staatsanleihen haben Mehrjahreshöchst erklommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein wichtiger Treiber für den Aufwärtstrend war die Angst der Marktteilnehmer, das Fed meine es nicht ernst mit dem Kampf gegen die Teuerung. Nachdem sich Warsh beim Amtsantritt noch als Inflationsfalke gab, wuchsen zuletzt die Zweifel am Markt, ob dem wirklich so sei.Abnehmender Inflationsdruck?Nun sorgte der Juli-Arbeitsmarktbericht für Entspannung: Zwar ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäss den am Freitag publizierten Zahlen in den USA auf 4,1% gefallen, dennoch gingen im Monatsverlauf 23’000 Arbeitsplätze verloren. Die von Bloomberg erfassten Ökonomen prognostizierten im Schnitt einen Aufbau von 80’000 neuen Stellen. Gleichzeitig wurden die neu geschaffenen Stellen für die beiden Vormonate nach unten korrigiert.Das freute die Marktteilnehmer: Angesichts des schwächeren Arbeitsmarkts dürfte nämlich der Inflationsdruck abnehmen, was auch die Wahrscheinlichkeit höherer Leitzinsen des Fed verringert. «Zwar liegt die Inflation weiterhin über dem Zielwert, doch der jüngste Arbeitsmarktbericht mindert die Dringlichkeit einer Straffung, solange sich die Inflation nicht beschleunigt», kommentiert das kanadische Analysehaus BCA Research die Zahlen.In der Folge gingen die langfristigen Zinsen etwas zurück und der Weltaktienindex von MSCI kletterte zum Wochenausklang auf ein neues Rekordhoch (auch in Franken gerechnet). Der Zinsrückgang beflügelte auch den Goldpreis, der innerhalb einer Woche rund 10% zulegte.US-Börsen melden sich zurückAuch das Gros der Länderindizes verzeichnete in der vergangenen Woche ansprechende Kursavancen, wobei die US-Börsen klar den Ton angaben. Der Nasdaq 100 übernahm mit einem Zuwachs von 5,1% die Führung, dahinter folgte der Leitindex S&P 500, der 3,6% vorrückte.In Europa gewannen der Dax 2,7%, der Euro Stoxx 50 2,6% und der Swiss Market Index 1,4%. Der Nikkei 225 legte 1,9% zu.Zu den Nachzüglern gehörte der Londoner FTSE 100, der die Woche lediglich 0,3% höher beendete. Als einziger Index schloss der Schwellenländerindex von MSCI im negativen Bereich; er gab um 0,5% nach.Starke TechnologieaktienAuch bei den Sektoren überwogen die Gewinner. Das Zugpferd war die Technologiebranche, die im Wochenverlauf eindrückliche 7,2% vorpreschte. Mit einem Anstieg von 6,7% entwickelten sich Grundstoffwerte ebenfalls überaus erfreulich. Dahinter folgten die Sektoren Industrie (+3,2%), zyklischer Konsum (+2,6%) sowie Gesundheit (+2,1%).Weniger gefragt waren hingegen defensive und zinssensitive Sektoren wie Immobilien (–0,2%) und Versorger (–0,9%). Das Schlusslicht bildete der Energiesektor, der wegen der Entspannung beim Rohölpreis mit einem Minus von 3,4% deutlich unter Druck geriet.Neutrales Risk BarometerNachdem diverse Aktienbarometer neue Höchststände erklommen haben, werden auch die Marktteilnehmer etwas zuversichtlicher. Das Risk Barometer von The Market erhöhte sich im Vergleich zur Vorwoche von 43 auf derzeit 50 Zähler, womit es exakt auf dem langjährigen Mittelwert notiert.Insgesamt haben sich sechs der insgesamt neun Inputfaktoren verbessert, während sich die übrigen drei nur unwesentlich eingetrübt haben. Wiederum gehörten die optionsbasierten Daten zu den wichtigsten Treibern: So signalisierten die Volatilitätsindizes Vix und Vstoxx, die die erwarteten Kursschwankungen des S&P 500 respektive des Euro Stoxx 50 abbilden, eine weitere Beruhigung an den Märkten.Derweil setzten die Marktteilnehmer erneut verstärkt auf Call-Optionen, die überdurchschnittlich von steigenden Aktienkursen profitieren, und verschmähten Put-Optionen, die in fallenden Märkten an Wert gewinnen. Zum zunehmenden Risikoappetit der Börsianer passt auch das jüngst starke Abschneiden der kleinkapitalisierten relativ zu den grossen Unternehmen.Berichtssaison hat Höhepunkt überschrittenDie intensivste Phase der Berichtssaison zum zweiten Quartal ist abgeschlossen. Zwar legen auch in der neuen Woche einige wichtige Unternehmen ihre Zahlen vor, die «Schwergewichte» haben jedoch bereits rapportiert.Heute Montag legen u.a. Alcon, Barrick, Berkshire Hathaway, Embraer sowie Hims & Hers ihre Zahlen vor. Am Dienstag folgen CoreWeave, On, Franco-Nevada und SuperMicro. Am Mittwoch präsentiert Cisco Systems ihr Resultat, am Donnerstag stehen Applied Materials sowie JD.com im Fokus der Marktteilnehmer.Quelle: Earnings WhispersBei den Konjunkturdaten stehen ganz klar die US-Inflationszahlen, die am Mittwoch veröffentlicht werden, im Vordergrund.
Boomende Börsen, abwartende Anleger
Der Weltaktienindex von MSCI markiert ein neues Höchst, doch das Risk Barometer lässt keine Euphorie bei den Marktteilnehmern erkennen.
Der schwache US-Arbeitsmarktbericht (23.000 Jobverluste statt 80.000 erwartet) senkte Zinserwartungen und trieb Techaktien um 7,2% nach oben. Sinkende Zinsen begünstigen Tech-Valuations; Manager profitieren von niedrigerem Kapitalkosten-Druck bei Tech-Investitionen.







