Ulrich Siegmund kommt, der Mann, der in Sachsen-Anhalt – ach was, für ganz Deutschland – Geschichte schreiben will. Um 10 Uhr soll er, der womöglich erste blaue Ministerpräsident Deutschlands, den Markt von Gräfenhainichen rocken. Viertel vor zehn rollt ein Polizeiauto an. Ein Mann mit großer Deutschlandfahne, AfD-Buchstaben in der Mitte, betritt den Platz vor dem hübsch restaurierten Rathaus, einem Fachwerkbau aus dem Jahr 1699.

40 Leute sind da, die kann man noch einfach zählen, darunter etliche kräftige Männer mit Knopf im Ohr. Es gibt keine Bühne, keine Lautsprecher. Auf einem Tisch liegen AfD-Feuerzeuge, Flyer und Ulrich-Siegmund-Shirts bereit. Gegen eine beliebige Spende zu erwerben. Eine etwa 50 Jahre alte Frau erkundigt sich nach den Eintrittsbedingungen der Alternative für Deutschland.

Drei muntere ältere Frauen sitzen schwatzend auf einer Bank, Gräfenhainicherinnen, die den Spitzenkandidaten im Landtagswahlkampf sympathisch finden und mal persönlich erleben wollen. Ihre Wahlentscheidung steht offenbar fest: diesmal AfD. Warum? Es sprudelt aus ihnen heraus, mal redet die eine, mal die andere: So wie bisher könne es nicht weitergehen, jetzt müssten mal andere ran, und die AfD sei eben die einzige Partei, die noch nicht zeigen konnte, dass sie es besser kann.