The Market Risk BarometerDer steigende Ölpreis, die Rückkehr der Skepsis bezüglich der Rentabilität der KI-Investitionen sowie neue US-Importzölle sorgen für Nervosität. Das Risk Barometer von The Market gibt erneut nach.Die Geopolitik beschäftigt die Märkte nach wie vor: Nachdem sich die kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran jüngst intensivierten und nun auch noch die Huthi Öltanker im Roten Meer angegriffen haben, kletterte der Preis für die Rohölsorte Brent im Wochenverlauf auf mehr als 100 $ pro Fass. Nachdem die USA eine Pause ihrer Angriffe beschlossen hatten, haben sich die Ölnotierungen zum Wochenbeginn zwar wieder etwas entspannt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dennoch melden sich mit den zuletzt gestiegenen Energiepreisen die Sorgen um die Inflation wieder zurück, weshalb die Anleihenrenditen auf breiter Front nach oben tendierten. In den USA ist die Rendite dreissigjähriger Treasury Bonds in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit zwanzig Jahren geklettert, diejenige zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ist auf den höchsten Stand seit 2011 gestiegen. Auch wenn an der kommenden Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch noch keine Leitzinserhöhung erwartet wird, nimmt die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks zu.Trump packt erneut die Zollkeule ausHinzu kommt das Wiederaufflackern der Skepsis der Anleger in Bezug auf das Wettrüsten im Bau von Rechenzentren der sogenannten Hyperscaler (Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta Platforms, Oracle).Inzwischen übersteigen die Kapitalinvestitionen der Hyperscaler ihren operativen Cashflow, weshalb sie verstärkt an den Kapitalmärkten zusätzliche Mittel aufnehmen müssen, um ihre Ausgaben zu stemmen. So erreichte der freie Cashflow von Alphabet im zweiten Quartal –5,8 Mrd. $, womit er erstmals in der rund zwanzigjährigen Börsengeschichte des Konzerns negativ ausfiel.Damit rückt aber wieder die Frage in den Vordergrund, ob sich diese Kapitalinvestitionen dereinst auch tatsächlich auszahlen, sprich eine angemessene Rendite abwerfen werden. Zumal chinesische Modelle, wie zuletzt Kimi K3 des Startups Moonshot AI, offenbar deutlich günstiger sind und ähnlich gut abschneiden wie die US-Konkurrenz. Die Anleger dürften jedenfalls gespannt auf die Ergebnisse von Meta und Microsoft (Mittwoch nach US-Börsenschluss) sowie von Amazon (Donnerstag nach Börsenschluss) warten.Schliesslich haben die USA am Freitag neue Importzölle verkündet, die für sechzig Handelspartner gelten sollen. Schweizer Importe in die USA werden künftig zu einem Satz von 12,5% belastet. 19 Länder geniessen einen leicht niedrigeren Satz von 10%, darunter die Länder der EU, Grossbritannien, Kanada und Mexiko.Der FTSE 100 setzt seinen Lauf fortTrotz dieser negativen Nachrichten schlugen sich die meisten Börsen recht wacker. Während der Weltaktienindex von MSCI die Woche leicht tiefer beendete, entwickelten sich diverse Indizes durchaus erfreulich. So setzte sich der Londoner FTSE 100 (+1,3%) erneut an die Spitze der Performance-Rangliste. Aber auch der Dax (+1,1%) und der MSCI China (+0,9%) legten zu.Weil das Indexschwergewicht Nestlé im Wochenvergleich happige 5,7% an Wert einbüsste, kam der Swiss Market Index (–0,1%) kaum vom Fleck. Immerhin: Der Kurssprung von Roche (+6,3%) vermochte Schlimmeres zu verhindern.Enttäuschend fiel die Entwicklung der US-Barometer aus: So büsste der US-Leitindex S&P 500 im Wochenverlauf 0,6% ein, während der Nasdaq 100 einen Kursverlust von 1,6% erlitt.Zyklischer Konsum und Kommunikation unter DruckBei den Sektoren überwogen zahlenmässig die Gewinner: Angeführt wurde das Feld wie schon in der Vorwoche von Energieaktien, die die Woche 3,8% höher beendeten. Dahinter folgten die Branchen Grundstoffe (+1,5%), Industrie (+1,5%) und Versorger (+1,4%).Drei Sektoren verzeichneten Kursverluste: Basiskonsum (–2%), zyklischer Konsum (–5,3%) sowie Kommunikation (–5,6%), wobei vor allem einzelne Unternehmen für den Rückgang verantwortlich waren. Basiskonsum wurde von Nestlé nach unten gezogen, zyklischer Konsum von Tesla, während Alphabet den Kommunikationssektor belastete.Risk Barometer bleibt schwachVor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass die Stimmung unter den Marktteilnehmern von Zurückhaltung geprägt bleibt. Das Risk Barometer von The Market nahm marginal von 39 auf derzeit 38 Zähler ab, womit es weiterhin unter dem langfristigen Mittelwert verharrt. Allerdings signalisiert es (noch) keine Panik.Von den neun Inputfaktoren signalisieren deren fünf eine zunehmende Risikofreude, vier lassen eine erhöhte Vorsicht erkennen. Letztere spiegelte sich am deutlichsten an der wöchentlich Umfrage der American Association of Individual Investors, gemäss derer unter US-Privatanlegern neu die Bären gegenüber den Bullen dominieren. Auch die gestiegene Nachfrage nach Put-Optionen drückte auf das Risk Barometer.Im Gegenzug zeigten die Small Caps nicht zuletzt wegen der eklatanten Schwäche einiger Mega Caps jüngst eine starke relative Bewegung, was im Risk Barometer positiv zu Buche schlug. In der Summe neutralisierten sich die positiven und die negativen Faktoren allerdings weitgehend.Hyperscaler im FokusDie Berichtssaison läuft inzwischen auf Hochtouren: In den kommenden Tagen legt eine Fülle gewichtiger Unternehmen ihr Ergebnis vor (siehe Tabelle).Zu den prominentesten zählen u.a. AstraZeneca und Baker Hughes (heute Montag), Boeing, Coca-Cola, Ford, PayPal, Sika, UPS und Visa (Dienstag). Am Mittwoch folgen Meta, Microsoft, Procter & Gamble sowie UBS. Am Donnerstag stehen Altria, Amazon, Apple, Bristol Myers Squibb, Ferrari, Mastercard und Stellantis im Fokus der Marktteilnehmer. Zum Wochenausklang präsentieren Cameco, Chevron, Colgate-Palmolive, ExxonMobil, Holcim sowie Moderna ihr Ergebnis.Quelle: Earnings WhispersAus makroökonomischer Sicht steht in der laufenden Woche der Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed) im Fokus der Anleger. In der Schweiz richtet sich das Augenmerk am Donnerstag auf das Kof-Konjunkturbarometer, während am Freitag die Bank of Japan ihren Zinsentscheid fällt. Zudem werden die Einkaufsmanagerindizes für China sowie das von der Universität Michigan ermittelte Konsumentenvertrauen und die Inflationserwartung publiziert.
Anlegerstimmung: Der Gegenwind nimmt zu
Der steigende Ölpreis, die Rückkehr der Skepsis bezüglich der Rentabilität der KI-Investitionen sowie neue US-Importzölle sorgen für Nervosität.










